Versöhnung und Mediationsunterstützung in Somalia

Das Projekt zielt darauf ab, die Bürger des Bundesstaates Hirshabelle darin zu unterstützen, konstruktive Beziehungen miteinander wiederherzustellen. Wir möchten das vorhandene Wissen und die Erfahrungen der Gemeinschaften nutzen und mit praktischen Fähigkeiten in Mediation und Dialogfazilitierung ergänzen. Hierfür sind Trainings und gemeinsame Lernveranstaltungen mit wichtigen Stakeholdern und ausgewählten Multiplikatoren geplant. Dabei legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf die Förderung konzeptioneller Expertise und praktischer Fähigkeiten um die Menschen darin zu unterstützen Vermittlungs- und Versöhnungsarbeit in ihren Gemeinschaften voranzutreiben.

Während der zweijährigen Projektphase wird ein informelles Netzwerk aus Dialogfazilitatoren und Mediatorinnen etabliert, innerhalb dessen Informations- und Erfahrungsaustausch angeregt wird. Diese ausgebildeten Mediatoren fazilitieren anschließend eine Reihe von Shirarka im Bundesstaat Hirshabelle. Durch diese siebentägige Form des traditionellen somalischen Dialogs können Teilnehmende potentielle Vermittlungs- und Versöhnungsansätze sowie ihre Perspektive des Staatsbildungsprozesses diskutieren. Wie im vorherigen Projekt der Berghof Foundation in Somalia, werden die wesentlichen Elemente für die Konzeptionalisierung neuer Vermittlungs- und Versöhnungsansätze durch diese gesamtgesellschaftlichen Shirarka entwickelt.

Dieser komplementäre bottom-up-Ansatz für Vermittlung und Versöhnung bietet eine gute Gelegenheit den weiteren konstitutionellen Staatsbildungsprozess in Hirshabelle zu stärken. Auf Grundlage der gesammelten Informationen und Erfahrungen aus dem Projekt bietet die Berghof Foundation Beratung für die lokalen, regionalen und föderalen Autoritäten hinsichtlich Vermittlungs- und Versöhnungsinitiativen und Strategien an. Die Ergebnisse dieser Aktivitäten werden mit relevanten Stakeholdern und verschiedenen internationalen Akteuren und Gebern geteilt.

Laufzeit

2017-2019

Seit dem Staatszerfall im Jahr 1991 hat Somalia eine lange Phase des Bürgerkrieges und der staatlichen Fragilität erlebt. Über die Jahre wurden zwar verschiedene international organisierte Friedensprozesse initiiert, von denen einige in politischen Vereinbarungen resultierten. Die zentralen, den Konflikten zugrundeliegenden Streitigkeiten zwischen Personen, Gemeinschaften und Klans wurden dabei jedoch nicht ausreichend aufgegriffen. Außerdem ließen die Verhandlungen denen Warlords, ehemalige Angehörige der Siad Barre Regierung und Diaspora-Eliten angehörten keine nachhaltige Strategie erkennen: Anstatt Streitschlichtung und Versöhnung zwischen Klans und Unter-Klans zu unterstützen, wurden Zeitpläne und Machtteilungskonstellationen für neue Regierungsstrukturen ausgehandelt.

