Gesamtgesellschaftliche Konfliktprävention und Friedensförderung (WOSCAP)

Maßnahmen zur internationalen Friedenskonsolidierung stehen vor einer doppelten Herausforderung: einerseits sollen sie die Bemühungen zahlreicher nationaler, regionaler und internationaler Akteure koordinieren und andererseits die Rolle und Eigenverantwortung der betroffenen Bevölkerung sicherstellen. Gemeinsam mit anderen Organisationen untersuchen wir in diesem gemeinsamen Forschungsprojekt, wie die Fähigkeiten der Europäischen Union (EU) entsprechend verbessert werden können. Dazu werden Maßnahmen der EU in den Bereichen politischer Dialog, Mediation und Reformen im Regierungswesen (governance reform) in vier konfliktbetroffenen Ländern evaluiert: Georgien, Ukraine, Mali und Jemen. Dabei stehen Erkenntnisse hinsichtlich vier zentraler Grundsätze der EU zu friedensfördernden Maßnahmen im Mittelpunkt: Lokale Eigenverantwortlichkeit (local ownership), Inklusion und Gleichberechtigung (gender inclusion), Kohärenz hinsichtlich der verschiedenen Interessengruppen (multi-stakeholder coherence) und Anwendungsbereiche von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).

Das Projekt wird aus Mitteln des EU-Förderprogramms Horizon 2020 finanziert. Das Projektkonsortium besteht aus zehn Partnern und vier assoziierten Organisationen aus Europa sowie den Ländern der vier Fallstudien. Die Berghof Foundation ist  dabei vor allem für die Forschung zu umfassenden diplomatischen Initiativen (multi-track diplomacy) und Maßnahmen zu Regierungs- und Verwaltungsreformen (governance reform interventions) verantwortlich.

Ziel des Projekts ist es, die Problemstellungen externer Interventionen zu thematisieren und handlungsorientierte Optionen aufzuzeigen, wie die Fähigkeiten der EU im Bereich Friedenskonsolidierung verbessert werden und die verschiedenen Ansätze auf unterschiedlichen Ebenen integriert werden können (bottom-up und top-down).

Laufzeit

Juni 2015 - November 2017

Projekt-Webseite

WOSCAP

Fragen zu Konflikt und Fragilität werden die EU und ihre Mitgliedstaaten auch in den kommenden Jahren beschäftigen. Die Suche nach gemeinsamen Antworten der EU, wie auf regionale und globale Konflikte zu reagieren ist, wird deshalb, aller Wahrscheinlichkeit nach, weit oben auf  der politischen Agenda Europas bleiben.

Angesichts dieser Herausforderungen hat die EU mit dem Vertrag von Lissabon (2009) ihre institutionellen Kapazitäten in der Friedensförderung und die ihr zur Verfügung stehenden politischen Möglichkeiten in diesem Bereich ausgeweitet. Dennoch verlaufen die Harmonisierung der europäischen Außenpolitik und die Positionierung der EU als globaler, friedensfördernder Akteur nicht ohne Schwierigkeiten. Um einen sinnvollen Beitrag zu Frieden und Stabilität - lokal wie international - leisten zu können, erscheint es daher notwendig, die entsprechenden Fähigkeiten der EU zu verbessern.

Ansatz

Ziel des Projekts ist es, die Kapazitäten und angewandten Standards der EU zur Friedensförderung zu untersuchen, indem es Erfahrungswerte aus Georgien, der Ukraine, Jemen und Mali sammelt, analysiert und veröffentlicht. Dabei werden abgeschlossene und laufende Maßnahmen besonders im Hinblick auf drei Kernbereiche analysiert: Multi-Track-Diplomatie, Reform des Sicherheitssektors (einschließlich der zivil-militärischen Zusammenarbeit) und Governance-Reform.

Der gesamtgesellschaftliche Ansatz des Projekts ist mit Bedacht so angelegt, dass eine Reihe nicht-staatlicher Akteure aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft in die Forschung und Veröffentlichungsphasen des Projekts eingebunden sind.

Uns liegt daran, keine vorgefertigten Modelle als Patentlösungen zu präsentieren. Vielmehr  wollen wir in unseren Empfehlungen auf grundlegende Prinzipien, Prozesse und Instrumente friedensbildender Maßnahmen eingehen. Die Berücksichtigung kontextspezifischer Bedingungen ist dabei unumgänglich. 

