Neuer Forschungsbericht zu inklusiven Nachkriegstransitionen

19.10.2016

Die jüngsten Entwicklungen im kolumbianischen Friedensprozess – von der Friedensvereinbarung (unterzeichnet durch die Führungsebenen der Regierung und der FARC) bis hin zum enttäuschenden Resultat der Volksabstimmung — bieten ein eindrucksvolles Beispiel für die Bedeutung, aber auch Herausforderungen, von inklusiven und partizipativen Friedensprozessen. Gemeinsam mit der kolumbianischen NGO CINEP hat die Berghof Foundation ein gemeinsames 28-monatiges Forschungsprojekt zum Thema „Faktor Inklusion: Politische Vereinbarungen und staatliche Strukturen nach Bürgerkriegen“ durchgeführt, das die Beschaffenheit, Bedingungen und Ergebnisse von  inklusiven Nachkriegsübergangsprozessen untersucht. Das Projekt wurde durch die großzügige Unterstützung des kanadischen International Development Research Center (IDRC) ermöglicht.

Unsere IPS-Berichtsreihe umfasst verschiedene Publikationen, welche die Ergebnisse der Feldstudien von lokalen Partnern, Experten und Expertinnen in Kolumbien, El Salvador, Südsudan, Südafrika, Nepal und Aceh darstellen (verfügbar auf Englisch und zum Teil auf Spanisch und Nepali). Diese Studien analysieren die Rolle von (oder den Mangel an) Inklusion während der Verhandlungen sowie der Kodifizierung und Umsetzung politischer Vereinbarungen zur Beendung bewaffneter Konflikte. Darüber hinaus wird die Rolle bestimmter Akteure in solchen Übergangsprozessen untersucht, darunter (ehemalige) nichtstaatliche bewaffnete Gruppen, marginalisierte Gruppen oder einzelne Eliten (zum Beispiel Wirtschafts- und akademische Eliten).

Der nun vorliegende Gesamtbericht mit dem Titel „Post-war Political Settlements: From Participatory Transition Processes to Inclusive State-building and Governance“ stellt die wertvollen Ergebnisse dieser Feldstudien in einen Vergleich. Gleichzeitig reflektiert  er wichtige Diskussionen der akademischen und politischen Informationsveranstaltungen, die wir im Rahmen des Projekts zwischen 2014 und 2016 durchgeführt haben, auf. Der Bericht behandelt vier zentrale Fragen:

  • Was sind die Dimensionen und Kriterien für Inklusion im Staatsaufbau und in politischen Verhandlungs- und Entscheidungsprozessen?
  • Unter welchen Bedingungen führen inklusive Transitionsprozesse zu inklusiven Ergebnissen?
  • In welchem Ausmaß und unter welchen Bedingungen befürworten ehemalige Aufständische, die nun in Staatsverantwortung stehen, inklusive politische Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse – oder replizieren nur die ausgrenzenden Praktiken der früheren Eliten?
  • Was sind die tatsächlichen Merkmale und Vorteile von Inklusion, in Bezug auf Regierungslegitimität, Effektivität, Empowerment, Stabilität und Resilienz?

Angesichts der hohen politischen Relevanz dieser Fragen schließt der Bericht mit einer Reihe von grundlegenden Empfehlungen für die internationale Friedensförderung und Entwicklungszusammenarbeit. So argumentiert der Bericht zum Beispiel, dass Prozessinklusion durch einen mehrstufigen Ansatz erfolgen sollte. Dieser ermöglich es marginalisierten Gruppen, sinnvoll an Verhandlungs- und Entscheidungsprozessen teilzunehmen, beziehungsweise in diesen legitim vertreten  zu sein. Ferner sollten etablierte und informelle Eliten davon überzeugt werden, solche partizipativen Formate zu akzeptieren. Darüber hinaus sollten internationale Akteure nicht davon ausgehen, dass ein partizipativer Verhandlungsprozess automatisch zu inklusiven Ergebnissen führt. Stattdessen sollten sie die (alten und neuen) politischen Akteure dahingehend unterstützen, repräsentative und bedarfsgeleitete Politikansätze in die Praxis umzusetzen.  

Eine spanische Version des Berichts wird in Kürze zur Verfügung stehen, ebenso wie ein kürzerer Policy Brief, der die zentralen Ergebnisse und die wichtigsten Schlussfolgerungen aus der gemeinsamen Forschung zusammenfasst. Für weitere Informationen zu dem Projekt und der Publikation kontaktieren Sie bitte unsere Programmdirektorin und Co-Autorin Dr Véronique Dudouet: v.dudouet[at]berghof-foundation[dot]org