Möglichkeiten zur Prävention von gewaltsamem Extremismus im Westlichen Balkan

Dieses Projekt zur Prävention von gewaltsamem Extremismus umfasst gemeinsame Forschung sowie Dialoginitiativen in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Mazedonien. Zusammen mit unseren vier Forschungspartnern vor Ort untersuchen wir, warum sich mancherorts Viele gewaltsamen, extremistischen Gruppen im Ausland anschließen, während es andernorts eine grössere Widerstandsfähigkeit gegenüber gewaltsamer Radikalisierung zu geben scheint. Die Forschungsergebnisse fließen, in Zusammenarbeit mit relevanten Akteuren vor Ort, direkt in Politikberatung und lokale Dialogformate ein. Ziel ist es, Strategien gegen eine gewaltsame Radikalisierung junger Muslime im Westlichen Balkan zu entwickeln. Um einer Radikalisierung vorzubeugen und die Resilienz gesellschaftlicher Gruppen auszubauen, liegt hier ein spezielles Augenmerk auf der Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure (insbesondere aus dem  Jugendbereich und religiösen Kreisen) und einer engen Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen. Im Rahmen des Projektes wird außerdem eine intra-regionale Vergleichsanalyse erstellt, sowie ein überregionaler Austausch mit entsprechenden Experten aus der MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika) initiiert.

Zeitrahmen

Juli 2017 – Dezember 2018

Die Erkenntnis, dass die meisten ausländischen Kämpfer, die sich freiwillig in Ländern wie Syrien oder dem Irak radikalen islamistischen Organisationen anschließen, aus den  Staaten des westlichen Balkans stammen, sorgte in den vergangenen Jahren international für erhebliches Aufsehen. Lokale und regionale Akteure tun sich, ebenso wie die betroffenen Gemeinden, jedoch weiterhin immer noch schwer, effektive Antworten zu finden und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Daher benötigt die Region dringend inklusive und zielorientierte Programme die helfen, die Widerstandsfähigkeit (Resilience) von  Staaten und Gemeinden gegen gewaltsamen Extremismus zu stärken. 

Ansatz

Das Projekt verbindet vergleichende Forschung in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Mazedonien mit einem praxisorientierten lokalen und überregionalen Austausch. Untersucht wird, welche Faktoren entscheidend dafür sind, ob lokale Gemeinden entweder für gewaltsamen islamistischen Extremismus empfänglich sind oder derartige Einflüsse abwehren können. Durch Arbeit und Austausch mit Akteuren vor Ort, den betroffenen Gemeinden sowie staatlichen Behörden, werden Methoden entwickelt, um Strategien zur Prävention von gewaltsamem Extremismus (PVE programming) auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene zu verbessern. Des Weiteren sollen potenzielle Vorteile, die sich aus einer Kombination von regionalen Projekten zu Friedensförderung und Versöhnungsprozessen mit PVE-Aktivitäten ergeben könnten, erkundet werden, um die tieferen Ursachen von gewaltsamer Radikalisierung und Extremismus anzugehen.  In einem ‚peer-learning‘ Workshop werden, insbesondere im Hinblick auf Forschung und die geplanten Gemeindedialog- und Informationsmaßnahmen, auch vergleichbare Erfahrungen aus Ländern der MENA-Region eingebracht.

Ziele &Ergebnisse

Unser Ziel ist es, auf Grundlage empirischer Daten Empfehlungen an lokale, nationale und internationale Akteure bezüglich der Verbesserung von Maßnahmen zur Prävention von gewaltsamem Extremismus zu formulieren. Darüber hinaus soll das Projekt zu weiteren wissenschaftlichen Erkenntnissen über Faktoren von Anfälligkeit bzw. Widerstandsfähigkeit von Gemeinden beitragen. Die Umsetzung erfolgt in vier Schritten: (1) umfassende Primärerhebung von Daten in vier Fallstudien und vergleichende, fallübergreifende Analysen der Faktoren von Anfälligkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Phänomen des gewaltsamen Extremismus; (2) Ermöglichung von überregionaler peer-Beratung und Austausch mit Experten aus der MENA Region; (3) Formulieren, Präsentieren und Veröffentlichen von Handlungsempfehlungen für wichtige lokale und nationale Zielgruppen zur Verbesserung von Maßnahmen in den vier Zielländern; und (4) Durchführung von Pilot-Aktivitäten zum  Dialog in Gemeinden vor Ort in Zusammenarbeit mit Vertretern von Jugend, religiösen Instanzen und lokalen Behörden durchführen um die entsprechenden Projektergebnisse zu erkunden, zu prüfen und umzusetzen. 

