Im Fokus: Gewaltfreiheit

Der gewaltfreie Einsatz für Menschenrechte und Demokratie ist seit dem Arabischen Frühling 2011 erneut in den Mittelpunkt weltweiten Interesses gerückt. Der Verzicht auf Gewalt erscheint häufig als vielversprechende und zielführende Strategie, um Konflikte sowohl auszutragen als auch zu transformieren.

Gewaltfreiheit ist einerseits eine Philosophie, wonach der Einsatz von Gewalt weder moralisch noch politisch als legitim gilt und als kontraproduktiv angesehen wird. Gleichzeitig ist Gewaltfreiheit eine Handlungsoption, um sozialen Wandel zu erreichen und Widerstand gegen Unterdrückung zum Ausdruck zu bringen.

Wir halten gewaltfreie Strategien in der Konflikttransformation für unverzichtbar. Dies gilt v.a. bei höchst asymmetrischen Machtkonstellationen, wo mithilfe effektiver Strategien erst gleiche Ausgangsbedingungen geschaffen werden müssen, ehe Verhandlungen oder eine Verständigung/Aussöhnung überhaupt möglich sind. Gewaltfreies Handeln dient gerade für unterdrückte Minderheiten und benachteiligte Gruppen der eigenen Mobilisierung und Stärkung, aber auch der Änderung von Beziehungen zu mächtigen Gegnern (politische Machthaber oder Befürworter eines Status Quo). Dabei geht es sowohl um Dialog als auch um Widerstand – Dialog mit den Menschen auf der anderen Seite, um diese zu überzeugen, und Widerstand gegenüber den Strukturen, die einen Wandel verhindern.

Gewaltfreie Bewegungen verfolgen daher die gleichen Ziele wie Peacebuilder und Friedensinitiativen, denn beide setzen sich mit friedlichen Mitteln für sozialen Wandel und mehr Gerechtigkeit ein.

Diese Analyse von Gewaltfreiheit ermöglicht es, Forschung, Praxis und politischen Aktivismus sowie verschiedene Gruppen und Disziplinen (z.B. soziale Bewegungen sowie Akteure und Experten der Bereiche, Konfliktlösung, Sicherheit, Menschenrechte) zusammenzubringen.

Erfolgsbedingungen für gewaltfreie Bewegungen

Entnommen aus: Gewaltfreiheit. Global Lernen. Themenheft 2/2013. Materialien für den Unterricht.

In diesem Web-Seminar thematisiert Véronique Dudouet die Zusammenhänge zwischen zivilem Widerstand, bewaffnetem Aufstand und Konflikttransformation und greift dabei auf die Erkenntnisse des neuen Sammelbands “Civil Resistance and Conflict Transformation. Transitions from Armed to Nonviolent Struggles” (Routledge August 2014) zurück. Einen (konzeptionellen wie empirischen) Schwerpunkt bildet das Phänomen, dass bewaffnete Gruppen ihre Strategien von gewaltsamen auf gewaltfreie Mittel verlagern. Das gilt besonders für Konflikte, die weder gewaltsam entschieden werden können, noch für herkömmliche Methoden der Deeskalation, wie Verhandlungen oder politische Integration, reif erscheinen. Fallbeispiele für verschiedene Szenarien kommen aus Südafrika, Palästina, West-Sahara, West-Papua, Mexiko, Kolumbien, Nepal und Ägypten.

“Dynamics and Factors of Transition from Violence to Nonviolent Resistance.” Webinar > 

Die Arbeit der Berghof Foundation zu Gewaltfreiheit

Die Berghof Foundation blickt auf eine lange Tradition der Förderung von Projekten zu Gewaltfreiheit und gewaltfreier Aktion zurück, insbesondere in Deutschland. Dazu gehören Forschung, Training und pädagogische Ansätze zu folgenden Aspekten von Gewaltfreiheit:

  • Gewaltprävention durch friedliche Aktion (peaceful activism) und Erziehung/Bildung/Lernen
  • Übergänge zwischen gewaltsamem und gewaltfreiem Widerstand
  • Die Rolle friedlicher Mobilisierung und gewaltfreier Begleitung in bewaffneten Konflikten
  • Zusammenspiel zwischen gewaltfreiem Konflikt und Verhandlungen, Demokratisierungsprozessen, Versöhnung
  • Gewaltfreie Erziehung im Rahmen von Lehrplänen (curricula development) an Schulen und Universitäten

Laufende Projekte

  • Förderung gewaltfreier Erziehung in Jordanien Link >
  • Gewaltfreier Widerstand und Demokratische Konsolidierung (folgt in Kürze)

Abgeschlossene Projekte

  • Werte gegen Gewalt Link >
  • "Dealing with the Past for a Nonviolent Future" Link >

Die jüngste Ausschreibung des Berghof Foundation Georg Zundel PhD Stipendiums hatte den Schwerpunkt "Gewaltfreiheit". Eine Doktorandin und ein Doktorand erhielten den Zuschlag für die Laufzeit von 2015-2017.

