Neue Kurzpublikationen zu Vergangenheitsarbeit und zu Erfolgsbedingungen staatlicher Arbeit in fragilen Staaten

27.02.2017

Manche Themen kehren in unserer Arbeit immer wieder. Zweien davon widmen sich die jüngsten Berghof Policy Briefs (in englischer Sprache): zum einen dem Umgang mit der Vergangenheit nach politischen und sozialen Gewalterfahrungen; zum anderen der Notwendigkeit, in Organisationen und öffentlichen Verwaltungen interne, institutionelle Kapazitäten zu verbessern, um ihre Effektivität zu stärken.

Policy Brief Nr. 6 (“Dealing with the Past: Supporting people-centred ‘working-through’ the legacies of violence”) präsentiert bemerkenswerte Beispiele der Vergangenheitsarbeit aus Nordirland, Israel-Palästina und Georgien/Abchasien, in denen zunächst zwischenmenschliche Beziehungen auf der Graswurzelebene im Mittelpunkt stehen. Er beleuchtet die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ansätze „Transitional Justice“, Versöhnung („Reconciliation“) und Vergangenheitsarbeit („Dealing with the Past“). Besonderes Augenmerk gilt der Rolle von Opfern, die – besonders als Kollektiv –in Konflikten eine eskalierende oder deeskalierende Rolle spielen können. Die Empfehlungen des Briefs  heben die Wiederherstellung und Stärkung von horizontalen und vertikalen Beziehungen und Begegnungsräumen hervor:

  • Regierungen und ihre Institutionen sollten ein grundlegendes Bekenntnis zu langfristig angelegter Vergangenheitsarbeit ablegen;
  • Bei der Gestaltung von konkreten Initiativen und Programmen der Vergangenheitsarbeit sollte den Menschen und Gemeinschaften vor Ort von Anfang an eine starke Stimme eingeräumt werden;
  • Herangehensweisen und Ansätze sollten vielfältig und darauf ausgerichtet sein, dass psychologische und materielle, politische und soziale, private und öffentliche Bereiche nicht entkoppelt werden;
  • Arbeit in Kleingruppen muss mit der Zeit durch kollektive, sozial-politische Arbeit ergänzt und durch sie verstärkt und verstetigt werden.

Policy Brief Nr. 7 (“US and German Civilian-led Efforts in Conflict and Fragile Contexts: Addressing Internal Challenges to Improve Impact”) untersucht die Handlungsbedingungen der Regierung der USA und Deutschlands in Konflikt- und Krisenländern weltweit.

Policy Brief Nr. 7 stellt einige der internen Herausforderungen in den Mittelpunkt, die die Fähigkeiten beider Länder mindern, Konfliktschlichtungs- oder Konfliktpräventionsprogramme umzusetzen – und damit letztendlich auch effektive Zuwendungen in fragilen Kontexten leisten zu können. Die Empfehlungen des Policy Brief konzentrieren sich auf vier Bereiche, in denen es gilt, intern Handlungsbedingungen zu optimieren:

  • Reaktives und präventives Handeln müssen ausgewogen kombiniert werden;
  • Risiken müssen in einem risikoscheuen institutionellen Umfeld verantwortungsbewusst eingegangen werden können;
  • Personelle und finanzielle Ressourcen sind der Größe der Aufgabe anzupassen;
  • Zusammenarbeit muss über Ressortgrenzen hinweg gefördert werden.

Die Publikationsreihe “Berghof Policy Briefs“ kommentiert konfliktbezogene politische Themen und Ereignisse. Ihr Schwerpunkt liegt auf politischen Empfehlungen für Entscheidungsträger der Politik, Meinungsführerinnen und einflussreiche Akteure der Zivilgesellschaft.