Westlicher Balkan: Wie können Gemeinden gegenüber gewalttätigem Extremismus gestärkt werden?

08.11.2018

Schätzungsweise 900 Personen aus Staaten des Westlichen Balkan haben sich seit 2012 dem IS und ähnlichen Organisationen angeschlossen. Nicht zuletzt dieser Zulauf hat die Aufmerksamkeit der Internationalen Gemeinschaft erneut auf die Region gelenkt. Dabei zeigt sich auf lokaler Ebene, wie unterschiedlich das Phänomen in einzelnen Gemeinden ausgeprägt ist. 

Warum aber sind einige Gemeinden besonders betroffen, während gewalttätiger Extremismus andernorts (trotz ähnlichen sozioökonomischen Rahmenbedingungen) offenbar kaum eine Rolle spielt?

Dazu sind nun vier Länderstudien erschienen, die im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojekts mit Fachleuten aus der Region erstellt wurden. Anhand von Interviews und Beobachtungen in einzelnen Gemeinden in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo und Mazedonien, suchen die Fallstudien nach Strategien, wie gewaltbereitem Extremismus auf lokaler Ebene effektiv begegnet werden kann.

Dabei zeigt sich in den untersuchten Gemeinschaften teilweise ein geringes Problembewusstsein und mangelnde Bereitschaft, präventive Ansätze zu priorisieren. Wie kann gewaltbereitem Extremismus besser entgegengetreten werden?

Faktoren, die Resilienz auf lokaler Ebene fördern, sind u.a.:

  • Der Zugang zu religiöser Bildung, ein starkes Zugehörigkeitsgefühl und ein hohes Maß an gemeindeübergreifender Organisation;
  • Geschlossenheit und Führung innerhalb der offiziellen Islamischen Gemeinschaften;
  • Lehrpersonal und Eltern mit Vorbildfunktion

Weiterführende Empfehlungen:

  • Die institutionelle Zusammenarbeit, die sowohl politische Entscheidungen als auch den sozialen Zusammenhalt umfasst, scheint in allen vier Ländern gestärkt werden zu müssen, um maßgeschneiderte Programme von und für die jeweiligen Gemeinden zu ermöglichen.
  • Programme internationaler wie nationaler Geldgeber und Politik sollten auf einer Risiko- und Bedarfsanalyse fußen, die von den Akteuren vor Ort bestimmt wird.
  • Eine nachhaltige Förderung und bessere finanzielle und personelle Ausstattung von Bildung und Sozialarbeit sind nötig, um die Wirksamkeit dieser wichtigen Sektoren zu stärken
  • Es bedarf weiterer Forschung zu den verschiedenen, sich gegenseitig verstärkenden Formen von Extremismus in der Region, auch um einer einseitigen Stigmatisierung der islamischen Gemeinschaften entgegenzuwirken.

Weiterführende Ergebnisse werden auf der internationalen Fachkonferenz „Community Perspectives on Preventing Violent Extremism from the Western Balkans“im Auswärtigen Amt am 20. November 2018 vorgestellt und diskutiert.

Eine detaillierte Vergleichsstudie, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den jeweiligen Fällen aufzeigt und Empfehlungen für zukünftige Präventionsstrategien formuliert, folgt im Dezember 2018.

Bericht Albanien Download (pdf) >

Bericht Bosnien und Herzegowina Download (pdf) >

Bericht Kosovo Download (pdf) >

Bericht Mazedonien Download (pdf) >