Young Facilitators Group

Ziel der Arbeit mit „Young Facilitators“ ist es, eine neue Generation von Fazilitatorinnen und Fazilitatoren im Kaukasus auszubilden, zu begleiten und zu stärken. Diese bringen sich konstruktiv in Dialoginitiativen ein und führen Projekte – über Konfliktlinien hinweg – gemeinsam durch. Die Rolle externer Drittparteien tritt dabei zunehmend in den Hintergrund bzw. ist langfristig nicht mehr nötig. Durch diese Herangehensweise entstehen Teamgeist, gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Vorstellungen davon, wie vielschichtig die Beziehungen zwischen Georgien, Abchasien und Südossetien auf zivilgesellschaftlicher Ebene in Zukunft sein könnten. Das Berghofteam erfüllt hier die Rolle von Mentoren und Coaches.

Mit dem Projekt „Young Facilitators of the Future“ ist zwischen 2010 und 2011 ein neues Netzwerk von Nachwuchskräften entstanden, das sich an mono- und multikommunalen Aktivitäten zur Vertrauens- und Friedensbildung im Kaukasus beteiligt. Seit 2013 koordinieren die aktivsten Mitglieder ihre Aktivitäten in sogenannten Concilium-Treffen. Mittlerweile sind die Young Facilitators ein halb-formelles Netzwerk mit einer Kerngruppe von aktiven, kontinuierlich engagierten Personen sowie einer georgischen, einer abchasischen und einer südossetischen Teilgruppe. Einige Mitglieder haben NGOs gegründet und führen eigene Projekte in bilateralen und trilateralen Teams durch.

Einzelprojekte

Concilium of the Young Facilitators, 2013
Young Facilitators Go Regional 2 (organisiert durch die Young Facilitator Group) 2013
Young Facilitators in Action, 2012
Young Facilitators Go Regional 1 (organisiert durch die Young Facilitator Group) 2012
Young Facilitators of the Future, 2010–2011

Laufzeit

2010 – 2014

Konfliktlage

Die Konflikte zwischen Georgien und Abchasien sowie Georgien und Südossetien, die in den frühen 1990er Jahren und 2008 mehrfach eskalierten, datieren bis in vorsowjetische Zeiten zurück. Im Wesentlichen geht es in beiden Konflikten um nationale Selbstbestimmung und den für die Zukunft erwünschten nationalen Status.

Gegenwärtig besteht in einer angespannten Situation zwischen den georgischen, abchasischen und südossetischen Konfliktparteien kein Konsens hinsichtlich erweiterter vertrauensbildender Maßnahmen. Auf der südossetischen und abchasischen Seite werden diese weithin als Köder gesehen, der die eigenen Unabhängigkeitsbestrebungen gefährdet. In Georgien wurden vertrauensbildende Maßnahmen unter der Regierung Saakashvilis als Schritt in Richtung Reintegration der „Konfliktregionen“ angepriesen. Obwohl die derzeitige georgische Regierung in dieser Hinsicht einen moderateren Kurs fährt, bleibt eine engere Kooperation ambivalent: Neben Vorteilen für beide Seiten würden hier auch Abhängigkeiten entstehen, die gegenseitiges Vertrauen voraussetzen. Diese Dilemmata sind für alle Parteien – interne wie externe Akteure gleichermaßen – schwer zu überwinden.

Ziele & Herangehensweisen

Nach unserer Einschätzung können Vertrauensbildung und Kooperation im Kaukasus nur erweitert und intensiviert werden, wenn es gelingt, diese Prozesse fest bei (und zwischen) den regionalen Akteuren selbst zu verankern. Experten aus der Region sind für Friedensprozesse essentiell, da sie den inneren Herausforderungen einer Friedenskonsolidierung am besten begegnen können. Die Dynamiken innerhalb der Konfliktparteien wirken sich besonders auf die monokommunale Arbeit aus – einer Grundvoraussetzung für den Austausch zwischen den Gesellschaften. Eine starke lokale Anbindung führt jedoch nicht automatisch zu wirksamer Vertrauensbildung über die Konfliktlinien hinweg. Lokale Fazilitatoren sollten Begegnungen so gut wie möglich nutzen, indem sie Möglichkeiten für Verständigung und das Entdecken von Gemeinsamkeiten schaffen.  

Die Arbeit mit den Young Facilitators ist auf Nachwuchskräfte aus Abchasien, Südossetien und Georgien gerichtet, die in ihren eigenen Gesellschaften als Multiplikatoren agieren können. Als ehemalige Teilnehmer an den abchasisch-georgischen und südossetisch-georgischen Dialogprozessen haben sie eigene Erfahrungen mit dem Potential und den Herausforderungen von vertrauensbildenden Maßnahmen in der Region gesammelt.

