Frauen als kommunale Führungskräfte nach dem Krieg

Lernen aus Erfahrungen in Aceh und Mindanao

© Simone Heuer

Dieses Pilotprojekt soll Frauen, die nicht-staatlichen bewaffneten Gruppen angehör(t)en, dabei unterstützen, kommunale Führungsrollen in der Nachkriegszeit zu übernehmen. Die beteiligten Frauen aus Aceh (Indonesien) und Mindanao (Philippinen) sind ehemalige Mitglieder der Bewegung Freies Aceh (GAM) oder der Moro Islamic Liberation Front (MILF).

Das Projekt greift damit eine entscheidende Wissens- und Praxislücke auf, wie ehemalige Kombattantinnen gestärkt werden könnten, um in Nachkriegsgesellschaften politische, soziale oder wirtschaftliche Verantwortung zu übernehmen.  

Zunächst werden Faktoren, die dazu führen, dass Frauen im Zuge von Friedensabkommen wirksam eingebunden und gestärkt werden, empirisch untersucht. Gleichzeitig soll Raum für einen Austausch zwischen den ehemaligen Kämpferinnen aus Aceh und den weiblichen Re­vo­lu­ti­o­nä­rinnen aus Mindanao geschaffen werden. Die Erkenntnisse sollen dann im Rahmen von Politikberatung für Organisationen aufbereitet werden, die in Mindanao aktiv tätig sind.

Laufzeit

Januar - Mai 2016

Obwohl die Beteiligung an Widerstands/ Befreiungsbewegungen für weibliche Kämpfer häufig eine persönliche wie kollektive gesellschaftliche Aufwertung bedeutet, wird ihr Anspruch zu demokratischer Beteiligung im Zuge der Umsetzung von Friedensabkommen bisweilen ins Abseits gedrängt, oder schlimmer noch – sie werden aufgrund ihres Geschlechts und ihrer bewaffneten/oppositionellen Vergangenheit stigmatisiert.

Während männlichen Kombattanten häufig der Wechsel in die Politik gelingt, bleibt Frauen der Zugang zu kommunalen (geschweige denn nationalen) wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Führungsrollen verwehrt und damit ihre Chance verpasst,  einen Beitrag zur Nachkriegsentwicklung und Friedenskonsolidierung zu leisten.

Dies wird durch die jüngste Studie der Vereinten Nationen, zur weltweiten Umsetzung der UN-Resolution 1325 – zum Thema: Frauen, Frieden und Sicherheit – bestätigt. Darin heißt es, dass der Ausschluss von Frauen aus Friedens(konsolidierungs)prozessen deren Nachhaltigkeit untergrabe. Dies gilt vor allem auf kommunaler Ebene.

Ansatz

Für die Beteiligung an diesem Pilotprojekt werden ehemalige Kombattantinnen ausgewählt, die es geschafft haben, die beschriebenen Herausforderungen zu überwinden und die zu erfolgreichen kommunalen Führungskräften wurden.

Die Erfahrungen dieser Gruppe werden weitergegeben an: (1) weibliche Mitglieder der MILF in Mindanao, und (2) lokale und internationale Organisationen, die den Friedenskonsolidierungsprozess in Mindanao unterstützen. Dabei werden wir uns auf die Ressourcen, Möglichkeiten, Methoden und Bedarfe konzentrieren, die entscheidend dafür sind, dass Frauen auf lokaler Ebene Einfluss und Macht ausüben können.

Ziele und Ergebnisse

Das Projekt hat drei Ziele:  Zuerst wollen wir wichtige Erfahrungen von Frauen in Transformationsprozessen systematisieren und dokumentieren, die einen Wandel von der Kämpferin zur kommunalen Friedenskraft mit umfassender sozialer, wirtschaftlicher oder politischer Verantwortung durchlaufen haben.

Zweitens wollen wir einen Raum für gegenseitiges Lernen und Austausch schaffen, der ehemalige Kombattantinnen aus Aceh, die den Wechsel in die kommunale Politik erfolgreich gemeistert haben, mit Aktivistinnen der MILF, die sich mitten im Prozess der Nachkriegsdemobilisierung befindet, zusammenbringt.

Drittens werden wir diesen Frauen die Möglichkeit geben, ihre Empfehlungen auf einem Politikberatungsseminar für Organisationen der Friedenskonsolidierung und Entwicklungszusammenarbeit vorzustellen und zu diskutieren. Diese werden auch in einem Bericht an die entsprechenden Behörden und Organisationen verbreitet.

Regionen

Die Projektaktivitäten finden in Aceh (Indonesien) und Mindanao (Philippinen) statt.

Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit mit Shadia Marhaban, Senior Consultant aus Aceh (Indonesien) durchgeführt und von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

Ein Workshop und ein Politikberatungsseminar findet im April 2016 in Mindanao statt.

  • Stina Lundström and Shadia Marhaban: Challenges and Opportunities for Female Combatants’ Post-War Community Leadership: Lessons Learnt from Aceh and Mindanao. 2016. Workshop Report. PDF >
  • Stina Lundström dan Shadia Marhaban: Tantangan dan Peluang bagi Perempuan Kombatan dalam Kepemimpinan di Komunitas Pascaperang: Pembelajaran dan Aceh dan Mindanao. 2016. Laporan Lokakarya. PDF >

  • Workshop report on a Roundtable with Mindanao stakeholders, Berlin, 11 November 2015: Securing the transformation: Post-agreement engagement with (former) non-state armed groups. PDF >
  • Véronique Dudouet and Katrin Planta: The Political Transformation of Armed and Banned Groups – Lessons Learned and Implications for International Support. Berghof Foundation/UNDP (forthcoming 2016)
  • Véronique Dudouet, Katrin Planta and Hans J. Giessmann, From Combatants to Peacebuilders – A Case for Inclusive, Participatory and Holistic Security Transitions. Policy report. Berghof Foundation, February 2012. Hardcopy >
  • Shadia Marhaban “The Reintegration of Ex-Combatants in Post-War Aceh: Remaining Challenges to a Gender-Blind Planning and Implementation Process” in Véronique Dudouet, Katrin Planta and Hans J. Giessmann Post-War Security Transitions: Participatory Peacebuilding after Asymmetric Conflict, Routledge, 2012. Publishers >