Gewaltloser Widerstand und demokratische Konsolidierung

"Concentración masiva de adherentes a la opción No durante la campaña para el plebiscito de 1988." © Biblioteca del Congreso Nacional. Archivo Alejandro Hales. Chile.

Das Thema „gewaltloser Widerstand“ ist in den letzten Jahren auf reges öffentliches Interesse gestoßen. In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein politischer Wandel durch gewaltlose Strategien erreicht werden kann. Allerdings wurde bislang nicht untersucht, welche  langfristigen Folgen gewaltloser Widerstand auf die Festigung von Demokratie hat. Diese Lücke beabsichtigt dieses Forschungsprojekt, unter Leitung der Universität Duisburg-Essen, zu schließen. In einem Mehrmethodenansatz untersucht das Team der Universität Duisburg mithilfe quantitativer Forschung, ob die Art des Widerstandes (bewaffnet oder gewaltlos) Auswirkungen auf die Qualität von Demokratie nach Konflikten hat. Dazu werden beide Forschungsteams insgesamt sechs qualitative Fallstudien auf dem afrikanischen Kontinent und in Lateinamerika durchführen.  Dabei geht es v.a. um die Kausalzusammenhänge, warum sich gewaltloser Widerstand auch noch über ein Jahrzehnt später auf eine demokratische Konsolidierung auswirkt. Zum Vergleich werden dazu Fälle betrachtet, in denen der Übergang in eine Demokratie durch Gewalt oder die Entscheidung Eliten herbeigeführt wurde.

Das Projekt soll zu einer Theorie des Widerstands und des politischen Wandels beitragen. Auf Grund des gestiegenen Interesses an gewaltlosem Widerstand im Zuge des „Arabischen Frühlings“ ist es darüber hinaus politisch besonders relevant.

Laufzeit

Juni 2016 bis März 2018

Konfliktlage

Der Übergang zur Demokratie bedeutet große Veränderungen für eine Gesellschaft. Allerdings kann die Art des Wandels — verursacht durch gewaltsamen, oder gewaltlosen Widerstand, bzw. durch Eliten gesteuert — das Tempo und die Qualität der demokratischen Konsolidierung beeinflussen. Andererseits ist je nach Art des Übergangs zur Demokratie das Risiko unterschiedlich hoch, dass es zu  einem Rückfall zu exklusiven (undemokratischen) Regierungsformen oder gar zu bewaffneten Konflikten kommen könnte.

Demzufolge soll das Projekt aus der Perspektive der Friedenskonsolidierung  analysieren, ob und wie gewaltlose  Widerstandsbewegungen zu demokratischen und friedlichen Gesellschaften beitragen. 

Ansatz

Das Projekt bringt interdisziplinäre Erkenntnisse aus der Fachliteratur zu demokratischen Transitionen/ Konsolidierung, sozialen Bewegungen, gewaltlosem Widerstand und bewaffnetem Konflikt zusammen. Des Weitern verbindet es quantitative und qualitative Methoden um die komplexen Beziehungen zwischen gewaltlosen Widerstand und demokratischen Konsolidierung zu prüfen.

Ziele und Ergebnisse

Unsere Forschung befasst sich mit drei komplementäre Zielen: Erstens versuchen wir zu beurteilen, ob demokratische Übergänge, die aus einer gewaltlosen "Revolution" entstanden sind, eine längere Beständigkeit haben, als diejenigen, die durch gewaltsame Konflikte oder von Eliten gesteuerte Übergänge geprägt sind. Zweitens wollen wir untersuchen, welche Auswirkungen gewaltloser Widerstand, als treibende Kraft hinter politischen Transitionen, auf die verschiedenen Bereiche von Demokratie hat. Drittens wollen wir die sozialen Mechanismen erforschen, die die Qualität von Demokratien beeinflussen, welche die Transitionsphase bereits durchlaufen haben.

Die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Komponenten der Forschung werden in Buchform und als wissenschaftliche Artikel veröffentlicht;  sie werden auch in Politik-Empfehlungen  einfließen sowie in Trainings für Aktivisten gewaltlosen Widerstands, nichtstaatliche bewaffnete Gruppen und (zwischen)staatliche Behörden. 

Regionen

Das Team der Berghof Foundation wird drei literaturbasierte Fallstudien zu El-Salvador, Chile und Paraguay erstellen, welche durch Information von lokalen Forschern ergänzt werden. Die Projektleiter der Universität Duisburg-Essen werden umfangreiche Feldforschung in Namibia, Benin und Kap Verde durchführen.

Partner

Universität Duisburg-Essen, Fachgebiet Internationale Beziehungen und Entwicklungspolitik, Institut für Politikwissenschaft (IfP)

Kontakt: Dr. Daniel Lambach

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Bayer, Markus; Felix S. Bethke & Daniel Lambach (2016) The Democratic Dividend of Nonviolent Resistance. Journal of Peace Research, 53, 758–771, download >

Bayer, Markus; Bethke, Felix S.; Lambach, Daniel (2015). Von der Revolution zur stabilen Demokratie: Ein Plädoyer für zivile Demokratieförderung. In: Kursawe, Janet et al. (ed.). Friedensgutachten 2015. Münster. P. 112-123.

Dudouet, Véronique (2011). Nonviolent Resistance in Power Asymmetries. In: B. Austin/M. Fischer/H. J.  Giessmann (eds..): Advancing Conflict Transformation. The Berghof Handbook II. Opladen/Framington Hills: 237–264. Available at: www.berghof-foundation.org/fileadmin/redaktion/Publications/Handbook/Articles/dudouet_handbook.pdf

Dudouet, Véronique (2013). Conflict Transformation through Nonviolent Resistance”, in: Tom Hastings, Emiko Noma, Rhea DuMont (eds.), Conflict Transformation: Essays on Methods of Nonviolence. McFarland & Company Publishers, Jefferson (NC), 2013, 9-33.

Dudouet, Véronique (ed.) (2014). Civil Resistance and Conflict Transformation: Transitions from Armed to Nonviolent Struggle. Abindon: Routledge.