MAPA - Psychosozialer Umgang mit Bedrohungen bei Menschenrechtsorganisationen

Wie gehen die Mitarbeitenden von Menschenrechtsorganisationen (MRO) in Kontexten von Gewalt mit den Folgen ihrer andauernden Bedrohungssituation um? Was können Organisationen tun, um nicht nur die physische Unversehrtheit der Mitarbeitenden, sondern auch das psychische Wohlergehen ihrer Teams zu erhalten und ihre Arbeit auch in schwierigen Situationen fortzuführen?

Im Mittelpunkt des Projekts "Strengthening Human Rights organisations for conflict transformation: psychosocial support for increasing their resilience in violent contexts", oder kurz: MAPA (Manejo Psicosocial de Amenaza/Umgang mit Bedrohung auf psychosozialer Ebene) steht ein Austausch zwischen MRO aus drei Ländern. Er soll dazu beitragen, dass Organisationen den Umgang mit psychosozialen Auswirkungen von Bedrohung in ihr Denken und Handeln integrieren. Dies soll MRO darin unterstützen, trotz der fortbestehenden Risiken und Bedrohungen weiterarbeiten zu können.

In drei Workshops tauschen sich 18 Teilnehmende aus Honduras, Kolumbien und Mexiko über Fortschritte und Hindernisse bei der Integrierung psychosozialer Aspekte in den Umgang ihrer jeweiligen Organisationen mit Bedrohung aus. Die Erkenntnisse aus diesem Prozess werden innerhalb zweier Workshops in Berlin mit deutschen Geberorganisationen geteilt. In diesem Rahmen wird diskutiert, welche Rolle Geber bei der Unterstützung eines integralen Umgangs mit Bedrohung innerhalb von Partnerorganisationen spielen können.

Laufzeit

Juni - Dezember 2016

Konfliktlage

Die Arbeit von Menschenrechtsorganisationen leistet einen wichtigen Beitrag zu Konflikttransformation, da sie die strukturellen Bedingungen anprangert, die sozio-politische Gewalt verursachen und oftmals Konflikte aufrechterhalten.

Die Situation von Menschenrechtsorganisationen und -verteidigerInnen (MRO/MRV) ist in vielen Ländern mit hohen Gewaltraten sehr volatil. Mit welchen Herausforderungen MRO auf systematischer Ebene konfrontiert sind, zeigt sich besonders deutlich in Ländern wie Mexiko, Kolumbien und Honduras. Über politisch motivierte Gewalt hinaus wird die Sicherheitssituation vor allem in Mexiko und Honduras, aber auch in Kolumbien, stark von bewaffneter sozialer Gewalt geprägt. Durch organisiertes Verbrechen, kriminelle Banden oder paramilitärische Gruppierungen sind Opferzahlen, Menschenrechtsverletzungen und Unsicherheit in den Ländern teilweise höher als zu Kriegszeiten. Bemühungen zur Friedensentwicklung werden durch diese Form der Gewalt weiter erschwert.
Die Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC wird, sollte das geplante Referendum zum Resultat der Verhandlungen positiv ausfallen, ein wichtiger Schritt sein, die über 50 Jahre anhaltende bewaffnete Auseinandersetzung in Kolumbien zu beenden. Dennoch ist damit zu rechnen, dass die Situation dortiger Menschenrechtsorganisationen weiterhin schwierig bleibt. Das Ausmaß sozialer Gewalt durch die mächtigen Drogenkartelle oder kriminelle Banden und die damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen werden trotz Friedensschluss bestehen bleiben und aufgrund von Revierkämpfen um das Machtvakuum, das die FARC hinterlässt, eher steigen.

In Mexiko und Honduras kommt zu einem hohen Maß an sozialer Gewalt ein vergleichsweise schwaches rechtsstaatliches System. Die Verquickung politischer Akteure mit dem organisierten Verbrechen und die Gewalt in Verbindung mit der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen rund um Megaprojekte werden hier von Menschenrechtsorganisationen immer schärfer angeprangert.

Ziele und Herangehensweise

Ausgangspunkt dieses Projekts ist, dass MRV und ihre Organisationen widerstandsfähiger gegenüber Angriffen werden, wenn sie das nötige Bewusstsein und die Fähigkeiten besitzen, um diesen Herausforderungen effektiv begegnen zu können, sowie institutionell entsprechend aufgestellt sind.

Der psychosoziale Ansatz dieses Projekts baut auf dem Verständnis auf, dass Gewalt oder die Androhung dieser auf verschiedenen Ebenen wirkt (Individuum, Familie, Gemeinde, Gesellschaft). Bemühungen zur Stärkung der Resilienz von Menschenrechtsorganisationen dürfen sich aus dieser Sichtweise daher nicht nur auf die Stärkung einzelner Mitarbeitenden konzentrieren, sondern müssen auch auf der Team- und Organisationsebene ansetzen und die familiäre und gesellschaftliche Ebene mitdenken.

Dieses Projekt arbeitet auf zwei Ebenen. Zum einen sollen VertreterInnen von neun MRO der drei Fokusländer für die psychosozialen Auswirkungen von Bedrohung sensibilisiert werden und in direktem Austausch miteinander Pläne für die Integrierung eines psychosozialen Ansatzes in ihre Organisationen entwickeln. Erfahrungen mit der Umsetzung und den Anpassungen der Pläne sind hierbei Teil des gemeinsamen Lernprozesses. Zum anderen wird das Thema der psychosozialen Belastung Fokus eines Austauschs mit und zwischen Geberorganisationen sein. Hier soll der Raum geboten werden, auf Basis der Erfahrungen der MRO Möglichkeiten der gezielteren Unterstützung lokaler Partner zu identifizieren und zu diskutieren, und Optionen für die Integrierung eines psychosozialen Ansatzes in die Unterstützungsstrategien von Gebern zu besprechen.

Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit Aluna statt, einer auf psychosoziale Unterstützung von MRO spezialisierten mexikanischen Organisation.

Gefördert wird der Prozess vom Programm zivik des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa).

Im August 2016 wurde in Mexiko-Stadt der Auftaktworkshop durchgeführt, bei dem 18 Teilnehmende aus je drei Organisationen aus Honduras, Mexiko und Kolumbien ihre Bedrohungsszenarien und ihre Strategien zum Umgang damit reflektierten und einen Prozessplan für ihre Organisationen erstellten, um psychosoziale Aspekte des Umgangs mit Bedrohung in das Denken und Handeln ihrer Organisationen zu integrieren. In den kommenden Monaten finden zwei weitere Workshops mit diesen MRO in Kolumbien und Honduras statt sowie zwei Workshops in Berlin mit Geberorganisationen.

Projektarchitektur

  • Los Planes de Desarrollo Territorial. 2016. Bogota, Colombia: GIZ - Programa de Apoyo a la Construcción de la Paz en Colombia (ProPaz) / como consult / Berghof Foundation. como un instrumento de construcción de paz. PDF >
  • Antonia Montanus, Nele Rathke, Barbara Unger: Organisations under pressure but powering on - the psychosocial approach within integrated management of threat. 2016. A model for human rights organisations and donor organisations. PDF >
  • Antonia Montanus, Nele Rathke, Barbara Unger: Organizaciones amenazadas, pero fuertes - Un enfoque psicosocial en el manejo integral de amenazas. 2016. Un modelo para organizaciones de DDHH y organizaciones donantes. PDF >