Regionen

Das Projekt wird in vier Staaten des Westbalkan durchgeführt: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Mazedonien.

Partnertreffen in Skopje, Juli 2018

Das sechste und letzte Partnertreffen fand am 4. und 5. Juli 2018 in Skopje statt. Organisiert wurde das Treffen von unseren mazedonischen Partnern von Democracy Lab. Im Mittelpunkt standen einmal mehr eine gemeinsame, kritisch-konstruktive Diskussion der finalen Entwürfe der Länderstudien. Danach berieten wir gemeinsam über einen ersten Strukturentwurf der vergleichenden Studie, die die abschließende Publikation in diesem Projektzyklus sein wird. Schließlich stellten alle Partnerorganisationen ihre Pläne für die Pilotdialoge und Diskussionsformate und -veranstaltungen vor, in denen die Ergebnisse und Empfehlungen der Forschungsarbeiten vor Ort in unterschiedlichen Runden und mit verschiedenen Akteuren diskutiert und kontextualisiert werden sollen.

Fachbeirats- und Partnertreffen, Mai 2018, Berlin

Im Anschluss an diesen Austausch fand ein Arbeitstreffen der Forschenden mit Mitgliedern des projektbezogenen Fachbeirats statt.
 

Internationaler Erfahrungsaustausch zu Extremismusprävention: MENA, Westlicher Balkan, Westeuropa, 14. & 15. Mai 2018, Berlin

Am 14. und 15. Mai 2018 richteten wir einen international besetzen Workshops in Berlin aus. Mehr als 30 Gäste, darunter Experten und Forschende, religiöse Würdenträger und Vertreterinnen von in den Regionen engagierten Regierungs- und Nichtregierungsinstitutionen brachten ihre unterschiedlichen Erkenntnisse und Erfahrungen zur Prävention von gewalttätigem Extremismus ein. > News
 

Partnertreffen in Sarajewo, März 2018

Atlantic Initiative, die bosnische Partnerorganisation in diesem Projekt, richtete vom 26-27 März 2018 das vierte Partnertreffen in Sarajewo aus. Alle Projektpartner waren angereist, um die ersten Fassungen der Länderstudien vorzustellen und zu diskutieren. Der Fokus lag auf ersten Schlussfolgerungen aus den Forschungsdaten, der Vergleichbarkeit dieser Schlussfolgerungen und der weiteren Planung. Besonders beschäftigte uns die Verbindung - möglich oder tatsächlich - zwischen PVE Aktivitäten und Initiativen zur Friedensförderung und Versöhnung.
 

Partnertreffen in Pristina, Januar 2018

Das dritte Partnertreffen fand vom 25-26 Januar 2018 in Pristina statt. Gastgeber war die kosovarische Partnerorganisation KCSS. Während des Treffens ging es vor allem um die Feldforschung: liessen sich die Forschungspläne umsetzten, wo gab es Schwierigkeiten, welche Methoden haben sich als besonders erfolgreich erwiesen? Darüber hinaus diskutierten wir die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Ländern und Gemeinden. Schliesslich verabredeten wir weitere Meilensteine und Termine.
 