Die somalische Versöhnungskonferenz von 2002-2004 mündete in einer Übergangscharta, die den Aufbau eines föderalen Staates in Somalia vorgibt und bis heute die Grundlage der Regierungsstruktur in Somalia bildet. Im August 2012 endete die achtjährige Übergangsregierung mit der Annahme der ‚Provisional Constitution‘ (PC) und der darauffolgenden Bildung einer neuen Föderalregierung. Obwohl die PC den Aufbau eines föderalen Regierungssystems mandatiert, bleibt das Dokument an wichtigen Stellen vage. Neben vielen Wiedersprüchen und Unklarheiten, werden außerdem entscheidende Elemente, für die erfolgreiche Implementierung von Föderalismus, nicht definiert. Die PC sieht den Zusammenschluss von mindestens zwei Regionen zu einem föderalen Bundesstaat auf Grundlage einer freiwilligen Entscheidung (Artikel 49 (6)). Die Regierung hat wiederum anerkannt das der Aufbau föderaler Strukturen vor allem basierend auf Klan Interessen und Elitenkonsens erfolgt. Der Großteil der Bevölkerung wurde nicht mit einbezogen: Weder lokale Klans und/oder religiöse Führer noch lokale Verwaltungen in den Distrikten wurden konsultiert. Die Folge ist, dass in allen Fällen der jüngsten Entstehung von föderalen Bundesstaaten Konflikte ausgebrochen sind, da einige sub-Klans und/oder zivilgesellschaftliche Akteure auf der grassroots Ebene nicht in die Verhandlungen einbezogen wurden.

Dieser top-down-Ansatz, mit dem der Föderalisierungsprozess durchgeführt wurde, hat somit zu spezifischen neuen Konflikten geführt. Gleichzeitig bestehen, angesichts massiven Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkriegs und der fehlenden Aufarbeitung, weiterhin verschiedene historisch gewachsene Konflikte. Es bedarf daher dringend an Vermittlungsarbeit und Initiativen zur Vergangenheitsarbeit um den sozialen Zusammenhalt in Somalia zu stärken und eine angemessene Partizipation in Regierungsprozessen zu sichern. Nur so kann sich letztendlich eine legitime Regierung auf allen Ebenen etablieren.



Bei diesem Projekt arbeiten wir mit zwei Universitäten in Somalia zusammen: der Jobkey University in Jowhar und der Hiiran University in Beledweyne. Dabei wird das Projekt von der somalischen Föderalregierung unterstützt.

Das Projekt wird mit Mitteln des Auswärtigen Amts gefördert.

Oktober 2017: Feldforschung in Hirshabelle abgeschlossen

Das somalische Projektteam führte im September 2017 eine Feldforschung im Bundesstaat Hirshabelle durch, um mehr über die Erfahrungen und Bedürfnisse der Bevölkerung vor Ort im Hinblick auf Versöhnungs- und Vermittlungsarbeit zu erfahren. Dies ist eine Voraussetzung, um Chancen und Herausforderungen hinsichtlich einer Wiederherstellung konstruktiver Beziehungen besser einzuschätzen. Außerdem sollte ein Überblick über die komplexe Akteurskonstellation in Hirshabelle gewonnen werden. Die Datensammlung folgt einem partizipatorischen Ansatz. Durch Experteninterviews und Fokus-Gruppen-Gespräche mit unterschiedlichen Akteuren (z.B. Frauen, traditionellen und religiösen Führern, Mitgliedern zivilgesellschaftlicher Organisationen, Jugendlichen, Künstlern und Fachleuten aus Regierung, Medien und Wissenschaft) konnten über 250 Personen erreicht werden. Die Forschungskomponente generiert die nötige Wissensbasis, auf deren Grundlage mit den somalischen Partnern ein Ansatz für Mediationsunterstützung auf lokaler Ebene für eine Aussöhnung in Hirshabelle konzipiert wird.

Juli 2017: kick-off Workshop und Runder Tisch mit Regierungsorganisationen in Nairobi

Ziel des Workshops war es, den Projektansatz, die Methodologie sowie die detaillierten Projektaktivitäten mit den Projektbeteiligten zu diskutieren. Im Anschluss an den Workshop veranstalteten wir einen Runden Tisch mit Nichtregierungsorganisationen und anderen, in Somalia aktiven, internationalen Akteuren. Dabei konnten wir die Ergebnisse des Vorgänger-Projektes präsentieren, das neue Projekt diskutieren und einen Gedanken- und Informationsaustausch zu den Themen Versöhnung und Konflikttransformation in Somalia stimulieren.