Peace Boat

Seit 2005 gehen alle zwei Jahre bis zu 20 Studierende der Universität Tübingen für eine zehntägige Studienfahrt an Bord des Kreuzfahrtschiffs "Peace Boat" der gleichnamigen japanischen NGO. Auf seiner Fahrt um die Welt steuert das Schiff ehemalige und aktuelle Konfliktregionen an. Peace Boat organisiert Dialoge an Bord und in den Häfen und macht mit Aktionen und Kampagnen auf globale Probleme aufmerksam.

Die Studierenden nehmen an dem umfassenden friedenspädagogischen Dialog- und Bildungsprogramm an Bord teil und tragen aktiv zur Programmgestaltung bei. Sie halten Workshops und Präsentationen für die Mitreisenden und besuchen in den Häfen Erinnerungsorte und Konfliktschauplätze. Zudem organisieren sie Gespräche mit WissenschaftlerInnen und VertreterInnen zivilgesellschaftlicher Organisationen, die in den Bereichen zivile Konfliktbearbeitung, Versöhnung, Migration und Menschenrechte tätig sind.

Die Exkursion wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Programmbereichs Friedenspädagogik & Globales Lernen der Berghof Foundation in Zusammenarbeit dem Institut für Politikwissenschaften der Universität Tübingen und dem Peace Boat durchgeführt. Sie richtet sich primär an Studierende des Masterstudiengangs 'Friedensforschung und Internationale Politik' (MAFIP) der Universität Tübingen. Für sie stellt dies eine einmalige Gelegenheit dar, ihren sonst eher theoretischen Blickwinkel um praktische Perspektiven zu ergänzen.

Laufzeit

Seit 2005 alle zwei Jahre

Projektwebsite

Offizielle Peace Boat Website

Peace Boat-Blog der ehemaligen Teilnehmenden

Gegründet wurde die Nichtregierungsorganisation Peace Boat 1983 von einer Gruppe japanischer Studierender, die sich aktiv mit der Rolle Japans während des Pazifikkriegs (1937/1941-1945) auseinandersetzen wollten. Als kreative Antwort auf die Zensur der japanischen Regierung besuchten sie mittels eines gecharterten Schiffs die umliegenden Länder um mit Zeitzeugen ins Gespräch zu kommen und einen Austausch zwischen den Menschen zu initiieren.

Mit inzwischen über 85 Reisen durch Asien und rund um die Welt möchte Peace Boat einen Beitrag zum positiven gesellschaftspolitischen Wandel leisten. In Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Gruppen in Japan und weltweit, organisiert Peace Boat ein umfassendes friedenspädagogisches Dialog- und Bildungsprogramm an Bord und in den angefahrenen Häfen. Als neutraler und mobiler Raum ermöglicht das Schiff auf eine ganz besondere Weise solch grenzüberschreitende Dialoge. Vielfältige Projekte und Advocacy-Kampagnen ergänzen das Angebot und regen die Passagiere über die Bewusstseinsbildung hinaus zum Handeln an.

Seit 2005 organisiert die Berghof Foundation die Studienreise für deutsche Studierende in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen und der japanischen Nichtregierungsorganisation Peace Boat.

Ansatz

Das Projekt dient der Förderung einer kritischen und ergebnisoffenen Dialogkultur unter den Studierenden. Die spezielle Arbeits- und Herangehensweise zivilgesellschaftlicher Akteure an (gewaltsame) Konflikte im Herzen und am Rande Europas soll den sonst eher theoretischen Blickwinkel der Studierenden um praktische Perspektiven ergänzen. Umgekehrt erhalten zivilgesellschaftliche Akteure die Möglichkeit in Interaktion mit jungen NachwuchswissenschaftlerInnen zu treten und von ihnen über den aktuellen Stand der Forschung zu den jeweiligen Schwerpunktthemen zu erfahren. Nicht zuletzt ermöglicht der Austausch mit japanischen und internationalen Passagieren an Bord interkulturelle und handlungsorientierte Lernerfahrungen für alle Beteiligten. Zudem wird durch die Beschäftigung mit spezifisch deutschen Erfahrungen und die Begegnung mit anderen Kulturen die Selbstreflexion der Studierenden über ihre gesellschaftspolitische Verantwortung angeregt.

Ziele und Ergebnisse

Dieses Exkursionsangebot in Kooperation zwischen Berghof Foundation, der Universität Tübingen und der Nichtregierungsorganisation Peace Boat ist in Deutschland einmalig und für zahlreiche Studierende ausschlaggebend in der Wahl des Studienorts. Die Studierenden schätzen die Möglichkeit das Exkursionsprogramm im Rahmen des Begleitseminars mitzugestalten und sich aktiv an dessen Ausarbeitung und Organisation zu beteiligen. Bereits in der Vorbereitungsphase erweitern und vertiefen sie ihre interkulturellen Kenntnisse sowie ihre Dialogfähigkeiten. Des Weitern bewerten sie den direkten Austausch mit den Menschen vor Ort und die Besuche von Erinnerungsorten und Konfliktschauplätzen als besonders motivierend, die angesprochenen Themen anschließend auch wissenschaftlich zu vertiefen.

