Hals- und Beinbruch! Erfahrungen mit Methoden der Gewaltprävention in Kolumbien

20.12.2018

Welche konkreten Methoden helfen kolumbianischen Gemeinden dabei, neuer Gewalt vorzubeugen? Gerade seit dem Friedensvertrag mit der FARC von 2016 ist dies eine zentrale Zukunftsfrage für viele Kommunen. 

Zwei neue spanischsprachige Publikationen machen nun die Erfahrungen zugänglich, die Gemeinden im Norden Kolumbiens mit dem systemischen Ansatz der Gewaltprävention machten. 

Das Pilotprojekt „Prevenir Primero“ (Vorsorge zuerst) der Regionalverwaltung von Norte de Santander versteht sich als Laboratorium für Gemeinden, um auszutesten, was sich für die Vorbeugung von Gewalt als hilfreich erweist und als Maßnahme in regionale und lokale Entwicklungspläne integriert werden kann. Unter Zusammenarbeit von zwölf staatlichen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Organisationen nahmen über 2.000 Menschen an dem Pilotprojekt teil, identifizierten gemeinsam Risikofaktoren und testeten konkrete Methoden aus. 

Der Bericht “El que previene primero previene dos veces” (Doppelt vorsorgen hält besser) dokumentiert diese Erfahrungen und Lernergebnisse mit dem Ansatz der systemischen Gewaltprävention, um sie für andere Gemeinden nutzbar zu machen. Sie behandelt sowohl Bedingungen und konkrete Schritte der Implementierung als auch praktische Herausforderungen der partizipativen Prozesse. Als Schlüsselfaktoren für die erfolgreiche Umsetzung des systemischen Ansatzes werden eine institutionalisierte Kooperations- und Leitungsstruktur, technische Beratung, die Einbettung auf regionaler Ebene und direkte Zusammenarbeit mit Gemeinschaften auf lokaler Ebene sowie Wissensmanagement für Lernerfahrungen herausgestellt.

Das Handbuch „¡Mucha mierda! Manual de Teatro Foro como herramienta para la prevención de la violencia con enfoque sistémico“ (Hals- und Beinbruch! Anleitung zum Forumstheater als Werkzeug für die systemische Gewaltprävention) stellt die Methode des Forumstheaters vor, das in der Tradition des „Theaters der Unterdrückten“ steht; ein partizipativer pädagogischer Ansatz, der Dialog und sozialen Wandel befördern soll. Begleitende Videoclips im Handbuch veranschaulichen die praktischen Erfahrungen der Teilnehmenden und Trainer*innen aus Norte de Santander. So können Interessierte selbst zu Multiplikator*innen werden und interaktive Theatermethoden in der Konfliktbearbeitung und der politischen Bildung nutzen.

Die Berghof Foundation und Como Consult (ArGe Como-Berghof) beraten die Regionalverwaltung von Norte de Santander und zwei Gemeinden in der Umsetzung von „Prevenir Primero“ im Rahmen der regionalen Friedensentwicklung in Kolumbien.