Im Fokus: Insider Mediatoren

Zur Lösung von Konflikten sucht man weltweit verstärkt nach Ansätzen und Methoden, die den Akteuren vor Ort bereits vertraut sind, kurz:  Wie kann ein Konflikt durch diejenigen, die davon betroffen sind, möglichst auf ihre Art gelöst werden? Besonders im Bereich Mediation setzen die Konfliktakteure vielleicht eher auf einen Vermittler, dem sie vertrauen und zu dem sie einen persönlichen Bezug haben, als nur einen Experten seines Fachs, der möglichst neutral und unparteiisch agiert. Ersteres mag besonders auf interne Akteure zutreffen, auch, oder vielleicht gerade weil sie ethnisch, religiös oder in anderer Weise eher einer Konfliktpartei zuzurechnen wären. Insider Mediatoren mögen daher im ersten Moment als parteiisch gelten, doch werden ihnen von allen Konfliktparteien Respekt und Vertrauen entgegengebracht, weil sie sich in anderen Fällen bereits als faire Vermittler bewährt haben. Insider Mediatoren gelten als glaubwürdig, gerade weil sie dieses persönliche Interesse an einem friedlichen Zusammenleben haben, und sich wiederholt für Alternativen zur Gewalt stark gemacht haben. In vielen Konflikten sind gerade sie es, die kritische Situationen entschärfen/deeskalieren, Brücken bauen und sich für einen friedlichen Ausgleich einsetzen.

Die Berghof Foundation hat die Rolle diese Insider seit einigen Jahren wissenschaftlich untersucht und deren Bemühungen um eine Transformation von Konflikten aktiv begleitet. Weltweit haben wir dabei eng mit ihnen zusammengearbeitet, etwa durch prozess-begleitende und technische Unterstützung auf deren Anfrage. Konzeptionell haben wir dabei unsere eigene Rolle reflektiert und Best-Practice-Konzepte für die Kooperation zwischen Insidern und (uns) Externe in Transformationsprozessen entwickelt. Hier nun ein kurzer Einblick in diese Konzepte und praktischen  Beispiele.

  •  Persönlichkeit

Insider Mediatoren sind häufig traditionelle Älteste, religiöse oder spirituelle Führer, Vorsitzende von Frauen- oder Jugendgruppen, Künstler, Erzieher, Unternhemer, Politiker, Staatsbedienstete oder sogar Personen aus dem Sicherheitssektor. Als Insider in einem Konflikt können sie auf bestimmte kulturelle Anknüpfungspunkte zurückgreifen, wie Tradition, Religion, Spiritualität, Säkularismus, Pluralismus oder Multikulturalismus. Es gibt auch interessante Beispiele von Insider Mediatoren, die über nationale Grenzen hinweg  geachtet und geschätzt werden, oft aufgrund ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit (z.B. Älteste in diversen afrikanischen Kontexten oder bestimmte Mönche in Südostasien). 

  • Ansatzpunkte

Insider Mediatoren sind in der Lage, auf verschiedenen Konfliktebenen anzusetzen und etwa Grasswurzelinitiativen und offizielle Diplomatie miteinander zu verknüpfen. Während sie weitgehend über informelle Kanäle agieren, können sie im Einzelfall auch die politische Ebene direkt beeinflussen, indem sie entsprechende Verhandlungsprozesse initiieren und vermitteln. Andere Insider Mediatoren vermitteln nur innerhalb einer Konfliktpartei und legen damit die Grundlage für einen späteren Austausch zwischen den Kontrahenten.

  • Netzwerke

Insider Mediatoren stehen im Austausch mit vielen Anderen. Häufig bilden sie ein 'Netz von Netzwerken.' Um einen fairen Interessenausgleich zwischen den Konfliktparteien zu gewährleisten müssen sie in engem Kontakt zu den Konfliktdynamiken und v.a.  ihren “Co-Mediatoren” bleiben. Letztlich hängt ihre mögliche Rolle davon ab, in wie weit die Konfliktparteien ihnen vertrauen und sie respektieren. 

  • Inklusive Prozessgestaltung

Insider Mediatoren können Friedensprozesse inklusiver gestalten, indem sie etwa nichtstaatliche Gruppen in formale politische Prozesse einbinden.  In anderen Fällen können Insider Mediatoren aber auch fest in einem traditionellen patriarchalen Systems verankert sein. Dadurch stehen sie selbst einer Einbindung marginalisierter Gruppen, wie etwa Frauen oder  Jugend, entgegen. In diesen Fällen gilt es, zu überzeugen, dass ein Frieden tragfähiger ist, wenn auch diese Gruppen eingebunden sind.

  • Grenzen

Internationale Akteure neigen bisweilen dazu, Insider Mediatoren zu instrumentalisieren oder zu glorifizieren, statt auf deren Bedürfnisse nach Unterstützung einzugehen. Dies kann ihre Arbeit behindern oder gar gefährden. Auch juristische Grenzen, wie etwa Verbote, mit bewaffneten nicht-staatlichen Gruppen in Kontakt zu stehen, können Vermittlungsversuche stark behindern. Insider Mediatoren setzen sich, gerade in gewaltsamen Konflikte, persönlich Gefahren aus. Ihre Arbeit kann aber auch dadurch langfristig gefährdet sein, wenn sie ohne organisatorische oder finanzielle Unterstützung auf sich gestellt bleiben.

