Leitartikel zu Dialog “Transformative Approaches to Violent Extremism” online

26.01.2018

Gewaltextremismus zeigt viele verschiedene Gesichter: von jungen Kämpferinnen und Kämpfern, die aus dem Ausland an die Kriegsschauplätze in Syrien oder dem Irak ziehen, über Terrorakte von Manchester bis Kabul, bis hin zur Verbreitung von Ideologien und Propaganda, die Gewalt gutheißen, egal ob in Internet-Chaträumen oder politischen Debatten. Es kann daher nicht überraschen, dass der Umgang mit dem Phänomen derzeit eine der zentralen Analyse- und Handlungsprioritäten für nationale und internationale Regierungsstellen in der westlichen Welt und darüber hinaus darstellt. Auch Nichtregierungsorganisationen beschäftigen sich intensiv mit dem Phänomen.

Unbestritten ist die Notwendigkeit, Gewaltextremismus die Stirn zu bieten. Und doch startet unser aktueller Berghof Handbook Dialog mit einer provokanten Prämisse: bei allen investierten Mitteln greifen die meisten Analyse- und Programmansätze bislang zu kurz, wenn es darum geht, die Triebkräfte und tieferliegenden Ursachen des Gewaltextremismus zu verstehen oder in den Griff zu bekommen. In Berghof Handbook Dialog Nr. 13 wird es daher darum gehen, transformativen Ansätzen zum Umgang mit dem Phänomen Gewaltextremismus auf den Grund zu gehen. Unter anderem stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:

  • Was wissen die unterschiedlichen Fachkreise – in Forschung, Praxis und Politik – jeweils wirklich über die Ursachen und Folgen des heutigen gewaltbereiten Extremismus?
  • Welche Verbindungen bestehen zwischen gewaltbereiten Ideologien – religiös oder säkular – und politischem Handeln?
  • Welche Pfade führen Menschen in den Gewaltextremismus (individuell, in Gruppen oder unter Umständen sogar gesamtgesellschaftlich)? Welche Wege führen sie wieder heraus?
  • Welche Einflussmöglichkeiten sind aus einer friedensfördernden und konflikttransformativen Perspektive besonders erfolgversprechend? Auf welche Akteurstypen greifen diese zu? Auf welchen Ebenen und in welchen Bereichen?

Im Leitartikel, der den Auftakt zu Dialogheft 13 bildet, schreibt Mohammed Abu-Nimer dass es „im Einwirken auf Gewaltextremismus grundlegend um Konflikttransformation gehen müsse, dass aber die wenigsten Ansätze derzeit transformativ angelegt seien“. Unser Leitautor plädiert dafür, dass interreligiöse Friedensförderung einen zentralen Stellenwert einnehme. Nur damit könne die Perspektive einer wichtigen Gruppe von Akteuren ernstgenommen und integriert werden, die sonst allzu oft als Teil des Problems angesehen werde. In den kommenden Monaten werden weitere Autorinnen und Autoren diese Thesen aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutieren. Beleuchtet werden unter anderem die Rolle systemischer Analysen, die Bedeutung von Identität und Geschlecht, praktische Arbeit mit Jugendlichen in Gemeinden in Deutschland, sowie regionale Zusammenhänge im Westlichen Balkan und in der MENA-Region.

Wir sind dankbar für die finanzielle Unterstützung des Auswärtigen Amtes, welches die Erstellung dieses Dialogheftes im Rahmen ihrer Förderung des Projekts „Prävention von Gewaltextremismus im Westlichen Balkan“ ermöglicht.