Das Projekt Young Facilitators of the Future hat den Teilnehmenden eine Reihe von Methoden und analytischen Werkzeugen zur Verfügung gestellt, die zum gemeinsamen Wissensschatz der Gruppenmitglieder in Abchasien, Georgien und Südossetien wurden. Themen wie effektive Kommunikation, Eskalations- und De-Eskalationsdynamiken, Methoden der Konfliktanalyse sowie der Strategieentwicklung wurden in einer Reihe von Workshops behandelt. Rollenspiele und Konfliktszenarien bereiteten die Teilnehmer auf ihre Aufgaben als Fazilitatoren und Mediatoren vor.

Die Entstehung der Young Facilitators markiert einen Wandel im Engagement der Berghof Foundation in der Region. Vor Entstehung der Gruppe spielten Mitarbeiter der Berghof Foundation eine führende Rolle in der Fazilitation der georgisch-abchasischen und georgisch-südossetischen Dialogtreffen. Heute fungiert das Berghof Team vorwiegend als Mentoren und Coaches.

Ergebnisse

Die Young Facilitators haben begonnen, als Gruppe zu agieren und einige Trainings und Workshops bereits in bilateralen und trilateralen Teams durchgeführt. Neue Projekte werden entwickelt und Finanzierungsmöglichkeiten gesucht, bei Bedarf werden auch neue Partnerschaften initiiert.

Partner

Unsere wichtigsten Partner sind:

  • Agency for Social, Economic & Cultural Development, Zchinwal/i
  • World Without Violence NGO, Suchum/i
  • International Centre on Conflict and Negotiation, Tbilisi
  • Peace Development Center, Tbilisi
  • Young Facilitators Group – Abkhaz Section
  • Young Facilitators Group – Georgian Section
  • Young Facilitators Group – South Ossetian Section
  • PAX (ehemals IKV Pax Christi), Utrecht

Förderer

Unsere wichtigsten Mittelgeber sind:

  • Confidence Building Early Response Mechanism (COBERM). COBERM wird von der Europäischen Union getragen und vom UNDP-Entwicklungsprogramm verwaltet
  • The Black Sea Trust for Regional Cooperation
  • Auswärtiges Amt
  • Foreign & Commonwealth Office, Großbritannien
  • Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Die „Young Facilitators Group“ ist aus einer Reihe von Trainingsaktivitäten entstanden, die die Berghof Foundation über mehrere Jahre in der Region durchführte. Sie werden hier aufgeführt, beginnend mit den aktuellsten Aktivitäten.

Concilium Treffen der Young Facilitators

Das Concilium in Jerewan im Juni 2013 war das erste trilaterale georgisch-abchasisch-südossetische Koordinationstreffen zwischen aktiven Mitgliedern des georgisch-abchasischen und südossetisch-georgischen Dialogs. Vorrangiges Ziel war es, eine trilaterale Plattform für Diskussion, Strategiebildung und Planung der zukünftigen politischen Ausrichtung und Organisation des losen Netzwerks zu schaffen.

Weiterführende Links
TV Sendung über Jugenddialog mit Shota Shvelize, "Studio Re" August 2014
Artikel von Nina Pukhaeva, Information Agency RES, Februar 2013
(Russisch)
Interview mit Eka Kevanishvili, Radio Liberty März 2013 (Georgisch)

Dialog Workshops in Eigenverantwortung

Die Workshops tragen zur Verbreitung der Dialogidee unter jungen Fachleuten bei. Sie fördern gegenseitiges Verständnis und die Verständigung über eine „Normalisierung der Beziehungen“ unter den Teilnehmenden. Diese können so zusätzliche Erfahrung in der Leitung von Dialogworkshops über Konfliktlinien hinweg sammeln.

Die abchasisch-georgische Dialog- und Studienreise nach Moldawien (Oktober 2011) wurde von zwei georgischen und zwei abchasischen Young Facilitators geleitet. Jeweils sechs Personen von jeder Seite nahmen daran teil. Erfahrene Berghof-Mitarbeiter unterstützten das junge Team, indem sie am Ende eines jeden Arbeitstages Reflexions- und Coaching-Sessions durchführten.

Ein ähnlicher Workshop mit südossetischen und georgischen Trainern und Teilnehmenden wurde im Dezember 2011 durchgeführt.

