Regionale Friedensentwicklung in Kolumbien

Mit Schwerpunkt Regionale Friedensentwicklung berät unser Team und dessen Netzwerk in Kolumbien Departments und Gemeinden dabei, Friedensentwicklungsmaßnahmen in ihre Entwicklungspläne zu integrieren. Dies unterstützt Friedensentwicklung auf lokaler Ebene und bietet, sollte ein Friedensabkommen unterzeichnet werden, eine gute Grundlage für dessen Umsetzung. Die Arbeitsgemeinschaft Como-Berghof setzt eines der drei Handlungsfelder des Programms ProPaz der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Kolumbien um und trägt dadurch zum Friedensprozess bei.

Laufzeit

2015 - 2019

Konfliktlage

Über fünf Jahrzehnte bewaffneten Konflikts haben tiefe Spuren in der kolumbianischen Gesellschaft hinterlassen. Die Logik der Gewalt hat das öffentliche und private Leben durchdrungen. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl von Friedensinitiativen der Zivilgesellschaft, die versuchen, diese Gewaltlogik zu durchbrechen und die Transformationen zu befördern, die Kolumbien für den Frieden braucht.

Ende 2017 unterschrieben die kolumbianische Regierung und die FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) einen Friedensvertrag, mit dem die Verhandlungen seit 2012 abgeschlossen wurden. Nun werden die Weichen gestellt und Schritte unternommen, um diesen Vertrag umzusetzen. Gleichzeitig laufen Verhandlungen zwischen der ELN (Ejército de Liberación Nacional - Nationale Befreiungsarmee) Trotz dieses hoffnungsvollen Ausblicks sieht sich das Land mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, die angegangen werden müssen, um einen nachhaltigen Frieden zu gewährleisten. Es gibt sechs Millionen interne Vertriebene und über 220.000 Opfer.

Ansatz

Auf Basis des Konzepts des paz territorial ("Frieden in und aus den Regionen") leistet die Komponente Regionale (bzw. subnationale) Friedensentwicklung von ProPaz einen Beitrag dazu, die Verwaltungen auf Departement- und Gemeindeebene bei der Planung und Umsetzung friedensfördernder Maßnahmen in ihren jeweiligen Entwicklungsplänen und Verfahren zu unterstützen. Eine Verankerung von Frieden auf allen Ebenen der Gesellschaft bedarf inklusiver und partizipativer Prozesse. Daher berät unser Team bei der Entwicklung von geeigneten Kooperationsräumen und -mechanismen für diverse Akteure - öffentliche Verwaltung, Zivilgesellschaft, Kirche und Privatwirtschaft (Multiakteursansatz). Über diese horizontale Verbindung hinaus gewährleisten Informationsaustausch und Konsultationen zwischen nationaler und subnationaler Ebene, dass Friedenspolitiken und Prozesse landesweit kompatibel sind, aber gleichzeitig regionale Bedarfe ausreichend berücksichtigen (Mehrebenenansatz).

Wir unterstützen Schlüsselakteure durch die Vermittlung von Methoden des konfliktsensiblen Dialogs, der Moderation und Planung dabei, friedensrelevante Maßnahmen gemeinsam und friedensorientiert zu planen und umzusetzen. Dies wird eine besonders wichtige Rolle in der partizipativen Erstellung der subnationalen Entwicklungspläne Anfang 2016 und deren Umsetzung in den Jahren darauf spielen.

Bei diesem Vorhaben greifen wir auf unsere Erfahrungen von verschiedenen Projekten und Tätigkeiten zurück: die Begleitung eines Pilotprojekts zur regionalen Friedensförderung, die langjährige Beratung des GIZ-Programms CERCAPAZ, die Erstellung einer Systematisierung des Projekts SerMacarena und unsere langjährige Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen. Unsere Prozessberatung umfasst unter anderem Analyse- und Sondierungsprozesse, sowie Sensibilisierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Ziele und Ergebnisse

Das Vorhaben zielt darauf ab, Kompetenzen für Friedensentwicklung (Beziehungen, Haltungen, Strukturen) auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene zu stärken. Dies wird sich durch die partizipative Entwicklung und Umsetzung subnationaler Entwicklungspläne sowie durch die Umsetzung der darin enthaltenen Friedenspolitiken äußern. In diesem Prozess wenden staatliche und nicht-staatliche Akteure erprobte Methoden der konfliktsensiblen Kommunikation, der konstruktiven Dialogführung und der Kooperation an. Subnationale Erfahrungen bei der Umsetzung der Friedenspolitiken werden an die nationale Ebene rückgekoppelt und fließen in nationale Leitfäden und Handreichungen ein, die hierdurch regionale Unterschiede und Bedarfe realistischer widerspiegeln.

Zielgruppe

Das Vorhaben richtet sich an die nationale und die regionalen Regierungen in Kolumbien. Die Regionalregierungen von Meta und Norte de Santander, Bürgermeister und zivilgesellschaftliche Organisationen, die Nationale Planungsbehörde, das Büro des Hochkommissariats für Frieden und das Ministerium für Postkonflikt sind wichtige Durchführungspartner dieses Vorhabens und werden von institutioneller Stärkung und Beratung zu Politikumsetzung profitieren.

