Verhandlungstraining für Widerstands- und Befreiungsbewegungen

Dieses Projekt bietet praktische Unterstützung in Form von gezieltem Verhandlungstraining und gezielter Prozessbegleitung für Widerstands- und Befreiungsbewegungen („Resistance and Liberation Moments“, RLMs), die sich bereits in Verhandlungsprozessen befinden oder an Verhandlungen interessiert sind. Ziel unserer Arbeit ist es, die Rahmenbedingungen für politische Lösungen von bewaffneten Konflikten zu verbessern, indem wir die Verhandlungskompetenzen dieser oftmals marginalisierten Konfliktakteure stärken. Zu diesem Zweck haben wir ein Netzwerk aus RLMs ins Leben gerufen, das den beteiligten Bewegungen die Möglichkeit bietet, Erfahrungen auszutauschen, die eigenen Kompetenzen zu erweitern und Verhandlungsstrategien kritisch und konstruktiv zu reflektieren.

Die seit 2010 im Rahmen unseres jährlichen RLM-Netzwerktreffens stattfindenden Verhandlungsseminare decken mit wechselnden Schwerpunktthemen sowohl thematische als auch methodische Aspekte von Verhandlungen ab. Angewandtes Lernen anhand von konkreten Fallbeispielen und den eigenen Erfahrungen der Teilnehmenden stehen dabei im Vordergrund. Gemeinsam mit ihnen werden praktische Übungen und Instrumente zur Selbstreflexion und Strategieentwicklung sowie thematische Übersichten zu Schlüsselthemen im Bereich von Verhandlungs- und Konflikttransformationsprozessen erarbeitet.

Außerdem erstellen wir Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger und unterstützen RLMs aus dem Netzwerk durch maßgeschneiderte Seminare und langfristige Prozessbegleitung auf bilateraler Ebene. 

Laufzeit

2009 – 2015

Konfliktlage

Obwohl sie Hauptakteure in den meisten ethno-politischen Konflikten der heutigen Zeit sind, werden nicht-staatliche bewaffnete Gruppen („Non-State Armed Groups“, NSAGs) und Widerstands- sowie Befreiungsbewegungen (RLMs) in vielen Kontexten nur als „Störenfriede“ gesehen, denen mit einer Politik der Isolation und der Eindämmung begegnet wird. Das lässt den Gruppen wenig Spielraum für die Erarbeitung alternativer gewaltfreier Handlungsoptionen.

Wir sind der Überzeugung, dass der Dialog mit diesen Gruppen von grundlegender Bedeutung für die Suche nach einem Ende der Gewalt und der Herstellung von nachhaltigem Frieden ist. Aus diesem Grund unterstützen wir die Akteure dabei, ihre Konfliktlösungs- und Verhandlungskompetenzen zu stärken, um so zu dauerhaften und nachhaltigen Verhandlungsergebnissen beizutragen.

Unsere Arbeit konzentriert sich explizit auf RLMs, die sich dadurch kennzeichnen, dass sie politische Ziele verfolgen, breite gesellschaftliche Unterstützung sowie eine formale Struktur haben und internationales humanitäres Recht respektieren.

Ansatz

Schlüsselthemen, die von verhandlungsinteressierten RLMs aufgeworfen werden, umfassen: die Vorbereitung von Verhandlungsprozessen, die Verbesserung der eigenen Verhandlungsstrategie, den Umgang mit verhandlungsunwilligen staatlichen Akteuren, die Verbesserung von prozessunterstützenden Rahmenbedingungen (z.B. vertrauensbildende Maßnahmen, Kommunikation, Sicherheit) und die Vertiefung thematischer Kernpunkte bei Verhandlungen wie Sicherheitstransition, Teilhabe der Zivilgesellschaft, Übergangsjustiz und Teilhabe an der Machtausübung.

Indem wir den Teilnehmenden unseres RLM-Netzwerks sowohl Politikberatung als auch praktische Prozessbegleitung anbieten, können wir diese und weitere Themen aufgreifen und besprechen. Unser Ansatz orientiert sich dabei am Konzept der Eigenverantwortung („Ownership“) der beteiligten Akteure.