Mit der Einführung der selbst geleiteten Dialogworkshops sind wir in eine neue Phase der Gesamtentwicklung unseres georgisch-abchasisch-südossetischen Dialogs eingetreten. Die früheren zwölf Dialog- und Studienreisen leiteten unsere Mitarbeiter gemeinsam mit den Partnern. Heute unterstützen wir die lokalen Kräfte zunehmend in der Rolle als Coaches und Mentoren.

Die in der Region abgehaltenen Dialogworkshops in Eigenverantwortung sind Teil des erweiterten Trainingskonzepts der Berghof Foundation. Das Coaching dient der Stärkung heterogener Teamstrukturen und der weiteren Unterstützung von Nachwuchskräften wie den Young Facilitators in der Region.

Lokale Peer-to-Peer-Trainings

Die Herausbildung der lokalen Teilgruppen der Young Facilitators begann 2011 mit Peer-to-Peer-Trainings in Abchasien, Georgien und Südossetien. In diesen Trainings konnten die Nachwuchskräfte das Gelernte anwenden und an junge Multiplikatoren weitergeben, die bis dahin noch nicht an Dialogaktivitäten beteiligt waren.

Die Peer-to-Peer-Trainings wurden von Teams mit jeweils drei jungen Fazilitatorinnen bzw. Fazilitatoren in Suchum/i, Tbilisi und Zchinwal/i durchgeführt, nach je einem georgisch-abchasischen und georgisch-südossetischen Training durch das Berghof Team. Unterstützt wurden die jungen Teams dabei durch unsere lokalen Partner, die alle über umfangreiche Trainingserfahrung verfügen.

Georgisch-abchasische und georgisch-südossetische Fazilitationstrainings in Moldawien

Die Trainings, die in Abchasien, Georgien und Südossetien durchgeführt wurden, legten den Grundstein für gemeinsame abchasisch-georgische (Juni 2011) und südossetisch-georgische (März 2012) Trainingsworkshops. Diese wurden gemeinsam mit lokalen Partnern durchgeführt. Zu jedem Workshop kamen von jeder Seite je zehn Nachwuchskräfte, die bereits an einem der vorherigen Dialogprozesse teilgenommen hatten.

Wie alle Begegnungen über Konfliktlinien hinweg, konzentrierten sich die Workshops auf den Dialog und die Möglichkeit, den Aufbau von Teams zu fördern. Eine Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten, ein gemeinsames Verständnis der politischen Herausforderungen sowie eine gemeinsame Vision und Strategie für die weitere Zusammenarbeit über Konfliktlinien hinweg, waren ebenfalls auf der Agenda all dieser Treffen.

Weiterführende Links
Radiosendung auf Radio Tavisubleva (Georgisch)
Interview mit Zarina Sanakojeva (Russisch)

Fazilitationstrainings in Abchasien, Georgien und Südossetien

Das Projekt „Young Facilitators of the Future“ begann 2010 mit einer intensiven Reihe monokommunaler Trainings in Abchasien, Georgien und Südossetien. Die Trainings, die von unseren Partnern vor Ort, Dina Alborova (Zchinwal/i), Tinatin Asatiani (Tbilisi) and Dalila Pilia (Suchum/i), durchgeführt wurden, stellten Kommunikationskonzepte vor, beispielsweise Stadien effektiver Kommunikation, subjektive Realitäten und aktives Zuhören. 

Im Mai 2011 führten Oliver Wolleh und Wolfram Zunzer drei weitere Workshops in Georgien und Abchasien durch, um die Trainings der lokalen Partner zu ergänzen. Mithilfe eines Kommunikationsmodells von Schulz von Thun konnten die Teilnehmenden Nachrichten, beispielsweise von Politikern, dekonstruieren. Gleichzeitig wurde verdeutlicht, wie unterschiedlich die Wahrnehmung einer Botschaft – in der eigenen und der anderen Gesellschaft – sein kann.

Zusätzlich erhielten die Teilnehmenden ein „Actor Mapping Tool“ zur Konfliktanalyse und für strategische Interventionen von beiden Seiten. Sie wendeten diese Techniken zur Analyse der Situation in ihrer eigenen und der jeweils anderen Gesellschaft an.

Weiterführende Links
Artikel von David Gamisonia in 24 hours (Georgisch)
Artikel von Nino Chipchiuri in geStudio, November 2011 (Georgisch)
Artikel von Nino Chipchiuri in geStudio, Dezember 2011 (Georgisch)

  • The Young Facilitators. Abkhaz-Georgian-South Ossetian Members & Supporters. 2013. Dokumentation. PDF >