Friedenserziehung als Konfliktmanagement lokaler Gemeinschaften in Süd-Thailand

Die Initiative für dieses Projekt ging von einer Gruppe junger malay-muslimischer Friedensaktivisten aus, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern und für einen friedlichen Wandel in der Region einsetzen wollten. Die Idee hierfür war im Rahmen des IPP-Projekts entstanden. In Anlehnung an das Konzept der skandinavischen Volkshochschulbewegung beschlossen sie, eine Organisation für die systematische Aus- und Weiterbildung für einen friedlichen Wandel in der Region zu schaffen. Diese Organisation sollte zunächst eine erste Gruppe von interessierten Personen qualifizieren und zugleich Personen unter ihnen auswählen, die anschließend als Lehrkräfte weiter ausgebildet werden sollten. Der Steuerungsgruppe des People’s College geht es darum, über das Konzept einer umfassenden politischen Bildung hinaus, lokale Führungspersönlichkeiten zu gewinnen, um mit ihnen gemeinsame Veranstaltungen zu politisch-gesellschaftlichen Themen zu organisieren.

Laufzeit

2013 – 2015

People’s College auf Facebook

www.facebook.com/pcpatani

Konfliktlage

Der Konflikt im Süden Thailands durchlief seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Phasen der Repression und Assimilation und Phasen der Kompromissfindung und Integration. Im Jahr 2004 kam es erneut zu einer heftigen Eskalation, nachdem die Regierung eine strikte Politik von „Recht und Ordnung“ angewendet hatte und den militanten Widerstand als organisierte Kriminalität diskreditierte. Seitdem sind über 6.000 Personen in dem Konflikt umgekommen und über 10.000 Menschen verletzt worden.

Aktuell kann der Konflikt als ein paradigmatischer ethnopolitischer Konflikt um die Legitimität der thailändischen Regierungsgewalt in der Region beschrieben werden. Dies ist jedoch nur ein Aspekt einer hochkomplexen Dynamik. Zugleich ist zu beobachten, dass nichtpolitisch motivierte Gewalttaten signifikant zunehmen.

Die Beziehungsgeflechte zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Region (Malay-Muslime, Thai-Buddhisten und Thai-Chinesen) haben aufgrund dieser Gewaltspirale und den aus ihr entstehenden Vertrauensverlusten und Ängsten stark gelitten. Vor diesem Hintergrund hat sich eine Gruppe vorrangig junger Aktivistinnen und Aktivisten zusammengefunden, die unter dem Motto „Wissen ist Macht“ eine neue Organisation ins Leben gerufen haben. Die Mitglieder kommen aus verschiedenen Bereichen: Menschenrechtsaktivisten, Rechtsanwältinnen, Angehörige zivilgesellschaftlicher Gruppen und Lobbyorganisationen, Journalisten, Frauenorganisationen, Experten aus dem Gesundheitswesen und der Traumanachsorge sowie religiöse und Gemeindeführer. Das von ihnen gegründete People’s College soll einen sicheren öffentlichen Raum bieten, in dem Wege der gewaltfreien Konflikttransformation und Friedensförderung diskutiert werden können. Schnell fand sich eine Gruppe zusammen, die fest entschlossen ist, den politischen Spielraum zu nutzen, um gemeinsam zu lernen und über die Zukunft in der Region zu debattieren.

Ansatz

Der Ausgangspunkt für die Kooperation mit der Berghof Foundation war die Entwicklung eines Curriculums für den ersten Trainingskurs des People’s College. Die Teilnehmenden sind überwiegend Aktivistinnen und Aktivisten in diversen lokalen Organisationen, allerdings aus sehr unterschiedlichen Berufen. Das Curriculum umfasste insgesamt acht Module, verteilt über einen Zeitraum von acht Monaten. Die Hälfte der Module vermittelte generelle Grundkenntnisse zu politischen Systemen und zur politischen Reform, die andere Hälfte bezog sich auf die Besonderheiten Thailands und der Lage im Süden des Landes sowie auf die Transformation des Konflikts. Das didaktische Grundkonzept war die Kombination von Lehreinheiten am Morgen mit Arbeitsgruppen und Diskussionszirkeln am Nachmittag. Mittlerweile wurde das erste Curriculum evaluiert, sowohl in Hinblick auf die Rückmeldungen der Teilnehmenden als auch die Veränderungen in der Region. Die Teilnehmenden, die sich als künftige Lehrkräfte qualifiziert haben, durchlaufen inzwischen einen didaktischen Weiterbildungskurs.

