Internationale Sommerschule für junge FriedensstifterInnen

Die Internationale Berghof Sommerschule für junge FriedensstifterInnen bringt junge Erwachsene aus der ganzen Welt zusammen, die sich in Deutschland und in ihren Herkunftsländern für ein friedliches Miteinander einsetzen. Sie adressiert insbesondere auch Jugendliche mit Fluchterfahrung, unabhängig von deren Aufenthaltstiteln und entsprechenden Bleibeperspektiven.

Das Projekt zielt auf die Qualifizierung und Unterstützung der jungen FriedensstifterInnen ab und fördert die Etablierung eines deutschlandweiten und internationalen Netzwerks. Im Vordergrund der Sommerschule steht zudem das gemeinsame Lernen aus dem vielfältigen Erfahrungsschatz der Gruppe sowie von gelungenen weltweiten Beispielen der Friedensstiftung. Mittels erfahrungsbasiertem Lernen und partizipatorischen Methoden, finden die jungen Erwachsenen kreative Lösungen im Umgang mit alltäglichen Herausforderungen im Engagement, wie zum Beispiel Hass und Hetze – online wie offline.

Weiterhin erkennen sie, dass sie in ihrem Friedenshandeln MitstreiterInnen haben. In einer entspannten Atmosphäre können die jungen Erwachsenen neue Kraft für ihr Friedenshandeln schöpfen, ihr Fachwissen vertiefen und für ihr weiteres Engagement inspiriert werden.

Laufzeit

Seit 2014 jährlich mit wechselnden thematischen Schwerpunkten.

Konfliktlage

In Deutschland, aber auch in allen Konflikt- und Krisenherden dieser Welt, gibt es Menschen, die sich, unabhängig von Aufenthaltstitel, Herkunft, Status oder Geschlecht, gegen Gewalt aussprechen und sich auf vielfältige Weise für eine friedlichere Zukunft engagieren. Obwohl die Rolle von jungen Erwachsenen im Bereich der weltweiten Friedensstiftung, nicht zuletzt unterstützt durch die UNO Resolution 2250 zu Jugend, Frieden und Sicherheit (YPS) aus dem Jahr 2015, immer größere Beachtung erfährt, sind ihre Handlungsspielräume in einem von Konflikten und Gewalt geprägten Umfeld nach wie vor oft stark eingeschränkt. Ihr Lebens- und Arbeitsalltag ist häufig kräftezehrend und unter Umständen mit traumatischen Erlebnissen verbunden. Auch diskriminierende, demokratiefeindliche oder rassistische Anfeindungen gehören oft zum Alltag junger Engagierter, auch im deutschen oder europäischen Kontext. Häufig bekommen dies insbesondere jene Engagierte zu spüren, die Flucht- oder Migrationserfahrung haben. Dem Engagement dieser Zielgruppe wird jedoch ein deutlich geringeres öffentliches Interesse und entsprechend weniger Unterstützung zu teil.

Ansatz

Die UNO Resolution 2250 zu Jugend, Frieden und Sicherheit (YPS) macht deutlich, dass Jugendliche einen wesentlichen Beitrag zu Frieden und Sicherheit leisten können, wenn sie angemessen gefördert und dahingehend eingebunden werden. Dies gilt auch für Jugendliche, die auf der Suche nach Sicherheit und Schutz aus ihren Heimatländern geflohen sind.

Ein grundlegendes Element der Sommerschule ist daher zunächst die Stärkung des „Friedenspotenzials“ dieser jungen Menschen, um zu einem gewaltfreien und friedlichen Miteinander beitragen zu können. Einem ganzheitlichen Ansatz folgend nimmt die Sommerschule unterschiedliche Aspekte und Themenbereiche zivilgesellschaftlichen Engagements im Bereich Frieden und konstruktiver Konflikttransformation in den Blick und adressiert die spezifischen Herausforderungen junger Engagierter in diesem Bereich. Neben der Vermittlung von Friedenskompetenz als Sachwissen zum besseren Verständnis von Frieden, Gewalt, Konflikt und Krieg, sollen die Teilnehmenden ihre Friedensfähigkeit erweitern und zu selbstständigem Friedenshandeln befähigt werden. Damit orientiert sich das Konzept der Sommerschule an den drei Dimensionen friedenspädagogischen Arbeitens und legt zudem besonderen Wert auf einen Wechsel zwischen Phasen des gemeinsamen Wissenserwerbs und der Wissensvertiefung, der praktischen Erprobung von Fähigkeiten, des Austausches und Perspektivenwechsels und der Entspannung und Erholung.

