Neuer Berghof Handbook Beitrag online: Die Macht der Emotionen

14.03.2018

In der wissenschaftlichen und praktischen Auseinandersetzung mit internationaler Politik, Konflikt und Konfliktlösung waren Emotionen jahrzehntelang ein eher unterbelichtetes Thema. Emotionen wurden weitgehend unterdrückt oder in die Privatsphäre verbannt, in der Annahme, dass sie die eigene Kampfeskraft ebenso wie die eigene Verhandlungsposition nur schwächen könnten. Neuerdings aber sind Emotionen und die mit ihnen verbundenen Dynamiken in der Erforschung von Konflikten und Konflikttransformationsansätzen salonfähig geworden. Deutlich wird dies an der Zunahme von Forschung und der regen Diskussion, die sich um die Rolle und Macht von Emotionen in verschiedensten Handlungsfeldern entspinnt.

Der jüngste Neuzugang zu unserem Berghof Handbook for Conflict Transformation widmet sich im Detail der Macht, die Emotionen in Konflikten und in der Konflikttransformation entfalten („Emotional Dynamics in Conflict and Conflict Transformation“). Der Beitrag von Isabel Bramsen und Poul Poder skizziert, wie emotionale Energien in der Interaktion von Menschen und Gruppen entstehen und wie sie deren Handlungskraft sowohl stärken als auch schwächen können. Vier verschiedene Interaktionsformen stehen im Zentrum der Analyse:

1)      Kooperatives Handeln, welches positive emotionale Energie erzeugt, die wiederum Selbstbewusstsein und Vertrauen stärkt;

2)      Dominantes Handeln bzw. dominiertes Interagieren, welches positive Energie nur bei einer Seite erzeugt, während es die andere Seite eher lähmt;

3)      Konfliktives Handeln, welches negative Energie auf beiden Seiten erzeugt und häufig zu Eskalation führt; und schließlich

4)      Diffuse Interaktion, welche Ziellosigkeit, Langeweile, Gleichgültigkeit und Erschöpfung nach sich zieht.

Wie die Erfassung solcher Interaktionsmuster Konfliktinterventionen verbessern kann, wird an Beispielen der Konflikteskalation in den Revolten des Arabischen Frühlings und verschiedenen Friedensinitiativen in Uganda verdeutlicht. Praktische Empfehlungen, wie emotionale Dynamiken zur Stärkung von Handlungsfähigkeit und –kraft genutzt werden können, runden den Artikel ab.

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