Ziele & Ergebnisse

Das übergreifende Ziel ist die Schaffung einer mehrere hundert Personen umfassenden Gruppe von jungen Friedensaktivistinnen und ‑aktivisten, die sich aktiv an Initiativen zur friedlichen Transformation des Konflikts beteiligen. In der Anfangsphase bedeutet dies, eine Gruppe von Lehrenden und Multiplikatoren zu schaffen. Diese sollen für mehrere Runden von Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung stehen und später als Berater und Begleiter praktischer Initiativen in Anspruch genommen werden können. Letztlich wird der Erfolg auch daran gemessen, welche Resonanz diese Personengruppe auf der lokalen Ebene erzielen wird.

Schlüsselakteure

Das Projekt zielt in erster Linie auf Multiplikatoren in der Zivilgesellschaft, im Staatsapparat und in der Geschäftswelt sowie auf Angehörige von Frauen- und Jugendorganisationen, religiöse und lokale Führungspersönlichkeiten. Zu Beginn der Ausbildung findet ein Gespräch mit allen Interessenten statt, um deren Vorkenntnisse, Motive und Bereitschaft zum längerfristigen Engagement kennenzulernen. Der erste Kurs hat bereits zur Entwicklung kleinerer Weiterbildungsprogramme auf lokaler Ebene geführt.

Partner

Der Partner des Projekts ist das People’s College, eine lokale zivilgesellschaftliche Organisation, die eng mit einer Gruppe anderer NROs und lokaler Initiativen im Bildungs- und Mediensektor vernetzt ist.

Förderung

Das Projekt wird von der Sasakawa Peace Foundation (Japan) finanziert, die auch andere Projekte der Friedensförderung in der Region unterstützt.

40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im ersten Kurs des People’s College

Am ersten Kurs des People’s College nahmen 40 Personen teil, von denen sich nach Abschluss des Kurses zehn bis fünfzehn Personen regelmäßig einmal im Monat treffen. Dabei diskutieren sie die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Region und ziehen Schlussfolgerungen für ihre lokalen Initiativen. Das Curriculum wurde inzwischen aufgrund der Ergebnisse aus der Evaluation des ersten Kurses angepasst, insbesondere in Hinblick auf die Herausforderungen in Phasen der Transition und der Aushandlung von Kompromissen.

In Zukunft wird es eine Zweiteilung der Kurse geben: Einen grundlegenden Kurs zur Weiterbildung über politische Transformationsprozesse sowie einen Kurs für Führungs- und Ausbildungskräfte, die darüber hinaus spezielle Kenntnisse und didaktische Fähigkeiten erwerben möchten.

In Hinblick auf die Verbreitung politischer Kenntnisse ist dem People’s College daran gelegen, öffentliche Foren zu veranstalten, um den Verbreitungsradius der Botschaft zu vergrößern. Dadurch können konstruktive politische Dialoge vom Wissen über vergleichbare Prozesse in anderen Regionen profitieren.

Neuer Kurs in „Peace Leadership“ eingeführt: „Wissen ist Macht“

Das „People’s College“ eröffnet mit dem Seminar: „Patani Frieden 2020: Wissen ist Macht“ einen neuen Kurs in  „Peace Leadership“. Ein öffentliches Forum auf dem Pat(t)ani-Campus an der Prinz-Songkla-Universität zog 2013 eine große Zuhörerschaft an und regte zur lebhaften Debatte über die Zukunft der Region an.