Vom Umgang mit der Vergangenheit

Auch nach dem Ende eines Krieges oder bewaffneten Konflikts müssen Gesellschaften mit den Folgen von Gewalt, und der Erinnerung daran, fertig werden. Diese Auswirkungen sind langfristig und tiefgreifend. Ein großer Teil der Bevölkerung ist traumatisiert und ein friedliches Zusammenleben wird dadurch erschwert, dass die verfeindeten Lager an ihren gegensätzlichen Sichtweisen auf vergangene Ereignisse festhalten. Hartnäckige Propaganda und konfliktfördernde Darstellungen, in denen Täter zu Opfern oder Helden stilisiert werden, verschleiern Schuld und Verantwortung. Doch wenn sich traumatische Erlebnisse vervielfältigen – und Ansichten und Einstellungen, die zur Eskalation des Konflikts beigetragen haben, nicht kritisch hinterfragt und öffentlich neu überdacht werden – ist das Risiko groß, dass der Konflikt unterschwellig weiter besteht und beim kleinsten Anlass erneut eskalieren kann.

Elementar für eine ernsthafte Annäherung ist es, etwas über die Probleme der anderen Seite zu erfahren und Ungerechtigkeiten, die von der eigenen Seite begangen wurden, anzuerkennen. Solche Begegnungen können ein wichtiger erster Schritt zur Versöhnung zwischen ehemaligen Feinden sein. In der Konfliktbearbeitung und Friedensarbeit sind unter dem Stichwort „Umgang mit Vergangenheit“ verschiedene Methoden und Ansätze bekannt, die einen dauerhaften Frieden und eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, auch zwischen ehemaligen Konfliktparteien, ermöglichen. Je nach Zielgruppen, kulturellen und ideologischen Faktoren sowie den allgemeinen Umständen und Bedürfnissen in der Konfliktregion unterscheiden sich diese Ansätze erheblich voneinander. Die Bandbreite geht von Fachkommissionen zur konfliktsensitiven Überarbeitung von Schulbüchern bis hin zu gruppentherapeutischen Maßnahmen zur Bearbeitung von Opfertraumata.

Die Berghof Foundation ist seit vielen Jahren in diesem Bereich tätig. Durch Forschung in verschiedenen Konfliktregionen haben wir Ansätze zum Umgang mit schmerzhaften Vergangenheiten entwickelt und sind stolz, mit bekannten Fachleuten zusammengearbeitet zu haben. Aktuell unterhält unser Kaukasusprogramm einen trilateralen Prozess zum Umgang mit Vergangenheit im georgisch-abchasisch-südossetischen Konfliktkontext.

Hauptmerkmale

  • Die Aufarbeitung einer politisch oder gesellschaftlich gewaltsamen Vergangenheit ist für die Transformation eines Konflikts und jegliche Friedensarbeit unerlässlich.
  • Erinnerungen an zurückliegende Gewalttaten können über Generationen hinweg lebendig bleiben und übertragen werden. Im schlimmsten Fall dienen sie noch nach Jahren oder Jahrzehnten dazu, erneute gewaltsame Mobilisierung zu rechtfertigen.
  • Es bedarf individueller wie kollektiver, privater wie öffentlicher Ansätze, um die Folgen von Gewalt aufzuarbeiten und so eine solide Grundlage für das künftige Zusammenleben zu schaffen.
  • Die verschiedenen Ansätze und Methoden zur Aufarbeitung können sich stark voneinander unterscheiden. In jedem Fall müssen sie aber im jeweiligen kulturellen wie allgemeinen Kontext, in dem sie angewandt werden, verankert sein.



