Nationale Dialoge: Ein Handbuch für die Praxis

Nationale Dialoge haben in den letzten Jahren als inklusive und partizipative Mechanismen in Friedensprozessen an Popularität gewonnen. Ziel des Projekts ist es, eine praxisorientierte Handreichung (National Dialogue Handbook >) für die Planung und Durchführung von Nationalen Dialogprozessen zu erstellen . Insbesondere deren praktische Umsetzung soll verbessert werden, gilt es doch, die Kompetenzen von Konfliktakteuren wie Drittparteien zu stärken. Auf Basis vergleichender Lernerfahrungen und Politikempfehlungen bietet das Handbuch eine einzigartige Ressource für künftige Dialogprozesse. 

Im Anschluss an die erste Projektphase und Veröffentlichung des National Dialogue Handbook, steht nun die praktische Anwendung im Mittelpunkt der zweiten Projektphase. Aufbauend auf den Erkenntnissen und Erfahrungen, die während der Erstellung und ersten Projektphase gewonnen wurden, zielt das Projekt nun stärker darauf ab, zu einer Verbesserung Nationaler Dialogprozesse beizutragen. Insbesondere sollen die Kapazitäten und Beiträge von Konfliktakteuren sowie Drittparteien im Sinne einer erfolgreichen Umsetzung gestärkt werden. Dazu arbeitet die Berghof Foundation mit maßgeblichen, an verschiedenen Nationalen Dialogprozessen beteiligten, politischen und gesellschaftlichen Akteuren, ebenso wie mit Vertretern internationaler Drittparteien, eng zusammen.

Zeitraum

2015-2018

Das Ziel Nationaler Dialoge ist es, alle relevanten nationalen (staatlichen und nichtstaatlichen) Akteure auf Basis eines breiten Mandats zusammenzubringen. Dadurch soll ein tragfähiger Konsens zu Schlüsselthemen des Konflikts hergestellt werden. Auf der Agenda stehen wichtige Konfliktthemen wie Staatsreform oder Staatsbildung; idealerweise dienen sie auch als Plattform zur Vertrauensbildung, zum gemeinsamen Lernen und zur Reflexion und Entscheidungsfindung. Als zeitlich befristete Initiativen können sie vor, während oder parallel zu formellen Verhandlungen stattfinden, die sich beispielsweise mit konstitutionellen Fragen oder der Implementierung umfangreicher Gesetzesvorhaben befassen.

In einer akuten Krise sollen Nationale Dialoge eine gewaltsame Eskalation verhindern bzw. nach Kampfhandlungen einen Weg aus dieser Krise weisen. Unter den Augen der  Öffentlichkeit soll so ein neuer Gesellschaftsvertrag geschaffen werden. Nationale Dialoge können eine Abkehr von eliten-bestimmten Entscheidungsprozessen einleiten - hin zu breiterem Konsens und stärkerer Bürgerbeteiligung bei politischen und konstitutionellen Reformen. Nationale Dialoge werden zwar in erster Linie als ein Mechanismus im Rahmen von Friedensprozessen nach Konflikten verstanden. Sie können aber auch einberufen werden, wenn politische Institutionen blockiert oder deren Legitimität grundsätzlich in Frage gestellt wird. Beispiele bieten die Nationalen Konferenzen im französisch-sprachigem Afrika in den 1990er Jahren (Benin, DRC, Togo, Mali, Niger, Chad), die Mehr-Parteien-Verhandlungen in Südafrika (CODESA), nationale Runde Tische (Polen, Deutschlands Wiedervereinigungsprozess), verfassungsgebende Versammlungen (Bolivien, Afghanistan) und die derzeitigen Nationalen Dialoge in der arabischen Welt (Bahrain, Jemen, Tunesien, Jordanien).

Trotz dieser vielen Beispiele stoßen Nationale Dialoge erst seit kurzem auf breiteres Interesse. Dabei fehlt es an konzeptioneller Klarheit: so benutzen unterschiedliche Akteure verschiedene Konzepte, Definitionen und praktische Zugänge. Empfehlungen zu Lernerfahrungen fehlen, oder sind kaum übertragbar. Vor diesem Hintergrund sehen wir die Entwicklung eines Handbuchs zu nationalen Dialogprozessen als wichtigen Beitrag zur Konflikttransformation.

