Friedenspädagogik im Iran

Das Projekt "Förderung direkter und struktureller Friedenspädagogik im Iran" unterstützt zivilgesellschaftliche Akteure im Iran in ihrem Vorhaben, durch Bildungsmaßnahmen eine Kultur des Dialoges und des Friedens zu fördern. Es werden Maßnahmen direkter Friedenspädagogik (Workshops, Qualifizierungskurse, Ausstellungen) durchgeführt und ein Beitrag zum Aufbau von Strukturen für Friedenspädagogik an Schulen und Hochschulen im Iran geleistet (Entwicklung von Curricula und Lernmodulen).

Laufzeit

2015 - 2017

Flyer Peace Education in Iran (engl.)

Flyer Peace Education in Iran (farsi)

Konfliktlage

Seit Beginn der Amtszeit von Präsident Hassan Rohani im August 2013 befindet sich der Iran außen- und innenpolitisch in einem Transformationsprozess. Ein Großteil der iranischen Bevölkerung hofft nach dem erfolgreichen Abschluss des Atomabkommens im Jahr 2015 und der Aufhebung der Sanktionen auf eine weitere außenpolitische Öffnung und auf innenpolitische Reformen. Der Transformationsprozess kann durch internationale Begegnungen und Erfahrungsaustausch sowie durch Qualifizierung und die Arbeit an gemeinsamen Projekten unterstützt werden. Im Iran besteht eine sehr hohe Nachfrage nach friedenspädagogischer und friedenswissenschaftlicher Expertise. Es gibt jedoch bisher keine systematischen Qualifizierungsangebote oder einschlägige Materialien. Da etwa die Hälfte der iranischen Bevölkerung unter 30 Jahre alt ist, sind Jugendliche eine besonders wichtige Zielgruppe für das Projekt und es gilt, Anknüpfungspunkte im Bildungswesen für friedenspädagogische Ansätze zu identifizieren.

Ansatz

Im Projekt werden friedenspädagogische Aus- und Fortbildungsformate durchgeführt, begleitende Lernmedien entwickelt und Begegnungen für junge Menschen aus dem Iran und den Nachbarstaaten ermöglicht. Die Lernmedien und Curricula werden in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern sowie mithilfe der Expertise europäischer und iranischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelt. Das Projekt bringt zudem Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus verschiedenen Provinzen Irans und angrenzenden Ländern zusammen und unterstützt dadurch die lokalen Partner bei der Etablierung eines nationalen und regionalen Friedensnetzwerks.

Ziele und Ergebnisse

    • Die Berghof Foundation (BF) berät das Tehran Peace Museum (TPM) beim Aufbau einer Friedensakademie in Teheran, in der regelmäßig Kurse und Dialogveranstaltungen stattfinden sollen. BF konzipiert gemeinsam mit den Partnern friedenspädagogische Bildungsangebote zu Ursachen von Gewalt und Krieg sowie Friedensstrategien und bringt das TPM in Kontakt mit deutschen Universitäten und Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern aus dem Fachgebiet der Friedens- und Konfliktforschung. Sie kooperieren zudem eng mit Fachkolleginnen und Fachkollegen iranischer Hochschulen.
    • Nach der erfolgreichen erstmaligen Durchführung eines Grundkurses zu Theorie und Praxis der Friedenspädagogik im November 2016 werden nun iranische Trainerinnen und Trainer ausgebildet, die diesen Kurs für verschiedene Zielgruppen und mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten anbieten können. Dafür steht ihnen ein friedenspädagogisches Manual auf Englisch und Persisch zur Verfügung.
    • Die vier Module des Grundkurses werden durch ein weiteres Modul speziell für Universitäten ergänzt. Es wird gemeinsam mit den ausgebildeten Trainerinnen und Trainern an einer Teheraner Universität erprobt.
    • Es wird ein regionales Friedenstreffen in Teheran stattfinden, an dem junge Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus dem Iran und den Nachbarländern teilnehmen. Den allgegenwärtigen Spannungen zwischen der arabischen und persischen Welt wird ein Begegnungsformat entgegengesetzt, von dem Impulse für zukünftige regionale Friedensaktivitäten ausgehen können.
    • Nachdem lokale Trainerinnen und Trainer in 2016 bereits Workshops zu "Peace Counts: Die Erfolge der Friedensmacher" in mehreren iranischen Städten durchgeführt haben, sollen in 2017 junge Iranerinnen und Iranern aus allen Provinzen Irans erreicht werden. In einer Summerschool kommen sie zusammen, erhalten eine friedenspädagogische Einführung und diskutieren über gesamtgesellschaftliche Themen.
    • Die lokalen Peace Counts Trainer werden durch Berghof weiterhin beratend begleitet. Darüber hinaus wird eine Gruppe Studierender aus Irak und Afghanistan zu Trainern ausgebildet und durch die lokalen Trainerinnen und Trainer über das Jahr begleitet. Sie sollen in ihren Heimatländern eigenständig Workshops durchführen.

