#vrschwrng - Ein interaktives Toolkit gegen Verschwörungstheorien

Durch das Internet und soziale Medien haben insbesondere politische Verschwörungstheorien, „Alternative Fakten“ und Desinformation in den vergangenen Jahren stark an Sichtbarkeit gewonnen. Extremistische und populistische Kräfte nutzen verschwörungstheoretische Narrative, um Gesellschaften weiter zu polarisieren, Spannungen zu erzeugen und Teilöffentlichkeiten zu kreieren. Verschwörungstheorien (VT) bieten für unsere globalisierte, komplexe Welt und den tiefgreifenden Veränderungen einfache Erklärungen und teilen die Welt in ein einfaches Gut und Böse. Durch die Identifikation vermeintlich „Schuldiger“ können extremistische Einstellungen gefördert und Menschen radikalisiert werden. Sie fördern die Erosion des Vertrauens in unsere Demokratie sowie ihren Institutionen, Einrichtungen und Medien. Wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass die Empfänglichkeit für Verschwörungstheorien unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildungsgrad ist und VT und Desinformation dabei eine identitätsbildende Wirkung entfalten.

Das Modellprojekt „#vrschwrng - Ein interaktives Toolkit gegen Verschwörungstheorien“ zielt darauf ab, Jugendlichen einen Raum zu bieten, um sich kritisch mit Verschwörungstheorien, den zugrundeliegenden Narrativen sowie entsprechenden Einstellungsmustern auseinanderzusetzen.  Durch die unterschiedlichen Module wird das sozio-emotionale Lernen angeregt, die Konfliktfähigkeit sowie die Ambiguitätstoleranz der Jugendlichen gestärkt.

Ein dialogorientierter, partizipativer Prozess in Form eines Peergroup-Ansatzes bei der Entwicklung von Lernmedien stärkt das Wissen und das Reflexionsvermögen nicht nur der direkt an den Prozessen beteiligten Jugendlichen. Es gewährleistet darüber hinaus eine adäquate Zielgruppenansprache: Lernmaterialien werden nicht nur für die Zielgruppe entwickelt, sondern gemeinsam mit ihr.      

Hintergrund

Verschwörungstheorien greifen Gefühle von Unsicherheit und Ohnmacht auf und fördern die Erosion des Vertrauens in unsere Demokratie, Institutionen und Medien. Indem sie Orientierung anbieten, verfügen sie über ein Identifikationspotential und stellen deshalb in der für die Identitätsbildung sensiblen Phase der Jugend eine besondere Gefahr dar. Ein Debunking von Verschwörungstheorien hat sich als außerordentlich schwierig herausgestellt, weshalb Prävention entscheidend ist.

Um Jugendliche gegenüber der Wirkung solcher narrativen sowie empathisch-persuasiven Inhalten unempfänglich zu machen, ist nicht nur die Wissensvermittlung über einzelne extremistische Strömungen und deren verschwörungstheoretische Einstellungsmuster wichtig, vielmehr erfordert es eine phänomenübergreifende Herangehensweise, mit einem Fokus auf die sozio-emotionale Dimension von Verschwörungstheorien.

Ansatz

Das Modellprojekt „#vrschwrng – Ein interaktives Toolkit gegen Verschwörungstheorien“ stärkt Jugendliche im Umgang mit Verschwörungstheorien, indem (1) Wissen und Kompetenzen für die Identifikation von Verschwörungstheorien und den dahinterstehenden Narrativen vermittelt werden; (2) die Sensibilität für Gefahren erhöht wird, die von Verschwörungstheorien für Gesellschaft, Demokratie und die eigene Lebensgestaltung ausgehen; (3) das Interesse an demokratischer Teilhabe und gelingender Problembewältigung wächst sowie (4) Selbstwirksamkeit durch kreative Medienproduktion erfahrbar wird. Die multimedialen Module des Toolkits schärfen vor allem das kritische Reflexionsvermögen, stärken die Konfliktfähigkeit sowie Ambiguitätstoleranz der Jugendlichen und regen sozio-emotionales Lernen an. Denn nur so kann die Resilienz gegenüber verschwörungstheoretischen Einstellungsmustern und ihren Auswirkungen differenziert und gleichzeitig phänomenübergreifend, also unabhängig aus welcher extremistischen Strömungen kommend, gestärkt werden.

