„Konfliktsensitive Flüchtlingsarbeit“: Workshops und Lernmedien

Wie schaffe ich es, dass alle die sich mit mir im Unterstützendenkreis für Geflüchtete engagieren an einem Strang ziehen? Wie kann ich SozialarbeiterInnen und bürgerschaftlich Engagierten mitteilen, dass ich ihre Unterstützung zu schätzen weiß, gerade jedoch etwas anders brauche? Wie kann ich Geflüchteten und bürgerschaftlich Engagierten vermitteln, dass gesetzliche und institutionelle Strukturen auch meinem Handlungsspielraum als SozialarbeiterIn einschränken? Fragen wie diese verdeutlichen die alltäglichen Herausforderungen in der Flüchtlingsarbeit. Wird das Gespräch nicht gesucht, oder die passenden Worte nicht gefunden, entstehen häufig Missverständnisse oder auch Konflikte. Beide werden von den meisten Menschen als anstrengend, belasten und frustrierend wahrgenommen. Doch häufig sind es gerade Konfliktsituationen, die Türen öffnen für ein Aufeinander zugehen und für Dialog.

Weltweit verlassen immer mehr Menschen freiwillig oder gezwungen ihr Land auf der Suche nach Sicherheit, Freiheit und einem erfüllten Leben. Dadurch verändert sich nicht nur das menschliche Miteinander, sondern auch etablierte Normen und Werte. Entstehende Konflikte und damit verbundene Veränderungsprozesse können zur Chance für ein friedliches Miteinander werden. Dazu bedarf es neben Hintergrundwissen vor allem der Fähigkeit mit ihnen gelingend umzugehen.

Hier setzen das Workshopangebot und die Lernposterreihe "Konfliktsensitive Flüchtlingsarbeit" an, die vom Programm Friedenspädagogik & Globales Lernen der Berghof Foundation mit Förderung der Baden-Württemberg Stiftung entwickelt und erprobt wurden. Das Angebot richtet sich bundesweit an alle im Kontext von Flucht und Migration engagierten Menschen. Bis Juni 2017 wurden die Workshops vorrangig für ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit in Baden-Württemberg Engagierte angeboten.

"Konfliktsensitive Flüchtlingsarbeit"

Das vom Programm Friedenspädagogik & Globales Lernen der Berghof Foundation konzipierte Workshopangebot "Konfliktsensitive Flüchtlingsarbeit" vermittelt verschiedene Aspekte von Konfliktsensitivität in der Flüchtlingsarbeit in Deutschland.

Welches sind die Ziele der Workshops?

  • Erweiterung und Vertiefung von Konfliktwissen und Konfliktfähigkeiten und Reflexion des eigenen Konfliktverhaltens
  • Schaffung eines geschützten Raums zum Austausch von persönlichen Erfahrungen mit Konflikt- und Friedenspotentialen im Kontext von Flucht und Migration in Deutschland
  • Inspiration und Stärkung für ein weiterführendes Engagement
  • Stärkung der Wahrnehmung von Flüchtlingsarbeit als Friedenarbeit

Für wen sind die Workshops geeignet?

Das Angebot richtet sich bundesweit an alle im Kontext von Flucht und Migration engagierten Menschen, die Interesse an der Erweiterung und Vertiefung ihres Konfliktwissens- und ihrer Konfliktfähigkeiten haben. Es richtet sich auch an jene Menschen, die einen Raum des (angeleiteten) Austauschs und der Selbstreflexion suchen oder ihre Perspektive wechseln wollen. Zu den Zielgruppen zählen Selbstorganisationen von Geflüchteten und MigrantInnen, Unterstützendenkreise, Nichtregierungsorganisationen, kirchliche und soziale Träger oder andere Gruppen von interessierten Menschen.

Die Workshops werden auf die individuellen Anforderungen und Bedürfnisse der Teilnehmenden abgestimmt. Neben Deutsch als Arbeitssprache können die Workshops bei Bedarf auch auf Englisch oder mit Übersetzung angeboten werden.

Wie sind die Workshops aufgebaut?

Die friedenspädagogischen Workshops sind modular aufgebaut. Sechs Lernmodule können teilweise einzeln oder am Besten in Kombination als ein- bis zweitägige Fortbildung angefragt und gebucht werden: (1) Konflikte Verstehen; (2) Streitkultur; (3) Gewaltfreie Kommunikation; (4) Beobachtung und Bewertung; (5) Zusammenleben; (6) Friedensfähigkeit. Weiter Module sind nach Absprache möglich.

Die Inhalte werden mit unterschiedlichen aktivierenden und partizipativen Methoden in Kleingruppen erarbeitet und im Plenum gemeinsam ausgewertet. Hierdurch entsteht Raum für Dialog, Erfahrungsaustausch und Selbstreflexion. Die Module spannen den Bogen von grundlegenden Konfliktfähigkeiten bis hin zu persönlichen Friedensfähigkeiten der Teilnehmenden.

Wie wird ein Workshop organisiert?

Die Workshops zu verschiedenen Aspekten konfliktsensitiver Flüchtlingsarbeit werden auf Honorarbasis angeboten. Interessierte können sich direkt an uns wenden per Email an Dagmar Nolden, Projektmanagerin Friedenspädagogik & Globales Lernen - d.nolden[at]berghof-foundation[dot]org, oder telefonisch +49(0)707192051-17.  An einem Workshop können maximal 25 Personen teilnehmen.