      Schlüsselakteure

      Nach bisherigen Erfahrungen sind junge Iranerinnen und Iraner besonders offen, wissbegierig und bereit, sich für Frieden und Gewaltfreiheit zu engagieren. Daher arbeitet das Projekt eng mit jungen Freiwilligen zusammen, die friedenspädagogische Veranstaltungen planen und durchführen. Außerdem werden Pädagoginnen und Pädagogen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingebunden, die in Bildungsinstitutionen arbeiten, sowie Multiplikatorinnen und Mulitplikatoren aus der Zivilgesellschaft. Das Projekt qualifiziert und bringt Schlüsselpersonen im Bildungswesen und in der Zivilgesellschaft zusammen und bietet ihnen Räume zum Dialog über pädagogische Ansätze zur Entwicklung einer Kultur des Friedens.

      Partner

      Lokaler Partner ist das Tehran Peace Museum.

      Förderung

      Das Projekt "Förderung direkter und struktureller Friedenspädagogik im Iran" wird vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert.

      April 2017 - Erstes Peace Education Training of Trainers in Teheran

      Im April wurden in Teheran 13 friedenspädagogische Trainer und Trainerinnen von der Berghof Foundation fortgebildet. Sie hatten zuvor am Peace Education-Pilotkurs im November 2016 teilgenommen. Das jetzige Training diente dazu, sich über Kursmethoden, Gruppendynamiken und ihre Rolle als Trainer und Trainerinnen zu verständigen, sowie eigene Kurse zu planen. Die Teilnehmenden reflektierten ihre bisherigen Erfahrungen in der Durchführung von Kursen und berieten sich gegenseitig.

      Ab jetzt können sie das Peace Education Manual einsetzen, das von Berghof und dem Tehran Peace Museum auf Persisch und Englisch veröffentlicht wurde. Es behandelt die Hauptthemen Frieden und Friedenspädagogik, Gewalt und Gewaltfreiheit, Konflikt und Konflikttransformation und Global Citizenship. Zu allen Themen gibt es Arbeitsblatt-Vorlagen und Anregungen zur Sitzungsgestaltung.

      Bei der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding mit der Allameh Tabataba'i Universität am 19. April vereinbarten die Berghof Foundation und das Tehran Peace Museum erstmals die friedenspädagogische Zusammenarbeit mit einer iranischen Hochschule. Es soll den friedenspädagogischen Fachaustausch und die Qualifizierung von Lehrpersonal und Studierenden ermöglichen. Berichterstattung mit Bildern (Persisch):

      http://www.atnanews.ir/archives/79409

      http://www.atnanews.ir/archives/79631

      Dezember 2016 – Peace Counts Workshops in Shiraz und Saravan

      Peace Counts on Tour im Iran: Zuvor ausgebildete Trainerinnen des Tehran Peace Museum haben Peace Counts Workshops in Shiraz (14. Dezember) und Saravan (17. Dezember) durchgeführt. Der Workshop in Shiraz fand an der Universität Shiraz statt und wurde von Studierenden besucht. In Saravan nahmen Studierende und Dozenten der Islamic Azad Universität sowie Anwälte und Mitarbeiter der Stadt teil. Dort stieß besonders ein Poster über traditionelle Mediation auf großes Interesse der Teilnehmer.