Dabei zielt das Projekt auf drei Lern-Ebenen ab: Es geht um Wissen (kognitive Ebene), Fähigkeiten (sozial-emotionale Ebene) sowie Haltungen und Wertorientierungen (Handlungs- und Verhaltensebene).

Das Projekt beinhaltet eine phänomenübergreifende multimediale Feldbeobachtung und Recherche, die gemeinsam mit Partnerorganisatoren durchgeführt wird. Die Ergebnisse des Monitorings werden entsprechend aufbereitet und didaktisch genutzt.

Auf dieser wissenschaftlich und pädagogisch-didaktisch reflektierten Grundlage werden Themen und deren methodische Umsetzungsformen identifiziert.

Zu diesen Themen gehören:

VT 1: Grundwissen Verschwörungstheorien und Desinformation

VT 2: Narrative (Gefährdungspotenziale)

VT 3: Soziale Medien

VT 4: Folgen und Konflikteskalation (Fallbeispiele)

VT 5: Gesellschaft und Demokratie (Lebensweltbezogene Handlungsansätze)

Das Projekt setzt so unmittelbar an den Bedürfnissen von Jugendlichen als Zielgruppe an, der Suche nach Bewertungsmöglichkeiten von Informationen, nach Werteorientierung und nach Beteiligungsmöglichkeiten und stellt sie in den Mittelpunkt der initiierten und begleiteten Lernprozesse. Durch das offene, dialogorientierte und partizipative Konzept des Projektes ist eine hohe Akzeptanz seitens der beteiligten Jugendlichen gegeben und darauf aufbauend auch bezüglich der gemeinsam erarbeiteten Lernmedien und Lernangebote. Die zentralen Themen des Modellprojektes (siehe Hintergrund) werden als Vorschläge verstanden und können im Prozess mit den Zielgruppen verändert, angepasst oder ersetzt werden. Durch die kreative Auseinandersetzung in Form der Produktion eigener Medieninhalte sowie der Veröffentlichung auf der Projektplattform erfahren die Jugendlichen Selbstwirksamkeit.

Ziele und Ergebnisse

Die Themen werden gemeinsam mit einer interdisziplinären Peer-Gruppe erarbeitet und münden in der Gestaltung von Modulen mit multimedialen und innovativen Lernmaterialien als Bestandteile des Toolkits. Das Toolkit wird auf einer öffentlichen Plattform angeboten werden. Darüber hinaus werden in weiteren Schritten junge Erwachsene als Teamende ausgebildet, sowie Lehrkräfte und Sozialarbeiter*innen als Multiplikator*innen.

Schlüsselakteure

Schlüsselakteure des Projekts sind Jugendliche im Alter zwischen 16 und 20 Jahren aus unterschiedlichen Bildungskontexten sowie eine Peergruppe zur Entwicklung des Toolkits im Alter von 17 bis 24 Jahren.

Im Projekt werden zudem Schulungen für Multiplikator*innen durchgeführt. Multiplikator*innen können dabei Lehrkräfte aus unterschiedlichen Schulgattungen, Sozialarbeitende oder auch pädagogische Mitarbeiter sein. Sie sollen für die Nutzung des Toolkits qualifiziert werden.

Partner

Archiv der Jugendkulturen e.V., Modus – Zentrum für angewandte Deradikalisierungsforschung gGmbH, Servicestelle Friedensbildung Baden-Württemberg, Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Förderer

Das Modellprojekt „#vrschwrng – Ein interaktives Toolkit gegen Verschwörungstheorien“ wird im Zeitraum von Januar 2020 – Dezember 2024 im Rahmen von Demokratie leben! aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.