In memoriam Professor Dr. Uli Albrecht

06.01.2017

Nachruf Professor Dr. Uli Albrecht, ehemaliger Leiter der Forschungsstelle der Berghof Stiftung für Konfliktforschung in Berlin

Mit großer Betroffenheit haben wir die Nachricht vom Tod von Hans-Ulrich „Uli“ Albrecht erhalten, der am 26. Dezember 2016 75-jährig nach langer, schwerer Krankheit in Berlin verstorben ist.

Uli Albrecht hat in den 1970er und 1980er Jahren die Forschungsschwerpunkte der Berghof Stiftung für Konfliktforschung wesentlich mit geprägt, unter anderem durch seine 20-jährige Mitgliedschaft im Stiftungsrat. In diesen zwei Jahrzehnten gehörte er zu den besonders innovativen und diskussionsfreudigen Stiftungsratsmitgliedern. Auch hat er der Friedens- und Konfliktforschung des Otto-Suhr-Instituts der Freien Universität Berlin, an dem er seit den frühen 1970er Jahren eine Professur innehatte, ein kritisches, doch menschliches und humorvolles Gesicht gegeben – Professor Hajo Funke, ein Kollege, nennt ihn in seinem Nachruf einen „begnadeten Anstifter zum Nachdenken über Frieden und radikale Demokratie“.

Geboren am 30. Januar 1941 und mit seiner Familie Erfahrungen von Verlust, Flucht und Neuanfängen in Ost- und Westdeutschland ausgesetzt, studierte Uli Albrecht in Aachen und Stuttgart Maschinenbau und Luftfahrttechnik sowie Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre. Seine Dissertation befasste sich mit Themen des Waffenhandels.

1971 wurde er auf Empfehlung von Professor Dieter Senghaas durch den Stifter Professor Georg Zundel als Gründungsmitglied in den Stiftungsrat der Berghof Stiftung bestellt. Im Jahr darauf wurde er, 31-jährig, zum Professor für Friedens- und Konfliktforschung an den Fachbereich Politikwissenschaften der Freien Universität Berlin berufen. In den kommenden Jahren entwickelte er sich, auch aufgrund seiner Doppelqualifikation als Ingenieur und Politologe, zum international anerkannten Rüstungs- und Abrüstungsexperten. Durch seine Verbindungen auch zur angelsächsischen Rüstungs- und Abrüstungsforschung konnte er, u.a. im Kontext der Berghof Stiftung, zahlreiche Forschungsprojekte anregen und auf den Weg bringen.

Die Berghof Stiftung für Konfliktforschung unterhielt, neben ihrer 1971 begonnenen freien Projektförderung, ab 1979 zusätzlich einen eigenen „Projektverbund“ in Berlin, der von den Professoren Uli Albrecht, Theodor Ebert und Wolf-Dieter Narr geleitet wurde. Später beschloss die Stiftung, diesen durch eine Forschungsstelle mit dem Schwerpunkt „Konversion der Rüstungsdynamik“ zu ersetzen, die ab 1990 unter der Leitung von Uli Albrecht in FU-Nähe in der Altensteinstraße in Berlin Dahlem angesiedelt wurde.

Uli Albrecht schied 1992 aus dem Stiftungsrat der Berghof Stiftung für Konfliktforschung aus. An seine wegweisende Aufbauarbeit anknüpfend wurde 1993 das „Berghof Forschungszentrum für konstruktive Konfliktbearbeitung“ gegründet.

Der Stifterfamilie Zundel blieb Uli Albrecht als Taufpate von Maxim Zundel verbunden. An der Freien Universität Berlin wirkte er bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand unermüdlich in Lehre und Forschung. Zahlreiche Veröffentlichungen zeugen von seiner wissenschaftlichen Kreativität. Er behielt einen wachen Blick für kritische Themen der Friedens- und Konfliktforschung und setzte sich besonders für die Förderung von Frauen ein.

Wenngleich es im letzten Jahrzehnt krankheitsbedingt still um ihn geworden war und seine Stimme in friedenspolitischen Debatten nicht mehr oft zu hören war, behalten wir ihn als einen wegweisenden, kritisch-aufrechten und begeisterten Friedens- und Konfliktforscher in Erinnerung, dessen Inspiration und Rat der deutschen Friedensforschung sehr fehlen wird.

Hans Joachim Giessmann, Geschäftsführer                                                      Johannes Zundel, Vorsitzender des Stiftungsrates

Sandra Pfahler, Geschäftsführerin

Veranstaltung in Gedenken an Uli Albrecht:

Am 30. Januar 2017 – Ulrich Albrecht wäre am diesem Tag 76 Jahre alt geworden – findet um 18:00 s.t. Uhr im Hörsaal A des Otto-Suhr-Instituts in der Ihnestraße 21, Berlin, eine Gedenkfeier für den Verstorbenen statt.

Leseanregung:

Ruth Stanley (Hg.): Gewalt und Konflikt in einer Globalisierten Welt. Festschrift für Ulrich Albrecht zum 60. Geburtstag. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 2001.