Ansatz

Konfliktparteien, zivilgesellschaftlichen Akteuren und Drittparteien soll mit diesem Handbuch eine umfassende Ressource zur Verfügung stehen zu Design, Planung und Umsetzung von kontext- und konfliktsensiblen Nationalen Dialogen. Methodisch wird das Handbuch auf der Auswertung empirischer Fallstudien aufbauen. Dazu werden Interviews und Konsultationen mit Konfliktakteuren und Beratern vergangener, aktueller und bevorstehender Nationaler Dialogprozesse durchgeführt und durch eine breitgefächerte Literaturrecherche ergänzt. Das Projekt ist in drei Komponenten gegliedert:

  • Stärkung des strategischen Austauschs und Dialoges zwischen lokalen Konfliktakteuren, internationalen Planern, Beratern und Gebern; thematisiert werden  die Herausforderungen, Möglichkeiten und Unterstützungsleistungen bei der Durchführung erfolgreicher nationaler Dialogprozesse.
  • Entwicklung von standardisierten Trainingsmodulen zur Stärkung der Kompetenzen von Konfliktakteuren und relevanten Mitarbeitern von Geberorganisationen.
  •  Erstellung eines umfassenden, praxisorientierten Referenzwerkes zur Vorbereitung, Gestaltung, Unterstützung und Implementierung von nationalen Dialogprozessen durch Konfliktakteure, (inter)nationale Geber und politische Handlungsträger.

Ziele und Ergebnisse

Kern des Projekts ist die Erstellung des Handbuchs zu Nationalen Dialogen und dessen Verbreitung. Es soll einen systematischen Überblick und Anregungen über Kontext, Prozessdesign (z.B. Optionen für Agenda Setting, Kriterien für Teilnehmerauswahl) und verschiedene Herausforderungen nationaler Dialogprozesse (Inklusion, Legitimität) bieten und auch eine Reihe von Politikempfehlungen für (inter)nationale Handlungsträger und Konfliktakteure enthalten. Komplexe Inhalte werden in graphischen Darstellungen anschaulich aufbereitet. Ergänzt wird das Handbuch durch verschiedene Fallstudien und einen zusammenfassenden Policy Brief. Dazu werden Trainingsmodule entwickelt und durchgeführt, die sowohl Konfliktakteure und ihre Berater als auch internationale (Geber)Akteure darin unterstützen sollen, ihr Wissen und ihre Kapazitäten im Bereich Nationaler Dialoge auszubauen.

Regionale Schwerpunkte

Das Projekt zielt darauf ab, regional übergreifende Empfehlungen zu erarbeiten. Erste Fallstudien werden voraussichtlich zum Sudan, Mali, Libyen und Myanmar erstellt.

Dieses Projekt wird vom Auswärtigen Amt (AA) finanziert, in Kooperation mit dem Schweizer Eidgenössischen Department für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Es wird ausgeführt von der Berghof Foundation, in Kooperation mit swisspeace.

Die enge Zusammenarbeit der Berghof Foundation mit dem AA und EDA, swisspeace und anderen bi- oder multilateralen Gebern (wie EU, UN oder Weltbank), Konfliktakteuren und Experten wird eine zielgruppenrelevante Verbreitung und Anwendung des Handbuchs sicherstellen. Diese strategischen Partnerschaften werden darüber hinaus durch eine enge Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Partnerorganisationen gestärkt.

Die Aktivitäten im Rahmen dieses Projektes umfassen die folgenden Bereiche:

  • Technische Unterstützung, regionale Trainings und Entwicklung von Trainingsmodulen. Dazu gehören Übersetzungen des National Dialogue Handbook auf Arabisch, Spanisch und Französisch sowie technische Beratung und Trainings zur Unterstützung aktueller Nationaler Dialogprozesse, bei denen auch der Austausch zwischen an unterschiedlichen Prozessen Beteiligten (Mali, Afghanistan, Libyen, Südsudan) vorgesehen ist. Darüber hinaus erstellt unser Team einen Synthesebericht, der die Lehren aus vier Länderbeispielen (Sudan, Tunesien, Libyen und Mali) zusammenfasst und ebenfalls in die Entwicklung weiterer Trainingsmodule mit einfließt.
  • Entwicklung spezifischer Trainings, Coaching und Trainingsmodule für die Unterstützung von Drittparteien. Dies umfasst die Organisation und Durchführung von Trainings für Drittparteien, insbesondere das Auswärtige Amt.
  • Beteiligung am strategischen Dialog und Austausch zwischen lokalen Konfliktakteuren und internationalen Fachleuten und Geldgebern im Bereich Nationale Dialoge. Aufgrund des starken Interesses an den Erfahrungen aus Tunesien, insbesondere in der MENA-Region wird eine arabische Übersetzung der tunesischen Fallstudie erstellt und u.a. bei einer regionalen Veranstaltung vorgestellt und verbreitet.