  • Cordula Reimann and Ursula König: Collective Trauma and Resilience: Key Concepts in Transforming War-related Identities. 2017. Berghof Handbook Dialogue Series No. 11 - comment. PDF >
  • Reconciliation (english). Tübingen. Educational & Multimedia. Poster >
  • Beatrix Austin: Dealing with the Past. Supporting people-centred “working-through” the legacies of violence. 2017. Policy Brief No. 6. PDF >
  • Beatrix Austin & Martina Fischer (Eds.): Transforming War-Related Identities. Individual and Social Approaches to Healing and Dealing with the Past. 2016. Handbook Dialogue Series No. 11 - complete. Hardcopy >
  • Martina Fischer: Transitional Justice. Lessons from the Western Balkans. 2016. Policy Brief No. 5. PDF >
  • Martina Fischer & Olivera Simic (Eds.): Transitional Justice and Reconciliation. Lessons from the Balkans. 2016. London: Routledge. Book >

  • Andrea Zemskov-Zuege: „History Dialogue between Georgians and Abkhaz: How Can Working with the Past Pave New Ways?” In: Politorbis No.60, 2-2015, pp.23-29. link >
  • Martina Fischer & Ljubinka Petrovic-Ziemer (eds.) Dealing with the Past in the Western Balkans. Initiatives for Peacebuilding and Transitional Justice in Bosnia-Herzegovina, Serbia and Croatia. Berghof Report No. 18. Berlin: Berghof Foundation, 2013. Hardcopy >
  • Andrea Zemskov-Zuege: Erinnerung, Geschichtsbilder und zivile Konfliktbearbeitung – Ein Erfahrungsbericht zur Anwendung theoretischer Konzepte in der friedenspädagogischen Praxis. In: Sicherheit und Frieden, 3/2012, 164-170
  • Martina Fischer: Transitional Justice and Reconciliation: Theory and Practice. In: Berghof Handbook for Conflict Transformation, 2011. PDF >
  • Centro de Investigacióne Regionales de Mesoamerica (Ed.): Guatemala Memoria Viva. Una Historia para Cambiar la Memoria. Presentation, 2009. PDF >
  • Ivana Franovic: Dealing with the Past in the Context of Ethnonationalism. The Case of Bosnia-Herzegovina, Serbia and Croatia. Berghof Occasional Paper No. 29, Berlin: Berghof Research Centre, 2008. Hardcopy >
  • Véronique Dudouet, Martina Fischer & Beatrix Schmelzle: Dealing with the Past in Israel-Palestine and the Western Balkans. Storytelling in Conflict: Developing Research and Practice. Berghof Working Paper No. 5, Berlin: Berghof Research Centre, 2008. PDF >
  • Ossama Safa: Conflict Resolution and Reconciliation in the Arab World. The Work of Civil Society Organisations in Lebanon and Morocco. In: Berghof Handbook for Conflict Transformation, 2007. PDF >
  • Diane Enns: Identity and Victimhood. Questions for Conflict Management Practice. Berghof Occasional Paper Nr. 28. Berlin: Berghof Research Centre, 2007. Hardcopy>

  • David Bloomfield: On Good Terms. Clarifying Reconciliation. Berghof Report No. 14. Berlin: Berghof Research Centre, 2006. Hardcopy >
  • Sanela Basic: Bosnian Society on the Path to Justice, Truth and Reconciliation. In: Martina Fischer (ed.): Peacebuilding and Civil Society in Bosnia-Herzegovina. 10 Years After Dayton. Münster: Lit Verlag, 2007 (2nd edition), 357-386. PDF >
  • Natascha Zupan: Facing the Past and Transitional Justice in Countries of Former Yugoslavia. In: Martina Fischer (ed.): Peacebuilding and Civil Society in Bosnia-Herzegovina. 10 Years After Dayton. Münster: Lit Verlag, 2007 (2nd edition), 327-342. PDF >
  • Gunnar Theissen: Supporting Justice, Co-existence and Reconciliation after Armed Conflict: Strategies for Dealing with the Past. In: Berghof Handbook for Conflict Transformation, 2004. PDF >

In den vergangenen Jahren hatten wir das Glück, bereits mit vielen beeindruckenden Persönlichkeiten und Initiativen in diesem Bereich zusammenarbeiten zu können. Zu den Organisationen, mit denen wir derzeit kooperieren, gehören:

  • World Without Violence (Sukhum/i)
  • Movement of Abkhaz Mothers for Peace and Social Justice (Sukhum/i)
  • Peace Development Center (Tbilisi)