Projekte der Berghof Foundation zum Thema

  • Traditionelle und religiöse Insider-Mediatoren und die Transformation von Konflikten

Weltweit werden  religiöse und traditionelle Friedensstifter  immer stärker als zentrale Akteure in gewaltsamen Konflikten wahrgenommen. Konzeptionell betrachten wir diese möglichen Friedensstifter als spezifische Form von  Insider Mediatoren, für die Religion, Glaube, Spiritualität, Kultur und Tradition als Wegweiser für ihre Rolle als Vermittlerin Konflikten dienen. mehr >

  • Unterstützung von Insider Mediation durch die OSZE in Kosovo, Kirgistan und der Ukraine

Dieses Projekt untersucht, wie die Kapapzitäten der OSZE zur Unterstützung von Mediationsprozessen verbessert werden können. Ziel ist es, Schnittstellen zu schaffen, um die Zusammenarbeit und Komplementarität zwischen OSZE und den an diesen Prozessen beteiligten Akteuren zu stärken. mehr >

  • Coaching und Beratung von Young Facilitators im Kaukasus

Durch diese georgisch-abchasisch-südossetischen Gruppe (‘Young Facilitators Group’) wurde eine neue Generation von Fazilitatorinnen und Fazilitatoren im Kaukasus ausgebildet, begleitet und gestärkt. Diese bringen sich konstruktiv in Dialoginitiativen ein und führen gemeinsam Projekte – über Konfliktlinien hinweg –  durch. mehr>

  • Unterstützung von indigenen Organisationen in Bolivien zu Dialog und Mediation

Im Mittelpunkt dieses Projekts standen die Erfahrungen und Bedürfnisse von indigenen Organisationen und lokalen Führungspersonen in Bolivien. Ziel war es, die individuellen Fähigkeiten der Teilnehmenden zu Dialog und Mediation zu stärken, deren Gemeinschaften und Organisationen zu sensibilisieren und sie darin zu bestärken, auch als interne Fazilitatorinnen oder Mediatoren zu agieren. mehr >

Study on OSCE support to insider mediation

The study examines past, present and possible activities with insider mediators for the OSCE, in particular looking at cases from Ukraine, Kosovo and Kyrgyzstan. Commissioned by the Mediation Support Team of the Conflict Prevention Centre’s Operations Service and the German Chairmanship the study provides recommendations for the OSCE and its field operations on how to make use of insider capacities in conflict prevention and resolution.

Full Study >   Recommendations >

Studie zu traditionell- & religiös-orientierten Insider Mediatoren

Studie zu Friedensinfrastrukturen (I4P), die sich mit der Rolle von Insider Mediation befasst

  • Hans J. Giessmann. 2016. Infrastructures for Peace: Approaches and Lessons Learned. PDF >

Veröffentlichungen über den Aufbau einer Plattform interner Friedensstifter in Südthailand

  • Insider Peacebuilders Platform (IPP): How Can the Peace Process be Taken Forward. 28 February 2014. Policy Paper. PDF >
  • Peace Processes as Joint Learning Processes of Stakeholders and Insider Peacebuilders. A Case Study on Southern Thailand. 2013. PDF >

Artikel zum Thema Insider Mediation im Rahmen von ASEAN und EU

  • Ropers, Norbert. 2014. “Insider Mediation as a Tool of Collaborative Security: Trends, Discourses and Insights from Asia.” International Studies 49 (3-4): 189–205. link >.
  • Ropers, Norbert, and Mathus Anuvatudom. 2013. “Peace Processes as Joint Learning Processes of Stakeholders and Insider Peacebuilders: A Case Study on Southern Thailand.” Paper for the Asia-Pacific Peace Research Association (APPRA) Conference 2013, Bangkok, Thailand. PDF >.
  • Gourlay, Catriona, and Norbert Ropers. 2012. “Support for ‘Insider’ Mediators: A Gap in EU Ambitions for Mediation?” In Strengthening the EU’s Peace Mediation Capacities: Leveraging for Peace through New Ideas and Thinking, edited by Tanja Tamminen, 90–102. Finnish Institute of International Affair (FIIA). link >

Forschung zur Rolle von Insider Mediatoren in informellen Friedensprozessen (2008 – 9)

  • Mason, Simon. 2009. Insider Mediators. Exploring Their Key Role in Informal Peace Processes.  PDF > Arabic > Indonesian >
  • Giessmann, Hans J., and Oliver Wils. 2009. “Conflict Parties’ Interests in Mediation.” Berghof Policy Brief 01 (September): 1–14. PDF >

Im Erscheinen ...

  • Studie: “Jugendliche Aktionsräume” für Mediation und Dialog

    Diese gemeinsame Studie von Finn Church Aid und Berghof Foundation greift Aspekte der UN-Resolution 2250 zu Jugend, Frieden und Sicherheit auf. Ziel ist es, mehr über die Spielräume junger Leute („Youth space“) im Rahmen von Mediation und Dialog zu erfahren damit diese gezeilt gefördert werden können. mehr >

  • UNDP. 2015. “Supporting Insider Mediation: Strengthening Resilience to Conflict and Turbulence.” UNDP. link >.
  • Svensson, Isak, and Mathilda Lindgren. 2013. “Peace from the Inside: Exploring the Role of the Insider-Partial Mediator.” International Interactions 39 (5). Routledge: 698–722.
  • Hislaire, Peter, Richard Smith, and George Wachira. 2011. “Insider Mediators in Africa: Understanding and Enhancing the Contribution of Insider Mediators to the Peaceful Resolution of Conflicts in Africa.”
  • Interpeace. 2010. “Peacebuilding How ? ‘ Insiders ’ - ‘ Outsiders ’ and Peacebuilding Partnerships.” link >.