Partnertreffen in Tirana, Oktober 2017

Das zweite Partnertreffen führte das Berghof Team und die Länderteams aus Bosnien, Kosovo und Mazedonien vom 12-13 Oktober 2017 nach Tirana. Ausgerichtet wurde das Treffen von der albanischen Partnerorganisation Institute for Democracy and Mediation (IDM). Das Treffen diente dem Zweck, den überarbeiteten Forschungsrahmen zu diskutieren und die Pläne für die Feldforschung (November 2017 bis März 2018) zu besprechen. Im Rahmen der Feldforschung gehen die Teams der Frage nach, welche Faktoren und Akteure die Anfälligkeit oder Widerstandsfähigkeit (Resilienz) von lokalen Gemeinschaften gegenüber Rektrutierungsversuchen in den gewaltsamen Extremismus erklären können. Dies wird für insgesamt 12 Ortschaften in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Mazedonien untersucht werden.
 

19. bis 21. Juli 2017:  Projektauftakt  

Die Auftaktveranstaltung zu unserem neuen Projekt fand in Berlin statt. Zu diesem Anlass hat sich der internationale Fachbeirat vom 19. bis 21. Juli in Berlin getroffen, bestehend aus fünf Fachleuten sowie Vertretern unserer vier Partnerorganisationen. Ziel war es, gemeinsam über Projektschwerpunkt, -design und Vorgehensweise zu diskutieren. News >

Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit mit den folgenden Organisationen umgesetzt:

Das Projekt wird aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert.

  • Redion Qirjazi & Romario Shehu: Community Perspectives on Preventing Violent Extremism in Albania. Country Case Study 4. Berlin/Tirana: Berghof Foundation and Institute for Democracy and Mediation (IDM), 2018. link >
  • Rudine Jakupi & Garentina Kraja: Accounting for the Difference: Vulnerability and Resilience to Violent Extremism in Kosovo. Country Case Study 3. Berlin/Pristina: Berghof Foundation and Kosovar Centre for Security Studies (KCSS), 2018. link >
  • Sead Turcalo & Nejra Veljan: Community Perspectives on Preventing Violent Extremism in Bosnia-Herzegovina. Country Case Study 2. Berlin/Sarajevo: Berghof Foundation and Atlantic Initiative, 2018. link >
  • Sead Turčalo i Nejra Veljan 2018. Perspektive zajednice o prevenciji nasilnog ekstremizma u Bosni i Hercegovini. Studija Slučaja broj 2. Sarajevo/Berlin: Atlantska inicijativa i Berghof Fondacija. link >
  • Filip Stojkovski & Natasia Kalajdziovski: Community Perspectives on Preventing Violent Extremism in Macedonia. Country Case Study 1. Berlin/Skopje: Berghof Foundation and Democracy Lab, 2018. link >
     
  • Transformative Approaches to Violent Extremism, Berghof Handbook Dialog Nr. 13, 2018. link >
  • "What is actually needed is to invent new terms", ein Interview mit unseren Forschungspartnern vor Ort zu radikalen religiösen Normen und Erfahrungen mit der Extremismusprävention auf dem Westlichen Ballkan in Berghof Handbook Dialog Nr. 13, 2018. link >
  • Anita Ernstorfer: Effective Approaches to Preventing Violent Extremism: A Peacebuilding Systems Perspective. Ein Kommentar zu Berghof Handbook Dialog Nr. 13 von einem Mitglied des Advisory Boards, 2018. link >

Eine Auswahl an Veröffentlichungen zu diesem Thema:

  • Between Salvation and Terror: Radicalization and the Foreign Fighter Phenomenon in the Western Balkans. link >
  • Religious Radicalism and Violent Extremism in Albania. link >
  • Report inquiring into causes and consequences of Kosovo citizens involvement as foreign fighters in Syria and Iraq. link >
  • Citizens views against violent extremism and radicalization in Kosovo. link >
  • Women in Violent Extremism: Lessons Learned from Kosovo. link >
  • Mapping the state of play of institutional and community involvement in countering violent extremism in Kosovo. link >
  • The New Lure Of The Syrian War - The Foreign Fighters’ Bosnian Contingent. link >
  • Salafism Vs. Moderate Islam - A Rhetorical Fight for the Hearts and Minds of Bosnian Muslims. link >
  • Assessment of Macedonia’s Efforts on Countering Violent Extremism, view from civil society. link >