Diaspora-Nothilfemaßnahmen und Koordination (DEMAC) in Syrien

Gemeinsam mit dem Danish Refugee Council und der African Foundation for Development, haben wir im Mai 2015 die Initiative für „Diaspora-Nothilfemaßnahmen und Koordination“ (kurz DEMAC) gegründet. Dem vorausgegangen war unsere Zusammenarbeit mit syrischen zivilgesellschaftlichen Akteuren und humanitären Initiativen in Deutschland.

Ziel von DEMAC ist es, den gegenseitige Austausch zwischen Diaspora Nothilfeakteuren und internationalen Hilfsorganisationen zu stärken. Durch Seminare und Workshops soll die Koordination humanitärer Diaspora Organisationen verbessert werden - wenn es beispielsweise darum geht, wie humanitäre Prinzipien eingehalten und  Hilfslieferungen internationalen  Standards angepasst werden können. Gleichzeitig wird Raum für Diskussionen und gemeinsames innovatives Denken über Mechanismen der humanitären Hilfe, Kooperationsmöglichkeiten und gleichberechtigte Partnerschaften geschaffen. Unsere Aktivitäten der DEMAC - Initiative sollen dazu beitragen, die humanitäre Hilfe, in Zeiten von begrenzter physischer Präsenz internationaler Hilfsorganisationen im Land, zu verbessern.

Als Konsortium aus drei Partnerorganisationen ist die DEMAC Initiative in der Lage, mit diversen Diasporagruppen und Fokusländern zusammenzuarbeiten und ein breites Spektrum an Kompetenzen, Kapazitäten und Netzwerken zu bündeln. In dieser Konstellation fungiert die Berghof Foundation als Anlaufstelle für die syrische Diaspora international und in Deutschland.

Überzeugt davon, dass der Konflikt in Syrien nur durch einen politischen Prozess gelöst werden kann, unterstützt Berghof auch weiterhin die Bemühungen syrischer Akteure, sich an internationalen und nationalen Mediations- und Dialogsprozessen zu beteiligen. 

Zeitrahmen:

2017-2018 (Phase II)

Projekt website: www.demac.org

Syrer und Syrerinnen, die im Ausland leben, haben seit Beginn der politischen Krise in ihrem Herkunftsland Nothilfe geleistet, umfangreiche Unterstützung mobilisiert und vielfach neue Organisationen und Strukturen geschaffen. Seitdem haben sie Nahrungsmittelpakete für betroffene Gemeinden in Syrien sowie Flüchtlinge in den Nachbarländern verschickt, medizinische Versorgungsgüter, Geräte und Medikamente verteilt, Bargeld für Krankenhauspflege und Gehälter für Ärzte bereitgestellt und Stipendien und Schulmaterial für syrische Kinder und Jugendliche in Notfallsituationen zur Verfügung gestellt. Mit einem sich immer weiter verschärfenden Konflikt und einer der schlimmsten humanitären Krisen weltweit, haben sich bald syrische Diaspora-basierte Einzelaktionen zu formalisierten Hilfsorganisationen entwickelt. Diese arbeiten mit lokalen Strukturen zusammen und  können die notleidende Bevölkerung noch in jenen Teilen des Landes erreichen, die für internationale Hilfsorganisationen kaum zugänglich sind. Trotz dieses Mehrwerts kämpfen Diaspora Organisationen um die Anerkennung von institutionellen humanitären NGOs und Gebern.

Jenseits der syrischen Krise werden Diaspora Organisationen auch andernorts zunehmend zu einflussreichen Akteuren in der humanitären Hilfe.  Beim Ausbruch einer Krise leisten sie oft als erste Nothilfe, haben oft Zugang zu Informationen aus erster Hand von der betroffenen Bevölkerung und senden große Mengen an Bargeld und qualifizierte Freiwillige in ihre Herkunftsländer. Allerdings erfolgt von Diaspora Organisationen geleistete Hilfe häufig parallel zum internationalen humanitären System, das eine gemeinsame Krisenreaktion zu koordinieren versucht. Diaspora Organisationen fehlen oftmals systematische und technische Kenntnisse über die Unterstützungsstrukturen und die Modalitäten des „konventionellen“ humanitären Systems. Auch erhalten sie wenig Unterstützung durch internationale Geber und kämpfen mit komplizierten Finanzierungsstrukturen und Berichterstattungsmechanismen. Ebenso wissen "konventionelle" Hilfsorganisationen und Spender oft sehr wenig über die Rolle und Modalitäten von Diaspora Akteuren. Selbst in Krisen, in denen sie Bedürftige nur schwer erreichen können, suchen sie daher kaum nach aktiver Koordination mit diesen.