Ziele und Ergebnisse

Die Sommerschule bietet den engagierten jungen Menschen einen Raum, um Frieden durch Begegnung erfahren und Ansätze der Friedensbildung und der Konflikttransformation diskutieren, erlernen und erproben zu können. Gemeinsam reflektieren sie kritisch und konstruktiv die Hintergründe eigener Einstellungen und eigenen Verhaltens hinsichtlich demokratischer Grundwerte und den Regeln eines friedlichen Zusammenlebens in einer globalisierten Welt. Ziel der Sommerschule ist es, die Jugendlichen zu ermutigen und zu befähigen, ihr Engagement für ein friedliches Miteinander in Deutschland und ihren Herkunftsländern im Anschluss an die Sommerschule fortzuführen und gegebenenfalls auszuweiten. Dazu gehört auch, dass sie einfache Methoden der Selbstfürsorge und Stressbewältigung erlernen und sich mit Themen wie Trauma und sekundärer Traumatisierung auseinandersetzen.

Die Sommerschule zielt zudem auf die Etablierung eines deutschlandweiten und internationalen Netzwerks von jungen FriedensstifterInnen hin, die sich austauschen, miteinander kooperieren und sich gegenseitig unterstützen. Eine junge Teilnehmerin betont: "Bisher waren die Länder nur Namen, jetzt habe ich Freunde von dort gefunden. Dieses Netzwerk wird uns in Zukunft bei der Zusammenarbeit helfen". Mit der ersten Sommerschule im Jahr 2014 wurde hierzu der Grundstein gelegt. Die Berghof Foundation will das entstehende Netzwerk langfristig ausbauen und dem Austausch und der Kooperation Kontinuität geben.

Teil des Sommerschulprogramms ist zudem eine Abendveranstaltung für die interessierte Öffentlichkeit, welche durch direkte Begegnung und Austausch, sowie anhand konkreter Beispiele, auf das Potenzial von Jugendlichen als FriedenstifterInnen aufmerksam macht.

Partner

Die Sommerschule ist ein Projekt der Berghof Foundation. Die Teilnehmenden der Sommerschule werden in Absprache mit lokalen Partnerorganisationen der Berghof Foundation ausgewählt.

Förderer

Die Sommerschule 2018 wird gefördert vom Förderverein Berghof Peace Education / Institut für Friedenspädagogik e.V., der Universitätsstadt Tübingen. Das Fördernetzwerk soll erhalten und erweitert werden.
 

Juli 2018 - Sommerschule für junge FriedensstifterInnen

Es ist wieder soweit: Im September 2018 kommen bereits zum vierten Mal junge FriedensstifterInnen aus aller Welt zu einer Internationalen Berghof Sommerschule im Georg-Zundel-Haus der Berghof Foundation in Tübingen zusammen.

Dieses Jahr richtet sich die Sommerschule gezielt an junge Menschen mit und ohne Fluchterfahrung, die sich in Deutschland oder ihren Herkunftsländern für ein friedliches Miteinander einsetzen.

Vom 3. bis 7. September 2018 haben die Teilnehmenden die Möglichkeit sich über ihr zivilgesellschaftliches Engagement und ihre dort gewonnenen Erfahrungen auszutauschen. Zudem werden sie mit Ansätzen der Friedenspädagogik vertraut gemacht und lernen mit Herausforderungen, wie Traumata, Hass und Hetze umzugehen.

 

Juli 2016 - "Wir verändern die Welt...

... in einen friedlicheren und besseren Ort – auch wenn der Prozess nur langsam voranschreitet und sehr lange dauern wird“. So lautet das Fazit einer Teilnehmerin der 3. Internationalen Sommerschule für junge Friedensstifterinnen und Friedensstifter. Wie in den Jahren zuvor trafen sich fünfzehn besonders engagierte junge Menschen im Georg Zundel Haus der Berghof Foundation in Tübingen um Erfahrungen auszutauschen, neue Inhalte und Methoden der Friedenspädagogik kennenzulernen und um sich von ihrer schwierigen Arbeit zu erholen. Ein Schwerpunkt der Sommerschule waren Impulse für eine konfliktsensitive Flüchtlingsarbeit, welche die Teilnehmenden nun in ihren Heimatländern oder aktuellen Gastländern (Ruanda, Uganda, Ägypten, Libanon, Jordanien, Iran, Türkei, Griechenland, Ukraine, Montenegro, Schweden, Frankreich, Deutschland) umsetzen möchten. Angesichts der Entwicklungen in der Türkei und den Anschlägen in Deutschland wurde allen bewusst, wie wichtig ein internationales Netzwerk ist, um Flüchtlingsarbeit als Friedensarbeit verstehen und langfristig entwickeln zu können.  