Vier Ziele werden mit diesem Projekt verfolgt:

  • Maßgeschneiderte Unterstützung: Neben unseren Netzwerktreffen bieten wir prozessbegleitende Beratung, die individuell auf die Bedürfnisse und Kontexte der beteiligten Gruppen angepasst ist (z.B. Verhandlungssimulationen, Strategiebildung, effektive Kommunikationsstrategien).
  • Gegenseitige Beratung: Das RLM-Netzwerk hat einen eigenen internen Expertenpool aufgebaut, in dessen Rahmen Mitglieder mit reichem Erfahrungsschatz ihr Wissen an jene Gruppen weitergeben, die vergleichbare Prozesse durchlaufen.
  • Lernen: Die Netzwerktreffen bieten Raum für Selbstreflexion und Erfahrungsaustausch zu einem weiten Themenspektrum, unter anderem Sicherheitsmanagement, Prozessdesign, humanitäres Völkerrecht, Nationaler Dialog und Verhandlungsblockaden.
  • Handlungsempfehlungen: Die Ergebnisse aus partizipativer Forschung und praktischer Arbeit mit dem Netzwerk werden zu konkreten Empfehlungen für politische Berater und Verantwortliche innerhalb und außerhalb der RLMs zusammengefasst.

Ziele & Ergebnisse

Dieses Projekt trägt dazu bei, gewaltfreie Konflikttransformation zu fördern, indem es versucht, die Verhandlungskompetenzen von RLMs zu verbessern.

Zu diesem Zweck wurden seit 2010 fünf Verhandlungsseminare für unsere Netzwerkmitglieder abgehalten. Zusätzlich haben wir für verschiedene Gruppen maßgeschneiderte Beratungsprozesse zu Themen wie Nationaler Dialog, Kommunikationsstrategie und Prozessdesign durchgeführt. Im Laufe des Projekts sind weiterhin sechs Policy Reports und Policy Briefs entstanden sowie elf Studien, in denen Repräsentantinnen und Repräsentanten der unterschiedlichen Gruppen selbst ihre Geschichte und ihre Sicht auf Verhandlungsprozesse reflektieren.

Regionen

Dieses Projekt ist überregional angelegt.

Partner

Lokale Partner: Das Netzwerk setzt sich gegenwärtig aus 15 RLMs zusammen.

And der Projektdurchführung sind darüber hinaus internationale Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis, Mediation und Verhandlungsführung beteiligt, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen an das Netzwerk weitergeben.

Jährliches Verhandlungsseminar

Von 2010 bis 2014 fanden sechs Verhandlungsseminare zu den folgenden Themen statt:

  • Designing Effective Communication Strategies (Effektive Kommunikationsstrategien) 2014
  • Learning from Failed Negotiations and National Dialogue (Fehlgeschlagene Verhandlungen; Nationaler Dialog) 2013
  • Security Arrangements Before, During and After Negotiations (Sicherheitsvorkehrungen vor, während und nach Verhandlungen) 2012
  • National Dialogue and Land Rights (Nationaler Dialog und Landrechte) 2011
  • Aspects of International Law and Peace Negotiations (Internationales Recht und Friedensverhandlungen) Oktober 2010
  • Designing Negotiations Effectively (Effektives Verhandlungsprozessdesign) März 2010

Maßgeschneiderte Unterstützung

Im Rahmen des Projekts bieten wir einzelnen Gruppen des Netzwerks bilaterale Prozessunterstützung an. Diese umfasst Strategieberatung und thematische Beiträge zu diversen Themen.

  • Common Space Initiative: National Dialogue Process Tool. 2011. Link >

Verwandte Veröffentlichungen

Forschungsberichte, Veranstaltungsreports, Policy Briefs

  • Hans J. Giessmann: Fundamentalism, Extremism, Terrorism: Commonalities, Differences and Policy Implications. In: Bruce A. Arrigo & Heather Y. Bersot (Eds.). The Routledge Handbook of International Crime and Justice Studies. 2013. London: Routledge, pp. 516-538.
  • Véronique Dudouet, Hans J. Giessmann & Katrin Planta: From Combatants to Peacebuilders. A Case for Inclusive, Participatory and Holistic Security Transitions. 2012. Policy Report . Hardcopy >
  • Véronique Dudouet: Anti-Terrorism Legislation and Prospects for Conflict Transformation. 2011. Policy Brief No. 2. PDF >
  • Véronique Dudouet & Sophie Haspeslagh: Mediating Peace with Proscribed Armed Groups: A Policy Workshop Report on the Implications of European Union (EU) Counter-Terrorism Legislation for Mediation and Support for Peace Processes. 2011. Berlin and London, Berghof Peace Support and Conciliation Resources. PDF >
  • Oliver Wils & Véronique Dudouet: Peace Mediation and Listed Terrorist Organizations: Challenges for Peacebuilding. 2010. USIP. PDF >
  • Véronique Dudouet: From War to Politics: Resistance/Liberation Movements in Transition. 2009. Report No. 17. Hardcopy >
  • Véronique Dudouet: Negotiating Conflict Settlements. Lessons Learnt and Challenges: Roundtable Meeting Report 7-9 March 2008, Schwanenwerder, Berlin, Germany. 2008. Hardcopy >
  • Alle Publikationen aus der Transitions Series  >