Das fehlende Bindeglied? Die Rolle der Diaspora in einem besseren internationalen humanitären System

03.11.2016

Unter diesem Titel fand am 3. Oktober in der UN City in Kopenhagen eine von der Berghof Foundation mitorganisierte Konferenz statt, die den Abschluss der ersten Phase der "Diaspora-Nothilfemaßnahmen und Koordination"-Initiative (kurz DEMAC) markierte. Um über die Möglichkeit humanitärer Hilfe durch die Diaspora zu diskutieren, kamen Vertreter der Zivilgesellschaft, EU Kommission, Regierungen, humanitären Organisationen, Diaspora und Wissenschaft zusammen. In Grundsatzreden, Plenumsdebatten und Podiumsgesprächen wurden Beispiele humanitärer Hilfsmaßnahmen durch die Diaspora präsentiert und die Frage eines inklusiveren humanitären Systems kritisch beleuchtet.

Der internationale Gipfel für humanitäre Hilfe zu Beginn des Jahres in Istanbul hatte bereits deutlich gemacht, dass angesichts der Komplexität und Schwere der aktuellen Krisen das internationale humanitäre System dringend verbessert werden muss. Als zentrale Punkte hierfür wurden eine inklusivere Gestaltung des Systems und die Förderung innovativer Hilfsmaßnahmen genannt. Daran anknüpfend bot die Konferenz die Möglichkeit über die Rolle der Diaspora als humanitärer Akteur und ihre Beziehung zu lokalen und internationalen humanitären Akteuren zu diskutieren. Dabei wurde die Bedeutung der Diaspora als Brückenbauer zwischen diesen beiden Akteuren hervorgehoben. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich gemacht, dass Diaspora-Organisationen nicht zu einer zusätzlichen Verwaltungsebene in einem bereits überfüllten humanitären System lancieren sollten. Aufgrund der Kultur- und Sprachkenntnisse und der bestehenden persönlichen Kontakte zu den Menschen vor Ort sei die Diaspora gut aufgestellt, um mit lokalen Partnern zu arbeiten und diese zu unterstützen. Oftmals seien lokale NGOs zwar besser positioniert, die betroffene Bevölkerung zu repräsentieren. Die transnational agierende Diaspora sei aber in der einmaligen Position, sowohl die Sprache der Bedürftigen als auch die der humanitären Hilfe zu sprechen. Diaspora- Organisationen wären daher gut platziert, den Menschen und Organisationen vor Ort zu helfen, auf der internationalen Ebene Gehör zu finden und ihre Sprache in die des internationalen humanitären Systems zu übersetzten. Gleichzeitig muss das System der internationalen Hilfe inklusiver gestaltet werden, da Diaspora-Organisationen immer wieder Schwierigkeiten haben an Koordinations- und Fördermechanismen teilzuhaben.

Den Bericht und ein Video zur Konferenz gibt es hier.