Nun komplett und gedruckt: Berghof Handbook Dialog Nr. 12 zu Sozialer Gewalt

15.12.2016

Das neue Berghof Handbook Dialogheft zu Sozialer Gewalt liegt nun komplett vor. Es kann sowohl online abgerufen werden als auch als Druckexemplar bestellt werden. Zur Erinnerung: seinen Ausgangspunkt nahm dieser Dialog in der Beobachtung, dass in manchen Ländern mehr Zivilisten von bewaffneten Banden oder kriminellen Organisationen getötet werden als in herkömmlichen Kriegen und Konflikten. Dennoch wurden diese „Schattenkriege“ lange Zeit weit weniger beachtet als politisch motivierte, bewaffnete Auseinandersetzungen. Da deren negative Folgen – sozio-politische Destabilisierung und bisweilen alarmierende Opferzahlen – aber immer deutlicher werden, setzen sich nationale und internationale politische Akteure nun auch zunehmend mit dem Problem der „bewaffneten sozialen Gewalt“ auseinander. Wir haben uns gefragt: Welche Facetten und Akteure hat soziale Gewalt in verschiedenen Ländern und Regionen? Welche erfolgversprechenden Strategien gibt es für den Umgang mit ihnen?

Der Leitartikel des aktuellen Handbook Dialogs argumentiert, dass man im Hinblick auf Probleme wie urbane Gewalt, gewalttätige Jugendbanden, Bürgerwehren und organisierte Kriminalität noch am Anfang stehe. Vorgehensweisen aus dem Umgang mit politisch motivierter Gewalt oder eine „harte Hand gegen Kriminelle“ zeigten bislang wenig Wirkung.

Die Autoren des Leitartikels sehen in integrativen und partizipativen Methoden aus dem Umfeld der Friedensförderung einen vielversprechenden Ansatz für die internationale Gemeinschaft, um sich konstruktiv mit dem Phänomen der „bewaffneten sozialen Gewalt“ auseinanderzusetzen.

In fünf Kommentaren gehen internationale ForscherInnen und PraktikerInnen diesem Vorschlag unter anderem für die Beispiele Kolumbien, Großbritannien, Nigeria, Mexiko, Myanmar und Guinea-Bissau nach. Sie beleuchten dabei unterschiedliche Aspekte und Dynamiken: von der engen Verflechtung politischer, sozialer und privater Gewalt, über die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit mit Regierungsakteuren, Zivilgesellschaft und Gewaltakteuren bis hin zu den Möglichkeiten und Grenzen verschiedener partizipativer Methoden. In den Kommentaren wird debattiert, was friedensfördernde Initiativen und andere Ansätze erreicht haben, und wo sie an ihre Grenzen stoßen.

Die Leitautoren schließen die Debatte mit neun Empfehlungen:

1. Sich auf langfristiges Engagement einzustellen und darin zu investieren

2. Lokale Führungsrollen zu akzeptieren und zu fördern

3. Allianzen und Koalitionen zwischen Staat und Gesellschaft zu stärken

4. Global und gemeinsam auf Gewalt in der Gesellschaft aufmerksam zu machen und gegen sie vorzugehen

5. Lokale Analysefähigkeit systematisch zu fördern und zu stärken

6. Gewaltsensitive Ansätze zu bevorzugen, auch in angrenzenden Handlungsfeldern

7. Lokale Fähigkeiten in Fazilitation/Mediation systematisch zu fördern und zu stärken

8. Experimentierfreudigkeit zu fördern und zu belohnen

9. Rechtliche und operative Rahmenbedingungen zu überprüfen.

Weitere Informationen über das Berghof Handbook >  

Dialog 12 im Überblick >