Interview with the Georgian-Abkhaz Historian Giorgij Anchabadze

A: Wie war es für Sie, heute in unserem Salon zu sein?

G: Der Salon ist sehr interessant. Jetzt werde ich alle Sendungen ansehen, die ich ausgelassen hatte und die, die noch gesendet werden. Ich habe schon während meines Auftritts gesagt, dass solche Veranstaltungen sehr nützlich sind, denn sie bewahren Informationen, die normalerweise nicht in den Medien vorkommen und über die wenig geschrieben wird und gleichzeitig, stirbt diese Information, wenn sich nicht weitergegeben wird. Die Geschichten der Menschen sind eine sehr interessante Quelle, die in Zukunft auch die Historiker beschäftigen wird, um herauszufinden, was die Leute gedacht haben, und wie all das geschehen ist. Deshalb unterstütze ich diese Arbeit ausdrücklich.

A: Sie haben schon fast auf meine zweite Frage geantwortet: Was denken Sie über unser Projekt?

G: Genau das denke ich, dass es ein gutes Projekt ist und es schade wäre, wenn es endet. Ich habe gestern gehört, es geht nur bis Juli, aber es sollte weitergehen, denn es gibt noch so viele Leute, die erzählen, was sie gesehen haben und woran sie sich erinnern. Das ist sind umfangreiche Informationen, aber sie sind unsichtbar, sie kommen nicht oft ins Fernsehen, in Zeitungen in Bücher oder andere Medien, es müssen noch viele Interviewpartner gefunden werden, denn die Informationen sind sehr lehrreich.

A: Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft Georgiens und Abchasiens?

G: Dass es Frieden und ökonomisches Wachstum gibt, denn ohne Wohlstand bringt auch der Frieden nichts. Das will ich. Und ich will, dass Georgier und Abchasen endlich eine gemeinsame Sprache finden. Ich weiss, dass sie historisch nahestehende Völker waren. Ich weiss nicht, was geschehen wird, aber das wichtigste ist, sich gegenseitig zu achten. Das was wir erlebt haben, nämlich dass es kein Interesse mehr daran gab, was die Anderen denken, worunter sie leiden, das darf nicht wieder vorkommen. Immer wenn es Streit gibt, muss man sich in den Partner hineinversetzen, sich fragen: wie nimmt der Andere das wahr? Dann findet man leichter Berührungspunkte. Ich bin für Kompromisse. Manchmal wird gesagt, ein Kompromiss ist ein Zugeständnis, das stimmt nicht. Ein Kompromiss ist der beste Ausweg, wenn es einen Konflikt gibt.

Aufzeichnung und Übersetzung, Andrea Zemskov-Züge, 4.4.2017