Fallstudienberichte des Projekts “Friedliche Koexistenz?” online

27.09.2016

Zwei im Rahmen des von der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) geförderten Projekts “Friedliche Koexistenz? Traditionelle und nicht-traditionelle Mechanismen der Konfliktlösung” angefertigte Fallstudienberichte sind jetzt online. Aufbauend auf Fallstudien aus Kolumbien, Liberia und Nordostindien beschäftigt sich das Projekt mit den Formen der Koexistenz von  traditionellen (indigenen, lokalen, gemeindebasierten usw.) und nicht-traditionellen (importierten, liberalen, staatsbasierten usw.) Ansätzen der Konfliktbearbeitung und den Konsequenzen, die unterschiedliche Interaktionsmuster zwischen diesen Ansätzen für die Konfliktlösung haben.

Der Fallstudienbericht “Interdependency and Interference: The Wayuu’s Normative System and State-based Conflict Resolution in Colombia” von Katrin Planta untersucht die Koexistenz zwischen dem Konfliktlösungssystem der größten indigenen Gruppe Kolumbiens, den Wayuu in der Guajira, und staatlichen Ansätzen zur Lösung von Landkonflikten. Eine spanische Version des Berichts ist hier verfügbar.

Der Fallstudienbericht “Pragmatism and Mistrust: The Interaction of Dispute Resolution Mechanisms in Liberia” von Janel B. Galvanek untersucht die Koexistenz zwischen den vielen unterschiedlichen Konfliktlösungsansätzen in Liberia wie dem traditionellen System der Chiefs, staatlichen Mechanismen wie dem formellen Justizsystem oder der Arbeit des Peacebuilding Office, sowie Initiativen von Drittparteien, einschließlich der Arbeit verschiedener NGOs.

In beiden Fällen existierte eine signifikante (obgleich oft angespannte)  Koexistenz. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Koexistenz Spannung und Wettbewerb verursachen kann, wenn die Verantwortlichkeiten unklar sind oder Akteure um Macht ringen. Die Koexistenz kann dennoch positive Effekte haben, zum Beispiel den Zugangs zur Justiz verbessern, alternative Optionen zur Konfliktbewältigung bereitstellen und die Rechtschaffenheit der Mechanismen verstärken, vorausgesetzt die Koexistenz wird von allen Beteiligten verstanden und sorgfältig gesteuert wird. Beide Berichte enthalten Empfehlungen, wie positive Koexistenz erreicht werden kann.    

In den kommenden Wochen werden ein weiterer Fallstudienbericht zu Meghalaya (Nordostindien) sowie ein vergleichender Forschungsbericht, einschließlich Politikempfehlungen für Regierungsvertreter und Handlungsanregungen für Friedensfachkräfte, die im Kontext indigen oder traditionell geprägter Gesellschaften arbeiten, veröffentlicht.