Salafistisch-jihadistische Gruppen: (De)eskalationsdynamiken und Dialogoptionen

Ziel des Projektes ist es, Wissen über die Muster, kritischen Punkte und Faktoren der Konflikt(de-)eskalation von salafistisch-jihadistischen Gruppierungen zu generieren. Geleichzeitig gilt es herauszuarbeiten, welche Rolle 'Soft Power' Dialoge von Drittparteien (wie lokale "Brückenbauer", humanitäre Akteure oder internationale Vermittler) mit den Führern, Mitgliedern oder Proxies dieser Gruppierungen spielen können, um Gewalt zu reduzieren oder Impulse für einen Friedensprozess zu schaffen. Wir werden daher umfassende Forschung zu drei aktiven salafistisch-jihadistischen Gruppierungen in Mali, Somalia und Syrien durchführen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Faktoren, die ihre ideologischen, organisatorischen und verhaltensbezogenen (De-)eskalationspfade beeinflussen, mit einem besonderen Augenmerk auf die Bedeutung von Drittparteien.

Zeitrahmen

November 2017 – April 2019

Nach Angaben des Uppsala Conflict Data Programme lassen sich 25 von 45 der 2015 an innerstaatlichen gewaltsamen Konflikten beteiligten bewaffneten Gruppierungen dem IS, Al Qaida oder verbündeten Gruppen zuordnen. Diese waren somit für mehr als die Hälfte aller Todesopfer organisierter Gewalt verantwortlich. Charakteristisch für diese Gruppen sind ihre radikale religiöse Ideologie, verwurzelt in salafistischem Islamismus. Versuche, solche terroristischen gewaltsamen Bewegungen militärisch zu zerschlagen, haben sich bisher als weitgehend untauglich erwiesen, was westliche Regierungen antreibt alternative Optionen zum "Krieg gegen den Terrorismus" zu erkunden. Dazu gehören insbesondere Ansätze, die eine Radikalisierung zu gewalttätigem Extremismus verhindern oder ehemalige Jihadisten rehabilitieren sollen. Allerdings mangelt es an Forschungsergebnissen und einer Debatte zu politischen Optionen für den Umgang mit (bereits/noch) radikalisierten Gruppen, insbesondere in Bezug darauf, wie Drittparteien mit diesen kommunizieren oder verhandeln können bzw. sollen.

Themen

Die Literatur über Dialoge und Verhandlungen mit nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen identifiziert Schlüsselfaktoren, die für ein effektives Engagement von Drittparteien ausschlaggebend sind. Dazu gehören bspw. die Art der politischen Forderungen derartiger Gruppierungen, Pragmatismus und ihre interne Führung, der Grad der gesellschaftlichen Akzeptanz oder ihre selbstbegrenzte Anwendung von Gewalt. Auf den ersten Blick scheinen diese auf salafistisch-jihadistische Gruppierungen nicht zuzutreffen, da diese meistens maximale und nicht verhandelbare Ziele verfolgen, seitens der von ihnen kontrollierten Bevölkerungsgruppen als räuberische oder despotische Herrscher angesehen werden, rücksichtslos Gewalt anwenden und wenig Interesse an guter Regierungsführung oder gar an internationaler Legitimität haben. Bislang gab es jedoch nur wenige Versuche, solche Annahmen durch umfassende Forschung zu überprüfen.

Ansatz

Anhand von drei Fallstudien in Syrien, Somalia und Mali werden wir eine umfassende Analyse der verhaltensbezogenen, ideologischen und organisatorischen (De-)Eskalationsdynamiken von salafistisch-jihadistischen Gruppierungen durchführen. Durch Mapping und Analyse früherer Versuche, mit diesen Akteuren einen humanitären oder politischen Dialog zu führen, werden wir Faktoren suchen, die potenzielle zukünftige Dialogversuche unterstützen, behindern oder deren wahrscheinliche Auswirkungen beeinflussen können. Dabei geht es v.a. um die Auswirkungen auf das Verhalten, die Ideologie und die organisatorische Dynamik der Gruppe. Methodisch werden wir Prozessanalyse – um die vergangenen Entwicklungspfade und die kritischen Momente nachzuzeichnen – und Scenariobuilding – um zukünftige ‚Windows of Opportunity‘ für De-eskalation und Engagement erkennbar zu machen – verwenden.

Ziele & Ergebnisse

Das Ziel des Projektes ist es empirische Daten aufzudecken und neue Optionen und Einstiegspunkte für direkte oder indirekte Kommunikation mit salafistisch-jihadistischen Gruppierungen zu identifizieren, die Praktikern und politischen Entscheidungsträgern als Orientierungshilfe dienen können. Das Projekt ist zugleich ein Beitrag zur aufkommenden Debatte in Forschung und Praxis über die Möglichkeiten von Soft-Power-Ansätzen zur Transformation von gewalttätigem Extremismus.

Regionen

Der empirische Teil der Forschung wird sich mit drei Fallstudien in Somalia, Mali und Syrien befassen.

Das Projekt wird durch die Deutsche Stiftung Friedensforschung gefördert.

Erstes Treffen des Advisory Board

Bei seinem ersten Treffen am 19. Januar 2018 in Berlin befasste sich der Beirat v.a. mit dem Forschungsrahmen des Projekts. Das Advisory Board besteht aus externen und internen Fachleuten sowie Regionalexperten.