      November 2016 – Kurs „Peace Education“ in Teheran

      Premiere im Tehran Peace Museum: 22 Teilnehmende aus iranischen Schulen, Universitäten und der Zivilgesellschaft haben erfolgreich den ersten Kurs zu Friedenspädagogik in Teheran abgeschlossen. Die Teilnehmenden lernten in vier Modulen Grundlagen zu Frieden und Friedenspädagogik, Gewalt und Gewaltprävention, Konflikt und Konflikttransformation sowie Global Citizenship kennen. Im Rahmen einer Exkursion tauschten sie Ideen für eigene friedensstiftende Aktivitäten aus. Das Tübinger Team der Berghof Foundation und der lokale Partner Tehran Peace Museum werden nun die Erfahrungen aus dem Kurs in das Curriculum einarbeiten, welches in einem Dialogverfahren gemeinsam entwickelt wurde. Das dazugehörige Manual wird bis zum Ende des Jahres als Handreichung für zukünftige iranische Trainerinnen und Trainer fertiggestellt und danach auf Englisch und Farsi publiziert.

      Juli 2016 – Iranisch-deutsch-österreichisches Expertentreffen in Tübingen

      Wie lassen sich im Iran friedenspädagogische Maßnahmen umsetzen, und welchen Beitrag kann die internationale Wissenschaft leisten? Drei Tage lang diskutierten sechs iranische, deutsche und österreichische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gemeinsam mit Freiwilligen des Tehran Peace Museums und Berghof-Mitarbeitern, welchen Platz Friedenspädagogik und Friedensforschung im Iran haben können. Die Teilnehmenden besprachen bisherige Modulentwürfe für einen einführenden Kurs zur Friedenspädagogik, tauschten Pläne für eine zukünftige Peace Academy in Teheran aus und hielten Kurzvorträge zu von ihnen aktuell beforschten Themen, etwa den Stand der Friedenspädagogik im Iran. Der europäisch-iranische Austausch ist für die Inhalte zukünftiger Workshops und den weiteren Projektfortschritt von großem Wert: Aktuelle Themen der Friedenspädagogik lassen sich so besser kontextualisieren und das Netzwerk kann für die weitere, auch wissenschaftliche, Kooperation genutzt werden.

      Februar - Dezember 2016: Peace Counts-Veranstaltungen

      Die ausgebildeten Trainerinnen und Trainer des Tehran Peace Museum führen über das Jahr mehrere Peace Counts-Veranstaltungen mit verschiedenen Zielgruppen durch:

      • 2. Februar 2016: Workshop für Mitglieder der NGO "Council for Promoting a Culture of Peace for Children"
      • 13. Juli 2016: Workshop für weitere Mitglieder dieser NGO
      • 28. September 2016: Workshop gemeinsam mit dem iranischen Außenministerium und UNHCR für Mitglieder von Organisationen, die mit afghanischen Flüchtlingen arbeiten
      • 13.-20 Dezember 2016: Peace Counts Ausstellung an der Fakultät für Recht und Politikwissenschaft der Allameh Tabataba'i Universität, anlässlich der "National Research Week"
      • 16. Dezember 2016: Workshop mit den Studierenden dieser Fakultät

      Weitere Veranstaltungen, auch in anderen iranischen Städten, sind in Planung.

      Im Verlauf des Projekts sind ein Curriculum und ein Manual für einen Grundlagenkurs zu Theorie und Praxis der Friedenspädagogik auf Englisch und Farsi entstanden.

      • Bauer, Isabella, Isabella M. Bauer, Uli Jäger, Yalda Khosravi, Elaheh Pooyandeh, Fateme Shadi Afrooz: Promoting Direct and Structural Peace Education in Iran. 2016. Teheran. Peace Education Course - Manual for Trainers (engl.). PDF >
      • Isabella Bauer, Isabella M. Bauer, Uli Jäger, Yalda Khosravi, Elaheh Pooyandeh, Fateme Shadi Afrooz: Promoting Direct and Structural Peace Education in Iran [in Farsi]. 2016. Teheran. Peace Education Course - Manual for Trainers (farsi). PDF >