Regionen

Die beiden Programmregionen Meta und Norte de Santander sind durch eine starke Präsenz bewaffneter Akteure und schwache staatliche Kontrolle geprägt. Der Konflikt hat sich stark auf die Regionen ausgewirkt und es kommt immer noch zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Aufgrund der schwierigen Sicherheitslage, großer Rohstoffvorkommen und der strategischen Lage stellen Meta und Norte de Santander wichtige exemplarische Regionen für die Vorbereitung auf die Phase nach dem Friedensschluss dar. Über unsere Tätigkeiten in den Regionen hinaus begleiten wir nationale, mit Friedensentwicklung befasste Institutionen bei der Gestaltung und Anpassung der nationalen Richtlinien (z.B. Gesetze) für die regionale Umsetzung.

Die Berghof Foundation setzt die ProPaz-Programmkomponente der GIZ gemeinsam mit Como Consult in einer Arbeitsgemeinschaft um.

Die Programmkomponente arbeitet mit der Nationalen Planungsbehörde, dem Büro des Hochkommissariats für Frieden, dem Ministerium für Postkonflikt, mit Regierungen auf Departement- und Gemeindeebene und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen.

Politischer Steuerungspartner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist die kolumbianische Präsidiale Agentur für International Zusammenarbeit.

Sept. 2017 - Toolbox für lokale Vermittler

Das Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der ehemaligen Guerilla FARC nennt Ländliche Entwicklung als ein wichtiges Ziel, in vom Krieg besonders stark betroffenen Regionen. Daher hat die neu gegründete Behörde ART (Agencia de Renovación Territorial) einen Prozess entwickelt, lokale Entwicklungspläne für die am meisten vom Krieg betroffenen Regionen zu erstellen. Zur Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung sind Dialoge auf lokaler Ebene vorgesehen, die von geschulten Vermittlern/Fazilitatoren geleitet werden.

Die Mitglieder dieses neuen Fazilitatoren/innen-Netzwerks nahmen vom 15.-16. September an einer Trainings- und Reflektionsveranstaltung zu den Prinzipien und Werkzeugen von Dialog teil. Dabei erhielten sie eine neue Methodensammlung. Unser Team hat die ART u.a. bei der Entwicklung dieser Toolbox beraten.

Mai 2017 - Strategieworkshop mit ART

Wir unterstützen die kolumbianischen Agentur für Ländliche Erneuerung (ART) bei ihrer Aufgabe, die partizipative Erstellung von Entwicklungsplänen mit territorialem Fokus für 16 priorisierte Subregionen in Kolumbien zu gestalten. Im Rahmen dieser Beratung ko-moderierte der Teamleiter von Como-Berghof, Andrés Home, einen Strategieworkshop mit der Zentrale und den regionalen Koordinatoren dieser relativ neuen Behörde.Im Rahmen der Beratung der kolumbianischen Agentur für Ländliche Erneuerung (ART) hat der Teamleiter von Como-Berghof, Andrés Home, einen Strategieworkshop mit der Zentrale und den regionalen Koordinatoren dieser relativ neuen Behörde ko-moderiert. News >

November 2015 – Kick-off Meeting in Bogotá

Im November 2015 fand das Kick-off Meeting zur Planung in Bogotá statt, zusammen mit Regionalregierungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren der Programmregionen sowie dem Büro des Hochkommissariats für Frieden, dem Ministerium für Postkonflikt und der Nationalen Planungsbehörde.

September 2015 – Team „Regionale Friedensentwicklung“ der ArGe Como-Berhof nimmt Arbeit auf

Im September 2015 arbeitete das Team der Programmkomponente, zusammen mit Uta Giebel von Como Consult und Barbara Unger von der Berghof Foundation, die Konzeptualisierung und die Operationalisierung regionaler Friedensförderung weiter aus. Die Fortschritte dieser Arbeitssitzungen wurden dann mit dem gesamten Programmteam von ProPaz geteilt.

  • Barbara Unger: Der Friedensprozess in Kolumbien: Friedensabkommen, Friedensnobelpreis und noch kein Frieden. FriEnt Impuls Artikel. 2016. Bonn: FriEnt. Link>
  • Los Planes de Desarrollo Territorial. 2016. Bogota, Colombia: GIZ - Programa de Apoyo a la Construcción de la Paz en Colombia (ProPaz) / como consult / Berghof Foundation. como un instrumento de construcción de paz. PDF >

Publikationen zum Thema aus anderen Berghof-Projekten:

  • Barbara Unger, Claire Launay-Gama, Mauricio García Durán et al.: Diez Propuestas para la paz en Colombia desde la regiones. 2014. Berlin, Bogotá & Paris. PDF >
  • Isabel Cristina Correa Tamayo, Carlos Hernán Fernández Niño, Iván Marulanda Gómez et al.: Nuestro territorio, nuestra paz. 2015. Medellín. Aprendizajes para la construcción de paz territorial con comunidades campesinas en Antioquia (Colombia) – Un insumo para los departamentos. PDF >
  • Jaime Andrés Gómez, María Paula Prada & Barbara Unger: Transformación de conflictos mediante el diálogo. 2014. Bogotá D.C.. PDF >