Das Projekt unfasst fünf Hauptphasen.

  • Konzeption: Die konzeptionelle Arbeit der ersten Projektphase umfasst die Durchführung eines „Runden Tisches“ zu Nationalen Dialogen in Berlin und die Gründung eines wissenschaftlichen Beirats. Der Runde Tisch wird Konfliktakteure, Gebergemeinschaft, politische Entscheidungsträger und technische Experten aus Ländern, die sich am Beginn eines Nationalen Dialogprozesses befinden, zusammenbringen.
  • Erstellung von Fallstudien und Analysebericht: Während einer zweiten Phase werden dann Fallstudien durch lokale Partner erstellt und ein erster Analysebericht erarbeitet.

    April 2016: Focus group zu Nationalem Dialog in Libyen >

  • Redaktion und Layout: Anschließend erfolgen Redaktion und graphische Bearbeitung, einschließlich der Erstellung von Visualisierungen. In dieser Phase richtet das Projektteam auch einen kleinen Expertenworkshop aus, um die Ergebnisse zu diskutieren und Politikempfehlungen zu erarbeiten.
  • Verbreitung: Anschließend wird das Handbuch im Rahmen eines internationalen Symposiums in Berlin, das gemeinsam mit dem AA organisiert wird, vorgesellt. Das Symposium bringt u.a. am Projekt beteiligte Schlüsselakteure zusammen.

    Feb. 2017: Launch des National Dialogue Handbook >

  • Entwicklung von Trainingsmodulen: In der fünften, und letzten Phase des Projekts werden Standardmodule für Trainings zur Konzeption und Durchführung von nationalen Dialogprozessen entwickelt, die auf dem Handbuch aufbauen. Diese sollen Konfliktakteure, ihre Berater und internationale Drittparteien/Geber, die nationale Dialogprozesse begleiten möchten, dabei unterstützen, ihr Wissen und ihre Kapazitäten im Bereich Nationaler Dialog auszubauen. Das Training wird gemeinsam mit swisspeace durchgeführt.

  • National Dialogue Handbook. A Guide for Practitioners. 2017. PDF >
  • Manuel de dialogue national. Guide à l’attention des praticiens. mehr >
  • Manual de Diálogos Nacionales. Guía para practicantes. 2017. mehr >
  • National Dialogue Handbook (Arabic). 2017. PDF >
  • Catherine Barnes: Dilemmas of ownership, inclusivity, legitimacy and power: towards transformative National Dialogue processes.. 2017. National Dialogue Handbook. Conceptual Studies. PDF >
  • Henrik Hartmann: National Dialogues and Development. 2017. National Dialogue Handbook. Conceptual Studies. PDF >
  • Christina Murray : National Dialogues and Constitution Making. 2017. National Dialogue Handbook. Conceptional Studies. PDF >
  • Ousmane Sy, Ambroise Dakouo and Kadari Traoré: National Dialogue in Mali. Lessons from the 1991 National Conference for the Nascent Conference of National Understanding. 2016. National Dialogue Handbook. Case Studies. PDF >
  • Ousmane Sy, Ambroise Dakouo et Kadari Traoré: Dialogue National au Mali Leçons de la Conférence Nationale de 1991 pour le processus de sortie de crise. 2016. Manuel sur le Dialogue National. Étude de Cas. PDF >
  • Elshafie Khidir Saeid: Sudan's National Dialogue Conference: The Permissible Questions. 2017. National Dialogue Handbook. Case Studies. PDF >
  • Martin Wählisch: The Lebanese National Dialogue: Past and present experience of consensus-building. 2017. National Dialogue Handbook. Case Studies. PDF >
  • Centro de Estudios de Guatemala (CEG) swisspeace: Observations and Reflections on the Negotiation and National Dialogue Process. Case Study on Guatemala. 2017. National Dialogue Handbook. Case Studies. PDF >
  • Bishnu Raj Upreti & Bishnu Sapkota swisspeace: Observations and Reflections on the Peace and Constitution-Making Process. Case Study on Nepal. 2017. National Dialogue Handbook. Case Studies. PDF >
  • National Dialogue Handbook. A guide for practitioners. Executive Summary. 2017. Executive Summary. PDF >
  • Manual de Diálogos Nacionales. Guía para practicantes. 2017. Resumen ejecutivo. PDF >
  • Manuel de dialogue national. Guide à l’attention des praticiens. 2017. Résumé analytique. PDF >