Was sind die bisherigen Erfahrungen?

Das Workshopkonzept und die sechs Module wurden im Rahmen des Projektes "Konfliktsensitive Flüchtlingsarbeit: Begleitung, Qualifizierung und Ermutigung von Freiwilligen" konzipiert, getestet und bisher bereits mehr als 40 Mal erfolgreich durchgeführt:

"Der Workshop war für mich sehr aufschlussreich und interessant. [...] So war die Hinführung zur Konflikterkennung und Konfliktbewältigung sehr hilfreich - nicht nur für die Arbeit mit Flüchtlingen."

"Der Kurs erhöht die allgemeine Sensibilität für mögliche Konfliktpotenziale. Ich nutze das seither in meinen Berufssprechstunden."

"Ich habe seit dem Workshop viel mehr Verständnis für die kulturellen Probleme der Flüchtlinge. Mein Konfliktverhalten ist entspannter geworden."

(1) Konflikte Verstehen

Ausgangspunkt konstruktiver Konfliktbearbeitung ist das Erkennen, worum es in einem Konflikt tatsächlich geht. Szenarien aus dem Alltag der Flüchtlingsarbeit tragen dazu bei, das Konfliktverständnis zu erweitern und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten und zu diskutieren.

Zeitlicher Umfang: ca. 2,5 Stunden

(2) Streitkultur

Anhand von Cartoons erarbeiten wir gemeinsam Stufen der Konflikteskalation und identifizieren Möglichkeiten der Intervention und Deeskalation.

Zeitlicher Umfang : ca. 1,5 Stunden

(3) Gewaltfreie Kommunikation

Das Modul vermittelt durch dialogorientierte, interaktive Übungen erste Grundlagen der einfühlsamen und gewaltfreien Kommunikation.

Zeitlicher Umfang : ca. 1,5 Stunden

(4) Beobachtung und Bewertung

Mittels kurzer Sequenzen aus dem Dokumentarfilm "ZwischenWelten" üben und reflektieren wir gemeinsam den Unterschied zwischen beobachtender und bewertender Kommunikation.

Zeitlicher Umfang : ca. 1 Stunden

(5) Zusammenleben

Unser Kultur- und Werteverständnis prägen unsere Wahrnehmung und unsere Vorstellung von Zusammenleben. Dieses Modul schärft die Sensibilität für damit einhergehende Herausforderungen.

Zeitlicher Umfang : ca. 1,5 Stunden

(6) Friedensfähigkeit

Weltweit engagieren sich viele Menschen für den Frieden. Auch in der Flüchtlingsarbeit können wir hierzu einen Beitrag leisten. Welche Kompetenzen und Fähigkeiten benötigen wir, um mit unserem Engagement Frieden zu stiften?

Zeitlicher Umfang : ca. 0,5 Stunden

Kennen Sie das?

"Sie ist das dritte Mal in Folge unpünktlich"

"Manchmal wäre ich gerne allein auf dem Zimmer"

"Ich weiß nicht, wie ich noch erklären soll, dass ich das Asylverfahren nicht beschleunigen kann"

Fragen wie diese sind Ausgangspunkt der Posterreihe "Konfliktsensitive Flüchtlingsarbeit". Die elf friedenspädagogischen Lernposter thematisieren zentrale Aspekte konfliktsensitiver Flüchtlingsarbeit und zeigen anhand konkreter Beispiele, wie diese in die Praxis übertragen werden können.

Sie setzen Impulse.

Sie inspirieren.

Und sie ermutigen die BetrachterInnen zur gemeinsamen Reflexion.

Die Poster (be-)handeln ...

Konfliktsensitive Flüchtlingsarbeit
... von (un-) bewusstem Handeln und seinen Folgen

Konflikte als Chance verstehen
... vom gelingenden und gewaltfreien Umgang mit Konflikten

Dialog auf Augenhöhe
... von der Herausforderung gleichberechtigter Begegnung

Gewaltfreie Kommunikation
... von der Wolfssprache zur Sprache des Herzens

Traumasensibilität
... von Traumata und Möglichkeiten der Begleitung

Ressourcenarbeit
... von persönlichen Grenzen und individuellen Kraftquellen

Flüchtlingsarbeit als Friedensarbeit
... vom Engagement für ein friedliches Zusammenleben

Die Poster können vielfältig eingesetzt werden; sei es im kleinen Rahmen wie im Unterstützendenkreis, in der direkten Arbeit mit Geflüchteten im Team von z.B. Sozialarbeitenden oder als Ausstellung mit Begleitprogramm. Als Lernposter konzipiert, ist der Textanteil recht hoch. Daher empfehlen wir für das Betrachten, Lesen und Austauschen ausreichend Zeit einzuplanen.

Sie wünschen sich Unterstützung bei der Erarbeitung und Umsetzung Ihrer Ideen? Wir unterstützen Sie gerne! Kontaktieren sie uns gerne per Email, Dagmar Nolden, Projektmanagerin Friedenspädagogik & Globales Lernen, d.nolden[at]berghof-foundation[dot]org, oder telefonisch +49 (0)707192051-17.

Bei Interesse kann die Posterreihe über den Shop der Berghof Foundation bestellt werden.