Das DEMAC Projekt zielt daher darauf ab, Diaspora Organisationen und andere humanitäre Akteure zu unterstützen konstruktiv zusammenzuarbeiten, um die Gesamtkoordination humanitärer Maßnahmen zum Wohl der betroffenen Bevölkerungen zu verbessern. Angesichts des wachsenden Interesses an neuen Akteuren und Arbeitsweisen in der humanitären Hilfe untersuchen wir Interventionsmethoden und Kapazitäten der Diaspora. Wir bieten Raum für Dialog, um ein gegenseitiges Verständnis zwischen Diaspora Notfallhelfern und „formalen“ Hilfsorganisationen zu fördern und ein gemeinsames innovatives Denken über Mechanismen zu ermöglichen, um Wege für die Zusammenarbeit als gleichberechtigte Partner zu ebnen. Durch Workshops, Schulungen und Seminare werden die Diaspora Organisationen darin gestärkt, sich besser zu koordinieren, Hilfslieferungen zu professionalisieren, Risiken besser zu managen und ihre operative und strategische Kommunikation zu verbessern. Angesichts der Vielfalt an Akteuren im humanitären Feld versucht das DEMAC Projekt humanitäre Hilfe zugunsten der notleidenden Bevölkerung effizienter zu gestalten.

Angesichts der fehlenden physischen Präsenz internationaler Hilfsorganisationen in weiten Teilen des Landes, trägt die Unterstützung der Berghof Foundation durch DEMAC zu einer Stärkung des humanitären Reaktionsvermögens der syrischen Akteure und Hilfsorganisationen bei.

Die DEMAC Initiative wird von einem Projektkonsortium aus dem Danish Refugee Council (DRC) und der African Foundation for Development (AFFORD) und der Berghof Foundation durchgeführt. Das Konsortium bringt erfahrene Partner zusammen, die es dem Projekt ermöglichen diverse Diasporagruppen und Fokusländer abzudecken und ein breites Spektrum an Kompetenz, Kapazitäten und Netzwerken zu bündeln. Die Partner arbeiten hierbei komplementär mit verschiedenen Diaspora Gruppen zusammen: AFFORD mit der Sierra leonischen Diaspora – vornehmlich im Vereinigten Königreich, DRC mit der somalischen Diaspora, insbesondere in Dänemark, und die Berghof Foundation mit syrischen Diaspora-Organisationen in Deutschland, sowie z.T. europaweit und in Nachbarländern.

Gefördert wird DEMAC durch das Generaldirektorat für Humanitäre Hilfe und Katastro­phenschutz der Europäischen Kommission (ECHO).

 "Neue Wege der Arbeit" Workshop Reihe

In einer Reihe dreitägiger Workshops für Fachleute auf operativer Ebene und Diaspora Humanitäre sollte das gegenseitige Verständnis der Akteure gestärkt und Möglichkeiten ausgelotet werden, wie eine Koordination mit dem internationalen humanitären System so zu gestalten wäre, dass die humanitäre Hilfe für die notleidende Bevölkerung effizienter bereitgestellt wird.

Die Vielfalt an humanitären Akteuren, Kompetenzen und Beziehungen, die an Nothilfe und Krisenbewältigung beteiligt sind, führen oftmals zu mangelnder Koordination untereinander, vermeidbaren Doppelungen und einer daher oft schwachen Krisenreaktion. Die Workshop Reihe "Neue Wege der Arbeit" wurde dazu entwickelt, diese Herausforderungen anzugehen. Sie hat sowohl Diaspora Akteuren als auch humanitäre Fachleuten ein gemeinsames Verständnis des internationalen Koordinierungssystems vermittelt und potenzielle Möglichkeiten der Kompatibilität für ein effektiveres humanitäres System ausgelotet.

Anhand von Präsentationen, Fallstudien, Aktivitäten und Gruppendialogen diskutierten bis zu 32 somalische, syrische und sierra leonische Diaspora und "institutionelle" Humanitäre, die durch zahlreiche internationale NGOs und UN-Agenturen vertreten waren, in den Workshops folgende Themen:

  • 1. DEMAC-Workshop "Humanitäre Grundsätze, Freiwilligenarbeit und Koordination", DRC, Kopenhagen, 25. - 27. Februar 2016> Programm- und Workshop Bericht

  • 2. DEMAC-Workshop "Einsatz von Technologie und sozialen Medien in der humanitären Krise", AFFORD, London, 28.-30. April 2016> Programm- und Workshop Bericht

  • 3. DEMAC-Workshop "Zugangsverhandlungen und Sicherheitsmanagement in komplexen Umgebungen", Berghof-Foundation, Berlin, 2.-4. Juni 2016> Programm

Einreichung der Diaspora Empfehlungen zum Konsultationsprozess des humanitären Weltgipfels

Das DEMAC Konsortium hat drei separate Workshops mit der syrischen, somalischen und sierra leonischen Diaspora im Juli 2015 organisiert, um die Erarbeitung eines gemeinsames Positionspapier zur humanitären Effektivität für den ersten humanitären Weltgipfel zu unterstützen. Das Positionspapier gibt eine Übersicht der Diskussion zur humanitären Hilfe durch Diaspora Organisationen und enthält Empfehlungen für den Weltgipfel. 

