Intra-Afghanische Konferenz für Frieden bringt Hoffnungsschimmer für Afghanistan

23.07.2019

Vier Jahrzehnte nach Ausbruch des Konflikts trafen sich zum ersten Mal Vertreterinnen und Vertreter der afghanischen Regierung und Zivilgesellschaft sowie der Taliban-Bewegung, in ihrer Eigenschaft als Privatpersonen im Rahmen einer Dialogkonferenz vom 7.-8. Juli in Doha, Katar. Während der „Intra-Afghanischen Friedenskonferenz“, die von der deutschen und der katarischen Regierung ausgerichtet und von der Berghof Foundation fazilitiert wurde, trafen sich mehr als 60 Afghaninnen und Afghanen aus den verschiedensten politischen und gesellschaftlichen Gruppen und diskutierten gemeinsame Interessen und Optionen für einen Friedensprozess.

Achtzehn Jahre nach Beginn der US- geführten Intervention zum Sturz der Taliban-Bewegung, ist die Sicherheitslage in Afghanistan nach wie vor prekär: Für das erste Quartal 2019 verzeichneten die Vereinten Nationen erneut eine hohe Zahl von zivilen Opfern. 1.773 Zivilisten, darunter 582 Kinder, wurden getötet. Im  „Global Peace Index 2019“ führt das Institute for Economics and Peace Afghanistan als das am wenigsten friedliche Land der Welt auf. Auch unter den Kämpferinnen und Kämpfern der nationalen Verteidigungs- und Sicherheitskräften und der Taliban-Bewegung ist die Zahl der Toten verheerend hoch.

Es ist offensichtlich, dass sich der Konflikt nicht militärisch oder durch andere Intervention von außen lösen lässt. Die Berghof Foundation ist davon überzeugt, dass nur ein afghanischer und von den afghanischen Konfliktparteien verantworteter Ansatz, zu einer nachhaltigen Lösung führen kann. Seit fünf Jahren unterstützen wir unsere afghanischen Partner in ihren Bemühungen um einen nachhaltigen Friedensprozess.

„Frieden in Afghanistan kann es nur geben, wenn die Afghanen selbst das Zepter in der Hand haben. Meiner Erfahrung nach ist die Unterstützung durch internationale Akteure auf allen Seiten willkommen, sofern sie die Eigenverantwortung stärkt und die Afghanen bei der Suche nach tragfähigen Kompromissen unterstützt.“

Hans Joachim Giessmann, Executive Director der Berghof Foundation

Aufgrund unseres mehrparteilichen Ansatzes und unseres technischen Know-hows bat uns die Bundesregierung, die Vorbereitung und Durchführung der Intra-Afghanischen Friedenskonferenz zu unterstützen. Wir moderierten Closed-Door-Sessions, die einen offenen und ungefilterten Austausch und dadurch zum ersten Mal einen echten Dialog zwischen den afghanischen Akteuren ermöglichten. Die Unterhaltungen waren nicht immer einfach, führten jedoch dazu, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein gemeinsames Verständnis von geteiltem Leid entwickelten und beginnen konnten, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Am Ende der zweitägigen Veranstaltung verabschiedeten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine gemeinsame Erklärung, mit der sie einen Weg für zukünftigen intra-afghanischen Verhandlungen aufzeigten. Alle Seiten einigten sich darauf die Gewalt zu reduzieren und sicherten Frauen und religiösen Minderheiten grundlegende Rechte zu. Der Beschluss ruft zudem alle Seiten zu vertrauensbildenden Maßnahmen auf und beschreibt einen Strategieplan für Frieden in Afghanistan. Wir hoffen, dass dies ein erster Schritt auf dem Weg zu einem inklusiven Friedensprozess ist.

Vertreterinnen und Vertreter der afghanischen Fraktionen, der Taliban-Bewegung sowie internationaler Interessengruppen reagierten sehr positiv auf das Ergebnis der Veranstaltung. Als Ausdruck der Hoffnung, die durch die Konferenz in der afghanischen Gesellschaft geweckt wurde, begrüßten lokale Aktivistinnen und Aktivisten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei ihrer Rückkehr nach Kabul mit Blumen und Friedenstauben.

In dieser optimistischen und erwartungsvollen Atmosphäre haben die Umsetzung des Abkommens durch die Konfliktparteien und die Entscheidungen über konkrete nächste Schritte im Prozess entscheidende Bedeutung. Während des Dialogs in Doha, fanden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wichtige Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Interessengruppen, identifizierten aber auch Meinungsverschiedenheiten, die im Rahmen eines innerafghanischen Verhandlungs- oder eventuell Dialogprozesses angegangen werden müssen.

"Der intra-afghanische Dialog ist eine große Chance für Frieden in Afghanistan. Das neue Momentum sollte nun mutig genutzt werden."

Hans Joachim Giessmann, Executive Director der Berghof Foundation

Berghof wird die afghanischen Akteure auch weiterhin bei der Verwirklichung eines nachhaltigen, umfassenden und menschenwürdigen Friedens unterstützen.