Geneva Peace Week 18

27.11.2018

140 Organisationen kamen bei der diesjährigen Geneva Peace Week zusammen, um gemeinsame Strategien zu entwickeln. Die 63 Veranstaltungen an fünf Tagen standen unter dem Motto „Für Frieden in einer turbulenten Welt”. Auch wir waren dabei, um uns auszutauschen, zu diskutieren und zu lernen!

In unserer Veranstaltung zur Prävention von gewaltsamem Extremismus (“Preventing Violent Extremism: Strengthening a Holistic Understanding and Transformative Approach”) ging es um ein Thema und Politikfeld, das mitunter für Unruhe, Angst und kurzsichtige Analyse sorgt, mit z.T. unbeabsichtigten Folgen. Mit aktuellen Veröffentlichungen (dem Sammelband „The Ecology of Violent Extremism“, der für ein kontextualisiertes Verständnis von Extremismus plädiert und Berghof Handbook Dialog 13 „Transformative Approaches to Violent Extremism“) möchten wir anhand von Forschungsergebnissen zu einer Versachlichung beitragen. Entgegen falscher Gewissheiten (“all radicalism needs to be suppressed”, “youth are predominantly violent”, “all extremism is Islamic”) haben wir uns der Diskussion gestellt, was in einem konkreten Umfeld jeweils zu beobachten ist. Statt isoliertem Schubladendenken haben wir einen Austausch initiiert, der übergreifend über Panels, Organisationen, Generationen und Länder hinweg neue Verbindungen ermöglicht hat.

„Diese Diskussion sollten wir bei der UNO führen, nicht nur bei einer Nebenveranstaltung. Das sind genau die Fragen, die gestellt werden sollten.“

In der Diskussion wurden die Anforderungen für friedensbildende Maßnahmen und Politikansätze deutlich:

  • Gute Friedenspraxis muss lokal und in den jeweiligen Kontext systemisch eingebettet sein.
  • Friedenspraxis ist effektiver, wenn sie die Möglichkeit in Betracht zieht, dass bewaffnete extremistische Gruppen ihre Taktik bzw. Strategie ändern und sich von Gewalt abkehren können. Dabei scheinen die Chancen für einen derartigen Wandel ähnlich zu sein wie bei anderen nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen.
  • Friedenspraxis täte in Zukunft gut daran, auch Akteure jenseits des Mainstream (z.B. Jugendorganisationen, religiöse Institutionen) nicht nur einzubinden, sondern ihnen auch führende Rollen zu übertragen. Allerdings brauchen auch diese, ähnlich wie etablierte Akteure, die nötigen Fähigkeiten. Weder eine Romantisierung noch überzogene Erwartungshaltungen - als könnten sie die Probleme im Alleingang lösen - sind hierbei angebracht.
  • Im Umgang mit gewaltsamem Extremismus und mangelnder Friedfertigkeit ist es unbedingt notwendig, die ‘Gewalt durch Ausschluss’, Unterdrückung und Marginalisierung, auch von staatlicher Seite, zu verstehen.

Ein Teilnehmer sagte nach der Session: „Diese Diskussion sollten wir bei der UNO führen, nicht nur bei einer Nebenveranstaltung. Das sind genau die Fragen, die gestellt werden sollten.“ An dem Panel waren neben Véronique Dudouet und Beatrix Austin auch Professor Lisa Schirch (Toda Peace Institute) und Milicent Otieno (Local Capacities of Peace, Kenya) beteiligt, sowie Graeme Simpson und Ali Altiok, die von den Konsultationen zum UN Fortschrittsbericht zu Jugend, Frieden und Sicherheit berichteten.

Véronique Dudouet, Leiterin unseres Forschungsprogramms zu Konflikttransformation war auch am Panel Integrating Human Rights, Nonviolent Action and Peacebuilding to Sustain Peace beteiligt, wiederum zusammen mit Lisa Schirch and Milicent Otieno. Ziel war es herauszufinden, wie Gewaltfreiheit und friedensbildende Ansätze (und deren politischer Rahmen) strategisch in einen gerechten und tragfähigen Frieden integriert werden können, der Menschenrechte an vorderste Stelle stellt. Dabei wurde uns noch einmal bewusst, wie relevant der Berghof Handbook Dialog 9 Human Rights and Conflict Transformation“ bleibt, auch wenn er bereits 2010 erschienen ist.

Das Panel formulierte praktische sowie politische Empfehlungen für die UN und deren Mitgliedsstaaten, wie die internationale Unterstützung für den gewaltfreien Einsatz für Menschenrechte (und sozialen Wandel) gestärkt werden kann:

  • Konfliktprävention an erste Stelle zu stellen bedeutet mehr als nur Änderungen der internationalen Agenda. Vielmehr bedarf es eines Mentalitätswandels, damit Friedensagenturen die Sprache von Konfliktprävention annehmen. Dazu gehört anzuerkennen, dass physische Gewalt, nicht der Konflikt an sich, das eigentliche Problem darstellt.
  • Wenn präventive Diplomatie die Eskalation bewaffneter Konflikte nicht verhindern kann, sollten Friedensorganisationen v.a. soziale Bewegungen auf der Grassroots-Ebene unterstützen und schützen, die sich gewaltfrei für Menschenrechte einsetzen. Trotz ihrer gesellschaftlichen Offenheit und demokratischen Grundeinstellung werden diese häufig von Eliten, bewaffneten Gruppen und urbanen/professionellen zivilgesellschaftlichen Organisationen übersehen, wenn es darum geht, wer an Friedensverhandlungen teilnimmt und wie nachfolgende Friedensstrukturen aussehen sollen.

Auf dem Panel wurden auch zwei neue Publikationen zum Thema vorgestellt: der Report des International Center for Nonviolent Conflict (ICNC) Powering to Peace: Integrated Civil Resistance and Peacebuilding Strategies und der Handlungsleitfaden des US Institute of Peace Synergizing Nonviolent Action and Peacebuilding (SNAP).