Teilnahme am Konsultationsprozess des humanitären Weltgipfels

Nach Einreichung des gemeinsamen Positionspapiers wurde das DEMAC Konsortium vom Sekretariat des humanitären Weltgipfels gebeten, humanitäre Diaspora Organisationen für die Teilnahme am Konsultationsprozess am 14. & 15 Oktober 2015 in Genf vorzuschlagen. Neun der vorgeschlagenen Organisationen und ein DEMAC Koordinator haben daraufhin eine Einladung für das Konsultationstreffen erhalten. Während der Abschlusssitzung dieses Treffens hat einer der Diasporarepräsentanten einen Redebeitrag geleistet, der zur Verbesserung der strategischen Kooperation zwischen Diaspora Humanitären und dem formellen humanitären System aufrief. Geschäftsführer der Berghof Foundation, Professor Hans Joachim Giessmann, moderierte während des Treffens die Vorbereitungssitzung der Diaspora Organisationen. 

Vorbereitungstreffen zur Teilnahme am humanitären Weltgipfel

15 Repräsentanten der von DEMAC vorgeschlagenen humanitären Diaspora Organisationen haben eine Einladung zur Teilnahme am humanitären Weltgipfel erhalten. Um ihre Teilnahme vorzubereiten, sie mit den  Ergebnisse des Konsultationsprozess und den Verpflichtungen der wichtigsten Akteure bekannt zu machen, wurde von Berghof ein Vorbereitungstreffen in Berlin organisiert. Ein Ergebnis des Treffens war eine gemeinsame Verpflichtungserklärung der Diaspora zum humanitären Weltgipfel. Der Entwurf der Erklärung wurde online mit Diaspora Humanitären weltweit geteilt

DEMAC beim humanitären Weltgipfel

15 Diasporarepräsentanten und drei Mitarbeiter des DEMAC Konsortiums haben am humanitären Weltgipfel in Istanbul teilgenommen. Dabei konnten fünf der Teilnehmer einen Redebeitrag beim “Member States and Other Stakeholders Announcement Plenary” geben und einer der Diasporarepräsentanten konnte eine Rede bei der „People at the Centre“ Sitzung halten. Die DEMAC Projektmanager haben während des Gipfels als Anlaufstelle für Diaspora Organisationen gedient.

Mehr Informationen zu DEMAC beim humanitären Weltgipfel.

Community Workshops

Um besonders viele Diaspora Organisationen an den Erfahrungen und Erkenntnissen aus dem Projekt teilhaben zu lassen, wurden diese in den „Community Workshops“ aufbereitet und weiter an interessierte Organisationen verbreitet. Die Teilnehmer, die zuvor an der Serie „Neue Wege des Arbeitens“ teilgenommen haben, haben das Wissen und die Erfahrungen an andere Diaspora Initiativen, Organisationen und Netzwerke in diesem Workshop Format weitergegeben. Der Workshop hat jeweils separat für die somalische, syrische und sierra leonische Diaspora stattgefunden.

DEMAC Konferenz

Die DEMAC Konferenz brachte Repräsentanten der EU und anderen internationalen Organisationen, Zivilgesellschaft, Regierungsvertreter, wissenschaftliche Intuitionen und Diaspora Organisationen zusammen, um über Stärken und Möglichkeiten von humanitärer Hilfe durch Diaspora Organisationen zu diskutieren. Für Redebeiträge konnten unter anderem Hany El-Banna, der Gründer von Islamic Relief, und Robert Smith, der Partnerschaftsbeauftragter des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, gewonnen werden. Auch viele humanitäre Diaspora Organisationen folgten der Einladung und teilten ihre Erfahrungen und Überlegungen aus unterschiedlichsten Kontexten.

Konferenzbericht >

Report Diaspora Humanitarianism: Transnational Ways of Working

The DEMAC research report outlines the basic modalities and features of formalized collective interventions by Sierra Leonean, Somali and Syrian diaspora-based relief organizations and initiatives based in the United Kingdom, Denmark and Germany respectively, by elucidating their responses to the humanitarian crises in their countries of origin/heritage and neighboring countries.

Based on interviews conducted in Denmark, Germany, Lebanon, Sierra Leone, Somalia (Somaliland), Turkey, and the UK, desk-based study, cross-referencing surveys and mappings, the report identifies the instruments and explains the ways through which diaspora humanitarians operate to provide relief to affected people in need. Informative, yet largely explorative in nature, the report elicits potential areas of increased and more effective cooperation and coordination between diaspora organizations and initiatives engaged in humanitarian action and institutional aid agencies of the international humanitarian system.

Report >

Findings of the Diaspora Emergency Action and Coordination Project

Based on the overall project outcomes and experiences, the report and handbook presents the findings of the DEMAC initiatives and includes specific operational recommendations for diaspora humanitarians, institutional actors and donors.

Report > 

DEMAC Checklist: Engaging Diasporas for Emergency Action and Coordination

The Checklist is a practical tool for diasporas organisations and actors in the formal humanitarian system designed to improve operational and strategic communication and coordination.

Checklist >