Ziele und Ergebnisse

Die Querschnittsthemen des Projektes sind lokale Eigenverantwortung, Gender, Multi-Stakeholder-Kohärenz und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Die Projektpartner richten dazu eine Plattform für handlungsorientierten Wissensaustausch ein, um sich über die Schlussfolgerungen auszutauschen, die sich hinsichtlich dieser vier Querschnittsthemen ziehen lassen. Darüber hinaus wird das Projekt Empfehlungen erarbeiten, die veröffentlicht bzw. direkt an Entscheidungsträger und andere relevante Akteure  weitergegeben werden, wie etwa europäische und nationale politische Entscheidungsträger, zivilgesellschaftliche Organisationen, wissenschaftliche Experten sowie die Empfänger von EU-Maßnahmen vor Ort. 

Durch diese Politikberatung, insbesondere mit Blick auf das Potential von IKT in diesem Bereich, soll das Projekt innovativ zur Friedensförderung der EU beizutragen.

Regionen

Die Fallstudien für das WOSCAP-Projekt sind zu Georgien, Mali, der Ukraine und Jemen.

Konsortium

  • Global Partnership for the Prevention of Armed Conflict (GPPAC, Niederlande)
  • ESSEC Institute for Research and Education on Negotiation (ESSRC-IRENE, Frankreich
  • Institute of World Policy (IWP, Ukraine)
  • Ivane Javakhishvvili Tbilisi State University (Georgien)
  • London School of Economics and Political Science (LSE, UK)
  • Political Development Forum (PDF, Jemen)
  • Escola de Cultura de Pau, Universitat Autonoma de Barcelona (ECP, Spanien)
  • University of Law and Political Sciences of Bamako (USJPB, Mali)
  • University of Utrecht (Niederlande)

Assoziierte

  • Build Up (UK)
  • Association of Middle Eastern Studies (AMES, Ukraine)
  • International Center on Conflict and Negotiation (ICCN, Georgien)
  • Human Rights Information and Training Centre (HRITC, Jemen)
  • West Africa Network for Peacebuilding (WANEP, Ghana & Mali)

Förderung

Das Projekt wird von der Europäischen Kommission durch das  EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizon 2020 finanziert, gemäß Fördervereinbarung Nr. 653866 .

März 2016: Thematische Studien (Scoping studies)  veröffentlicht

Die Partner des Projekts Gesamtgesellschaftliche Konfliktprävention und Friedensförderung (WOSCAP) haben sieben thematische Studien veröffentlicht. Diese Hintergrundpapiere bieten eine aktuellen Überblick über die Fähigkeiten und Erfahrungen der EU im Feld der Friedenskonsolidierung. Die Analysen konzentrieren sich auf die drei Themencluster des Projektes: Multi-Track-Diplomatie, Reform des Sicherheitssektors  und Governance-Reform. Ferner wurden die vier Querschnittsthemen des Projektes untersucht: lokale Eigenverantwortung, Gender, Multi-Stakeholder-Kohärenz und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Die zentralen Erkenntnisse dieser Hintergrundstudien halfen beim Erstellen des Forschungsrahmens des Projektes, der zurzeit als Ausgangspunkt für die Feldstudien in den Fallstudienländern (Mali, Yemen, Georgien, Ukraine) des Projektes genutzt wird.

Alle Studien und das Papier zum Forschungsrahmen sind hier verfügbar:

WOSCAP Veröffentlichungen >

Die Papiere zu Multi-Track Diplomatie und Governance-Reform, die von der Berghof Foundation verfasst wurden, können auch hier abgerufen werden:

Scoping Study: Multitrack Diplomacy >

Scoping Study: Governance >

Stina Lundström & Matteo Dressler: Assessing EU Support to Governance Reform. 2016. Whole of Society Conflict Prevention and Peacebuilding Project. Scoping Study.

Véronique Dudouet & Matteo Dressler: From Power Mediation to Dialogue Facilitation: Assessing the European Union’s Approach to Multi- Track Diplomacy. 2016. Whole of Society Conflict Prevention and Peacebuilding Project. Scoping Study. 

Anna Bernhard: Dynamics of Relations between different Actors when Building Peace The Role of Hybridity and Culture. 2013. Report.

Véronique Dudouet & Howard Clark: Nonviolent Civic Action in Support of Human Rights and Democracy. Directorate-General for External Policies of the Union, EXPO/B/DROI/2008/69. 2009. Brussels: European Parliament.

Janel B. Galvanek: Translating Peacebuilding Rationalities into Practice Local Agency and Everyday Resistance. 2013. Report.

Hans J. Giessmann, Janel B. Galvanek & Mir Mubashir: Norms of Premises of Peace Governance—Socio-Cultural Commonalities and Differences in Europe and India.  2012. Berghof Occasional Paper No. 32.