  • Malaiz Daud: "Violence and Nonviolence: The Dynamic Landscape of Pashtun Resistance." Link>
    Malaiz Daud
    gehört seit Februar 2015 zum Berghof Foundation Team.
  • Monika Onken: "The Paradox of Violence accompanying Nonviolent Movements." Link >
    Monika Onken wird im Mai 2015 zum Berghof Foundation Team stoßen.

Ausgewählte Berghof Veröffentlichungen

  • Uli Jäger / Anne Romund / Hannah Reich. Fostering Civic and Nonviolent Education in Jordan. Manual for Schools, Universities and Teacher Training. 2014. PDF > {auch auf Arabisch >}
  • Anne Romund. Frieden Lernen mit Reportagen. Kapitel: Gewaltfreie Aktionen. 2014. PDF >
  • Gewaltfreiheit. Global Lernen. Themenheft 2/2013. Materialien für den Unterricht. Link >
  • Günther Gugel: Gewaltprävention III. Für den Vorschulbereich und die Arbeit mit Kindern. Grundlagen – Lernfelder – Handlungsmöglichkeiten. 2014. Book >
  • Berghof Glossar: Gewalt & Gewaltfreiheit. 2012. PDF > {auch auf Englisch >}
  • Berghof Glossar: Empowerment. 2012. PDF > {auch auf Englisch >}
  • Véronique Dudouet: Nonviolent Resistance in Power Asymmetries. Handbook Article. 2011. PDF > {auch auf Spanisch >}
  • Nenad Vukosavljevic: Preparing for Nonviolence. Experiences in the Western Balkans. Handbook Article. 2011. PDF > {auch auf B/S/C >}
  • Véronique Dudouet: Transitions from Violence to Peace. Berghof Report No. 15. 2006. PDF >
  • Martina Fischer: Conflict Transformation by Training in Nonviolent Action. Berghof Occasional Paper No. 18. 2001. Hardcopy & PDF > {auch auf Englisch >}

Ausgewählte Publikationen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

  • Véronique Dudouet 2014. “Civil Resistance and Conflict Transformation: Transitions from Armed to Nonviolent Struggle” Routledge. Soon also as Paperback Link >
  • Véronique Dudouet 2013. “Dynamics and Factors of Transition from Armed Struggle to Nonviolent Resistance.” Journal of Peace Research vol. 50 no. 3 (May 2013): 401-413 Link >
  • Nonviolent Civic Action in Support of Human Rights and Democracy. 2009. Directorate-General for External Policies of the Union, EXPO/B/DROI/2008/69. Expert Report by Véronique Dudouet and Howard Clark. Brussels: European Parliament. Link > 
  • “Guide to Civil Resistance: A Bibliography on People Power and Protest since 1945” with contributions by Véronique Dudouet. Link > 

CERCAPAZ - CERCAPAZ (Cooperación entre Estado y Sociedad Civil para el Desarollo de la Paz) ist ein groß angelegtes Friedensförderungsprogramm in Kolumbien, durchgeführt von der GIZ. Von 2011 bis 2014 war für die Berghof Foundation Barbara Unger als Fazilitatorin und Beraterin für CERCAPAZ tätig. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden eine Vielzahl von "lessons learned" Dokumenten, unter anderem:

  • Joerg de Blanc. "Iniciativas con jóvenes en prevención de violencias y Construcción de Paz." 2014. [Spanish.]  PDF >

CNA - Das Centre for Nonviolent Action in Belgrad/Sarajewo war in den letzten zwei Jahrzehnten ein enger Partner der Berghof Foundation in zahlreichen Projekten und Initiativen zu gewaltfreier Konflikttransformation, Training und Friedensförderung. Eine frühe, bahnbrechende Publikation CNAs für die Region war:

  • "Nonviolence? Training Manual for Nonviolent Conflict Transformation. For Work with Adults" CNA. 2000. [Bosnian/Serbian/Croatian; also available in Hungarian, Macedonian and Albanian. Link >

PAX bezeichnet die Partnerschaft zwischen IKV (Interchurch Peace Council) und Pax Christi aus den Niederlanden. Die Organisation ist weltweit aktiv, und seit mehreren Jahren ein Partner der Kaukasus-Arbeit der Berghof Foundation. PAX unterstützt gewaltfreie Aktion in vielerlei Hinsicht, z.B. durch:

  • "The Activist Hive" - eine online und offline Gemeinschaft, deren Ziel es ist, Aktivistinnen und Aktivisten aus Europa, Eurasien, dem Nahen Osten und Afrika zu inspirieren, zu stärken und zu vernetzen. Angeboten werden Lernmaterialien und Möglichkeiten, sich auszutauschen, wie im "Activist Lab" und in der "Activist Academy". Link >

ICNC - Das International Center on Nonviolent Conflict ist ein langjähriger Partner und Ko-Förderer unserer Arbeit zu gewaltfreiem Widerstand und bietet online zahlreiche Lern-, Medien- und Forschungsresourcen an. Als ein Beispiel:

  • "Pressing Your Case: Nonviolent Movements and the Media". An Educational Video Series. Link >