Partner

  • Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen
  • Peace Boat

Förderer

Die Studienreise wird vom Universitätsbund Tübingen e.V., dem Förderverein Berghof Peace Education / Institut für Friedenspädagogik e.V. und privaten Spendern gefördert. Zudem unterstützt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) das Projekt mittels PROMOS Stipendien für alle Teilnehmenden. Die Studierenden betreiben eigene Fundraising-Aktivitäten durch Spendenaktionen oder Kuchenverkäufe und tragen einen Teil der Reisekosten selbst.

September 2017 - Peace Boat Team geht an Bord

Wie ist die aktuelle Lage der Flüchtlinge in Griechenland? Was kann die Zivilgesellschaft gegen die Mafia ausrichten? Wie wird der Krieg auf dem Balkan aufgearbeitet? Mit diesen und vielen weiteren Fragen im Gepäck bricht diese Woche eine Gruppe Tübinger Studierender der Friedensforschung Richtung Mittelmeer auf. Sie wollen die Antworten direkt von Menschen vor Ort hören. Zehn Tage kreuzen sie mit dem japanischen Peace Boat über das Meer und treffen in den Häfen engagierte FlüchtlingshelferInnen in Athen, Kriegswitwen in Dubrovnik, Anti-Mafia-AktivistInnen in Neapel oder FriedenspädagogInnen in Barcelona. An Bord präsentieren die Studierenden ihre Erfahrungen zur Vergangenheitsbewältigung in Deutschland und eröffnen so den Austausch mit japanischen, iranischen und weiteren internationalen Passagieren. Die Studienreise wird von der Berghof Foundation in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen in einem Seminar vorbereitet und begleitet. Nach ihrer Rückkehr schreiben die Studierenden Berichte über die beeindruckenden Begegnungen und Erfahrungen, die hier veröffentlicht werden.

Oktober 2015 - Begegnungen an Land und auf See

"Als wir vor 10 Tagen an Bord gingen waren wir freundlich zueinander; von Bord gehen wir als Freunde", beschreibt eine Teilnehmerin die Begegnung zwischen Studierenden des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Tübingen und Freiwilligen des Teheran Peace Museum, Iran an Bord des Peace Boats. Mit dem Kreuzfahrschiff "Peace Boat", der gleichnamigen japanischen NGO, reisten die beiden Gruppen gemeinsam von Athen über Venedig, Dubrovnik, Kotor und Palermo nach Marseille.

Im Zuge des friedenspädagogischen und kulturellen Hafen- und Bordprogramms diskutierten die jungen Erwachsenen mit Mitgliedern von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen über die Krise in Griechenland, die Situation von Flüchtlingen oder den zivilen Widerstand gegen die Mafia. Sie besichtigten ehemalige Kriegsschauplätze und erweiterten im Gespräch mit Zeitzeugen und Vertreterinnen und Vertretern von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Regierungsinstitutionen und des ICTY ihr theoretisches Wissen über den Jugoslawien-Krieg. Die Präsentation der Tübinger Studierenden über Vergangenheitsbewältigung in Deutschland stieß bei den japanischen und iranischen Mitreisenden auf besonders reges Interesse.

Die Exkursion wird alle zwei Jahre von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Programmbereichs Friedenspädagogik & Globales Lernen der Berghof Foundation in Zusammenarbeit mit dem Institut für Politikwissenschaften der Universität Tübingen und Peace Boat durchgeführt.

Juni 2015 - Tübinger Peace Boat-Delegation “ready for boarding”

"Die Studierenden sind wirklich sehr motiviert, engagiert und aufgeweckt," sagt Jasna Bastic von der japanischen NGO Peace Boat, über ihr Treffen mit der Tübinger Peace Boat-Delegation am 29. Juni 2015 im Georg Zundel Haus der Berghof Foundation. Gemeinsam mit Jasna Bastic und den beiden Seminarleiterinnen, Anne Romund und Dagmar Nolden, beschlossen die Teilnehmenden das Programm an Bord und in den angefahrenen Häfen. Sie stellten Fragen über die Mitreisenden und das Leben an Bord. Jasna Bastic unterstrich die Bedeutung der Präsentation der Studierenden über Vergangenheitsbewältigung in Deutschland für die japanischen Passagiere. Mit frischer Motivation probten die Studierenden direkt im Anschluss den ersten Durchlauf ihrer Präsentation.

April 2015 - Auftakt des Begleitseminars

Am 22. April 2015 begann das Vorbereitungsseminar zur Peace Boat Exkursion, das von Anne Romund und Dagmar Nolden von der Berghof Foundation durchgeführt wird. Studierende der Fachrichtungen Friedensforschung und Internationale Politik, Politikwissenschaft und Japanologie der Universität Tübingen nehmen teil. Ein Semester lang bereiten sie Bord- und Hafenprogramm vor. Die zehntägige Studienfahrt beginnt am 28. September 2015 in Piräus (Griechenland). Die Route führt entlang der nördlichen Mittelmeerküste, über Venedig (Italien), Dubrovnik (Kroatien), Kotor (Montenegro) und Palermo (Italien) bis Marseille (Frankreich). Die Studierenden erarbeiten Themen wie die deutsch-griechischen Beziehungen in der Krise, die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien oder den Umgang mit Flüchtlingen im Mittelmeer. Ein zentrales Thema für Workshops und Präsentationen an Bord ist der Umgang Deutschlands mit seiner konfliktträchtigen Vergangenheit 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.