Die Sommerschule wurde neben privaten Spenden vom Förderverein Berghof Peace Education, der Universitätsstadt Tübingen, der Stiftung Mercator, der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg sowie der Wilhelm-Schickard-Schule Tübingen auf unterschiedliche Weise unterstützt.

Mai 2016 – Ankündigung der Dritten Internationale Berghof Sommerschule für junge Friedensstifter

"Flüchtlingsarbeit als Friedensarbeit" - So lautet das Thema der diesjährigen Berghof Sommerschule in Tübingen. Vom 15.-22. Juli kommen rund 20 junge Erwachsene aus Ländern wie Jordanien, Iran, Ägypten, Uganda, Ruanda, Türkei, Griechenland, Montenegro, Ukraine, Schweden und Deutschland zusammen.

Einige der Teilnehmenden haben selbst Fluchterfahrungen hinter sich und setzen sich nun für jene ein, die heute als Flüchtlinge weltweit Schutz suchen. Die diesjährige Sommerschule bringt damit eine neue Generation von jungen Friedensstiftern zusammen, die sich alle in der ehren- oder der hauptamtlichen Bildungs- und Sozialarbeit mit Geflüchteten betätigen. Ihr Verständnis von Flüchtlingsarbeit als Friedensarbeit soll gefördert werden und damit Voraussetzungen für ein langfristiges, werteorientiertes Engagement schaffen. Die Zusammenkunft von jungen Menschen mit ähnlichem beruflichem Fokus wird ihnen einen einmaligen Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe und gegenseitige Stärkung in einem geschützten Rahmen ermöglichen.

September 2015 – Zweite Internationale Berghof Sommerschule für junge Friedensstifter

Zur zweiten Berghof Sommerschule kamen 16 junge Friedensstifter aus Armenien, Ägypten, Deutschland, Elfenbeinküste, Georgien, Indien, Iran, Irak, Jordanien, Libanon und Ruanda nach Tübingen ins Georg Zundel Haus. Dort haben sie ein Netzwerk gegründet, in dem sie sich gegenseitig inspirieren und Kraft geben für die schwierige Arbeit am Frieden. Die jungen Menschen arbeiten in Krisenregionen in Flüchtlingslagern, in NGOs, in Museen, in der Wissenschaft oder in der Friedensbewegung. Eine Woche lang tauschten sie hier ihre Erfahrungen aus und diskutierten Prinzipien und Strategien der Gewaltfreiheit. Besonders begeistert waren die Teilnehmenden von den interaktiven Methoden der Friedenspädagogik. Sie können diese nun in ihren Ländern mit ihren eigenen Zielgruppen erproben und so das Netzwerk junger Friedensstifter erweitern. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer würdigte in einem Grußwort die Arbeit der jugendlichen Friedensstifter und unterstrich die Bedeutung der Veranstaltung für die Stadt Tübingen

September 2014 – Erste Internationale Berghof Sommerschule für junge Friedensstifter

Zur ersten Internationalen Berghof Sommerschule reisten 15 junge Friedensstifterinnen und Friedensstifter aus Abchasien, Ägypten, Deutschland, Georgien, Honduras, Iran, Jordanien, Libanon, Mazedonien und Palästina an. Die jungen Erwachsenen lernten von gelungenen Beispielen weltweiter Friedensstiftung und tauschten sich über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen aus. Mitarbeiterinnen des UN Institut for Training and Research (UNITAR) sowie der Nichtregierungsorganisation Peace Boat gaben zusätzliche Impulse. Eine Exkursion ins Friedensmuseum Lindau zeigte wie attraktive Räume für die Auseinandersetzung mit Friedensstrategien geschaffen werden können. In ihren Auswertungsberichten zur Sommerschule schätzten die Teilnehmenden zudem den hohen Erholungswert vom anstrengenden und häufig von gewaltsamen Konflikten geprägten Alltag in ihren Herkunftsländern sowie die Ermutigung zur reflektierten Weiterarbeit.